Baldrian (Valeriana officinalis): Der absolute Klassiker für Schlaf und Beruhigung

Blüten des Echten Baldrians (Valeriana officinalis) mit weiß-rosa Blütenständen vor grünem Hintergrund.

Steckbrief

Botanischer Name: Valeriana officinalis L.
Deutscher Name: Echter Baldrian, Arznei-Baldrian
Familie: Geißblattgewächse (Caprifoliaceae)
Verbreitung: Europa bis Westasien, heute auch in anderen gemäßigten Regionen verbreitet
Verwendeter Pflanzenteil: vor allem Wurzelstock, Wurzeln und unterirdische Ausläufer
Wichtige Inhaltsstoffe: Valerensäure und verwandte Sesquiterpene, ätherisches Öl, Valepotriate, Lignane und Flavonoide
Traditionelle Verwendung: bei Unruhe, nervöser Anspannung und Schlafproblemen
Forschungsschwerpunkte: Schlafqualität, GABA-A-Rezeptoren, Valerensäure, Angst und Stress
Besonderheit: eine der bekanntesten europäischen Arzneipflanzen überhaupt

Echter Baldrian (Valeriana officinalis) mit weißen Blüten auf einer Bergwiese in alpiner Landschaft.

Es gibt Pflanzen, deren Ruf ihrer tatsächlichen Bedeutung weit vorausgeeilt ist. Und es gibt Baldrian.

Kaum eine andere Arzneipflanze ist im deutschsprachigen Raum so fest mit “Beruhigung” verbunden. Wer nicht schlafen kann, nervös ist oder nach einem langen Tag nicht herunterkommt, bekommt irgendwann denselben Rat: “Probier doch Baldrian.” Baldriantee, Baldriantropfen und Dragees gehören seit Generationen zum Inventar von Apotheken und Hausapotheken.

Gerade deshalb übersieht man leicht, wie interessant Valeriana officinalis eigentlich ist. Hinter dem etwas altmodischen Image steckt eine Pflanze mit ungewöhnlicher Chemie, einem geradezu berüchtigten Geruch und einer erstaunlich komplizierten Forschungsgeschichte.

Denn ausgerechnet beim europäischen Klassiker für Schlaf und Beruhigung ist die wissenschaftliche Geschichte weniger eindeutig, als sein Ruf vermuten lässt.

Eine unscheinbare Pflanze mit ziemlich auffälligen Wurzeln

Wer Baldrian nur aus Tabletten oder Teebeuteln kennt, könnte sich eine eher unspektakuläre Pflanze vorstellen. Tatsächlich kann Echter Baldrian eine stattliche Erscheinung werden. Die mehrjährige krautige Pflanze erreicht häufig mehr als einen Meter Höhe. Im Sommer trägt sie zahlreiche kleine weißliche bis rosafarbene Blüten, die zu lockeren Blütenständen zusammenstehen.

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Valeriana officinalis erstreckt sich über große Teile Europas bis nach Westasien. Auch in Österreich und Deutschland gehört Baldrian zur heimischen Flora. Man findet ihn vor allem an feuchten bis wechselfeuchten, nährstoffreichen Standorten, etwa auf Wiesen, an Ufern, Gräben und Waldrändern. Botanisch gehört die Gattung Valeriana heute zu den Geißblattgewächsen.

Historische botanische Illustration des Echten Baldrians (Valeriana officinalis) mit Blüten, Blättern, Wurzeln und Samen.

Für die Pflanzenheilkunde interessiert man sich allerdings weniger für die zarten Blüten als für das, was unter der Erde liegt. Arzneilich verwendet werden vor allem der Wurzelstock und die Wurzeln, pharmazeutisch als Valerianae radix bezeichnet.

Und spätestens beim Trocknen versteht man, weshalb Baldrian eine Pflanze ist, an die man sich erinnert.

Die Wurzel entwickelt einen intensiven, eigentümlichen Geruch. Erdige, süßliche und moschusartige Noten treffen auf etwas, das manche Menschen an alten Käse oder verschwitzte Socken erinnert. Verantwortlich dafür ist ein komplexes Gemisch flüchtiger Verbindungen, das sich während Verarbeitung und Lagerung verändern kann.

Vielleicht passt dieser Geruch sogar ganz gut zur Kulturgeschichte des Baldrians. Er war nie die elegante oder exotische Arzneipflanze. Er war die praktische Pflanze aus der europäischen Hausapotheke.

Baldrian war nicht immer einfach “die Schlafpflanze”

Die Geschichte wird häufig sehr glatt erzählt: Schon Griechen und Römer hätten Baldrian gegen Schlaflosigkeit eingesetzt, später hätten Klöster dieses Wissen bewahrt und irgendwann sei daraus das Baldrianpräparat in der Apotheke geworden.

Ganz so eindeutig ist es nicht.

Baldrian beziehungsweise Pflanzen, die später der Gattung Valeriana zugeordnet wurden, tauchen seit der Antike in medizinischen Texttraditionen auf. Die Zuordnung historischer Pflanzennamen zu heutigen botanischen Arten ist allerdings schwierig. Verschiedene als “nardos”, “phu” oder ähnlich bezeichnete Pflanzen wurden über Jahrhunderte beschrieben, gehandelt und teilweise miteinander verwechselt. Erst mit der Entwicklung der modernen botanischen Systematik wurden die Arten eindeutiger voneinander getrennt.

Auch die Vorstellung, Baldrian sei über zwei Jahrtausende hinweg hauptsächlich als Schlafmittel verwendet worden, greift zu kurz.

Historische Quellen beschreiben ein deutlich breiteres Spektrum. Baldrian wurde unter anderem bei Krämpfen, Kopfschmerzen, nervösen Beschwerden und verschiedenen anderen Leiden eingesetzt. In der europäischen Medizin veränderte sich seine Rolle mehrfach. In älteren Arzneibüchern finden sich deshalb Anwendungen, die mit unserem heutigen Bild vom beruhigenden “Schlafkraut” wenig gemeinsam haben.

Im Laufe der neueren europäischen Pflanzenheilkunde rückten schließlich jene Anwendungen stärker in den Vordergrund, mit denen Baldrian heute verbunden wird: nervöse Anspannung, Unruhe und Schlafprobleme.

Das macht seine Geschichte interessanter, nicht schwächer. Pflanzen besitzen keine unveränderliche medizinische Bedeutung. Menschen beobachten sie, ordnen Erfahrungen ein, entwickeln medizinische Theorien und interpretieren ihre Verwendung immer wieder neu.

Beim Baldrian blieb schließlich eine Vorstellung besonders hartnäckig hängen: Er soll helfen, wenn der Kopf nicht abschalten möchte.

Warum Baldrian heute noch interessant ist

Man könnte erwarten, dass eine derart etablierte Pflanze wissenschaftlich längst abgehakt ist. Tatsächlich beschäftigt Baldrian die Forschung bis heute.

Baldriantee mit getrockneter Baldrianwurzel und Blüten des Echten Baldrians (Valeriana officinalis).

Er liegt irgendwo zwischen traditioneller Hausapotheke und moderner Neuropharmakologie. Die Pflanze wird seit langer Zeit genutzt, ihre Präparate sind in Europa regulatorisch etabliert, und gleichzeitig wird noch immer untersucht, welche Bestandteile für welche pharmakologischen Effekte verantwortlich sein könnten.

Das liegt auch daran, dass Baldrian kein einzelner Wirkstoff ist.

Eine getrocknete Wurzel enthält ein komplexes Gemisch verschiedener Naturstoffe. Je nachdem, wo die Pflanzen wachsen, wann sie geerntet werden und wie das Material anschließend getrocknet, gelagert und extrahiert wird, kann sich dieses chemische Profil unterscheiden.

Damit beginnt eines der interessantesten Kapitel der Baldrianforschung.

Valerensäure, Valepotriate und ein chemisches Puzzle

Besonders intensiv untersucht werden verschiedene Sesquiterpene. Zu ihnen gehören Valerensäure und verwandte Verbindungen wie Acetoxyvalerensäure. Daneben enthält die Baldrianwurzel Bestandteile des ätherischen Öls, Valepotriate, Flavonoide, Lignane und weitere Pflanzenstoffe.

Valerensäure ist dabei besonders interessant geworden. Sie dient bei bestimmten Baldrianpräparaten nicht nur als pharmakologisch untersuchter Inhaltsstoff, sondern auch als chemischer Marker für die Standardisierung.

Chemische Strukturformel der Valerensäure, eines charakteristischen Inhaltsstoffs der Baldrianwurzel (Valeriana officinalis).

Das ist relevant, weil die ältere Vorstellung von “dem Wirkstoff des Baldrians” wahrscheinlich zu einfach ist.

Heute richtet sich der Blick stärker auf das Zusammenspiel verschiedener Inhaltsstoffe und auf die Zusammensetzung konkreter Extrakte. Manche Verbindungen sind zudem relativ instabil. Verarbeitung und Lagerung sind deshalb nicht bloß technische Details, sondern können beeinflussen, welche Substanzen in einem Präparat tatsächlich vorhanden sind.

Das könnte auch erklären, weshalb zwei Produkte mit der Aufschrift “Baldrian” pharmakologisch nicht zwangsläufig identisch sind und weshalb klinische Untersuchungen mit unterschiedlichen Extrakten zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen können.

Besonders spannend wird die Geschichte allerdings dort, wo die Pflanzenchemie auf das Nervensystem trifft.

Was Baldrian mit GABA zu tun hat

Ein Schwerpunkt der modernen Baldrianforschung betrifft das GABA-System.

Gamma-Aminobuttersäure, kurz GABA, ist einer der wichtigsten hemmenden Botenstoffe des menschlichen Nervensystems. GABA reduziert die Erregbarkeit von Nervenzellen und spielt dadurch unter anderem bei Schlaf, Angst, Muskeltonus und allgemeiner neuronaler Erregung eine wichtige Rolle.

Hier kommt die Valerensäure ins Spiel.

Laboruntersuchungen zeigen, dass Valerensäure bestimmte GABA-A-Rezeptoren modulieren kann. Besonders interessant ist, dass diese Aktivität von der Zusammensetzung der Rezeptoren abhängt. Untersuchungen weisen unter anderem auf eine Beteiligung von Rezeptoren mit Beta-2- beziehungsweise Beta-3-Untereinheiten hin.

Damit lässt sich ein plausibler pharmakologischer Mechanismus beschreiben: Bestimmte Inhaltsstoffe des Baldrians können in experimentellen Modellen an einem zentralen Regulationssystem neuronaler Erregbarkeit ansetzen.

Präklinische Forschung geht noch einen Schritt weiter. In Tierexperimenten zeigten Valerensäure und der verwandte Naturstoff Valerenol in bestimmten Verhaltensmodellen angstlösende Effekte. Versuche mit genetisch veränderten Mäusen lieferten zusätzliche Hinweise darauf, dass bestimmte GABA-A-Rezeptoren an diesen Effekten beteiligt sind.

Solche Untersuchungen sind keine klinischen Wirksamkeitsnachweise für Baldriantee oder Baldrianpräparate. Sie beantworten eine andere, ebenso interessante Frage: Was könnte im Nervensystem passieren, wenn einzelne Inhaltsstoffe der Pflanze auf bestimmte Rezeptoren treffen?

Gerade darin liegt ein großer Teil des heutigen wissenschaftlichen Interesses an Baldrian. Aus einem traditionellen Pflanzenmittel wird ein chemisches System, dessen einzelne Bestandteile sich bis auf Rezeptorebene untersuchen lassen.

Und hilft Baldrian nun beim Schlafen?

Hier wird es komplizierter.

Humanstudien zu Baldrian existieren durchaus. Das Problem liegt weniger in ihrer Anzahl als in ihrer Unterschiedlichkeit: verschiedene Extrakte, unterschiedliche Behandlungsdauer, verschiedene Studiengruppen und unterschiedliche Methoden zur Messung von Schlaf.

Baldrian-Tinktur in einer Glasflasche neben den weiß-rosa Blüten des Echten Baldrians (Valeriana officinalis).

Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2006 analysierte 16 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 1.093 Teilnehmer*innen. Ein Teil der Ergebnisse deutete auf eine subjektiv bessere Schlafqualität hin. Gleichzeitig waren die Studien methodisch sehr unterschiedlich.

Eine größere systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse aus dem Jahr 2020 wertete 60 Studien mit insgesamt 6.894 Teilnehmer*innen aus. Die Autor*innen fanden Hinweise darauf, dass Baldrian bei bestimmten untersuchten Schlafparametern und damit verbundenen Beschwerden einen Nutzen haben könnte. Besonders interessant war ihre Beobachtung, dass Unterschiede in Qualität und Zusammensetzung der verwendeten Baldrianpräparate einen Teil der widersprüchlichen Ergebnisse erklären könnten.

2024 erschien schließlich eine sogenannte Umbrella Review, die acht bereits vorhandene systematische Reviews untersuchte. Das Bild blieb differenziert. Für die Behandlung von Insomnie fand die Umbrella Review insgesamt keine überzeugende Evidenz für eine Wirksamkeit. Bei der subjektiv wahrgenommenen Schlafqualität zeigten sich dagegen positive Signale, die sich in objektiven beziehungsweise quantitativen Schlafmessungen nicht gleichermaßen widerspiegelten.

Genau diese Unterscheidung ist wichtig.

“Besser schlafen” kann bedeuten, morgens das Gefühl zu haben, ruhiger oder erholsamer geschlafen zu haben. Es kann aber auch bedeuten, im Schlaflabor messbar schneller einzuschlafen, länger zu schlafen oder weniger Wachphasen zu erleben. Diese Dinge müssen wissenschaftlich nicht zwangsläufig gemeinsam auftreten.

Baldrian zeigt damit ziemlich gut, warum Pflanzenforschung manchmal komplizierter ist als die Untersuchung eines einzelnen Arzneistoffs. Ein Pflanzenextrakt ist ein variables Gemisch, während “Schlaf” selbst kein einzelner Messwert ist.

Vom Arzneischrank zum Abendritual

Vielleicht erklärt sich die Langlebigkeit des Baldrians auch dadurch, dass Pflanzengebrauch nie ausschließlich Pharmakologie ist.

Baldrianwurzel wird als Tee, Tinktur oder Trockenextrakt verwendet. Häufig begegnet sie gemeinsam mit anderen klassischen Abendkräutern wie Melisse, Hopfen oder Passionsblume. Auch in der europäischen Arzneipflanzentradition haben solche Kombinationen eine lange Geschichte.

Ein Tee am Abend besitzt außerdem eine Ebene, die sich in einer Rezeptorstudie schwer abbilden lässt. Wasser aufsetzen. Smartphone weglegen. Warten, bis die Kräuter gezogen haben. Etwas Warmes trinken. Den Tag nicht mit derselben Geschwindigkeit beenden, mit der man ihn verbracht hat.

Das Ritual allein erklärt keine pharmakologische Wirkung. Aber es erklärt vielleicht einen Teil davon, warum Pflanzen wie Baldrian kulturell so langlebig sind.

Dazu kommt die Pflanze selbst. Der intensive Geruch der Wurzel, ihr herb-erdiger Geschmack und ihre lange Geschichte machen Baldrian zu einem Naturstoff, der sich deutlich von einem geschmacksneutralen Nahrungsergänzungsmittel unterscheidet. Wer lose Baldrianwurzel kauft, begegnet tatsächlich einer Pflanze – mitsamt ihrer eigenwilligen sensorischen Persönlichkeit.

Gerade bei getrockneten Wurzeln lohnt es sich deshalb, auf eine nachvollziehbare botanische Deklaration, sauberes Pflanzenmaterial, sachgerechte Lagerung und möglichst transparente Herkunft zu achten. Baldrian ist ein gutes Beispiel dafür, dass Qualität bei Pflanzenprodukten nicht nur eine Frage hübscher Verpackungen ist.

Frisch ausgegrabene Baldrianwurzel (Valeriana officinalis) mit grünen Blättern und weißen Blüten auf einem Holztisch.

Was die europäische Arzneimittelbehörde sagt

Auch regulatorisch besitzt Baldrian eine ungewöhnlich starke Stellung unter europäischen Arzneipflanzen.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur unterscheidet bei Baldrian je nach Zubereitung zwischen traditioneller Anwendung und “well-established use”, also einer medizinisch anerkannten Verwendung auf Grundlage wissenschaftlicher Daten und langjähriger Anwendung.

Bestimmte Baldrianwurzel-Trockenextrakte werden zur Linderung leichter nervöser Anspannung und bei Schlafstörungen eingeordnet. Andere Zubereitungen, darunter zerkleinerte Baldrianwurzel für Kräutertee, werden aufgrund ihrer langjährigen traditionellen Verwendung zur Linderung leichter Stresssymptome und als Schlafhilfe geführt.

Bemerkenswert ist dabei ein Detail: Baldrian wird regulatorisch nicht einfach als pflanzlicher Sofort-Aus-Schalter verstanden. Für bestimmte Zubereitungen weist die EMA darauf hin, dass sich die Wirkung allmählich entwickeln kann und die Pflanze deshalb nicht für eine akute Intervention bei nervöser Anspannung oder Schlafproblemen gedacht ist.

Das passt erstaunlich gut zu ihrem kulturellen Charakter. Baldrian steht weniger für einen spektakulären Effekt als für etwas, das Menschen seit langer Zeit in ihre Abendroutine integrieren. Die derzeit gültige EMA-Monografie befindet sich aktuell in einem erneuten Überprüfungsverfahren.

Ein alter Klassiker, der wissenschaftlich noch nicht langweilig geworden ist

Vielleicht ist genau das die spannendste Erkenntnis über Baldrian.

Die Pflanze ist weder ein vergessenes Volksheilmittel, das erst von der modernen Forschung entdeckt werden musste, noch ein vollständig entschlüsseltes pflanzliches Schlafmittel. Sie bewegt sich dazwischen.

Wir wissen heute einiges über ihre Chemie. Valerensäure kann bestimmte GABA-A-Rezeptoren beeinflussen. Wir verstehen besser, warum Extrakte nicht automatisch miteinander vergleichbar sind. Präklinische Modelle liefern plausible Mechanismen für beruhigende beziehungsweise angstbezogene Effekte. Gleichzeitig zeigt die klinische Forschung ein differenziertes Bild, insbesondere wenn subjektive Schlafqualität und objektiv gemessene Schlafparameter getrennt betrachtet werden.

Und dann bleibt noch das, was sich nicht vollständig auf einen Rezeptor reduzieren lässt: Geruch, Geschmack, Ritual, Kulturgeschichte und die Erfahrung, eine Pflanze zu verwenden, die Menschen in Mitteleuropa seit Jahrhunderten begleitet.

Vielleicht ist Baldrian gerade deshalb so leicht zu unterschätzen.

Er wirkt unspektakulär, weil wir ihn so gut kennen.

Botanisch, chemisch und kulturgeschichtlich ist er das überhaupt nicht.

Echter Baldrian (Valeriana officinalis) mit weißen Blüten auf einer naturbelassenen Feuchtwiese.

Sicherheit und Harm Reduction

Baldrian gilt bei kurzfristiger Anwendung im Allgemeinen als gut verträglich. Möglich sind unter anderem Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Schwindel oder Müdigkeit. Für eine langfristige regelmäßige Anwendung liegen weniger Daten vor.

Da Baldrian Müdigkeit und Reaktionsfähigkeit beeinflussen kann, sollte bei entsprechender Wirkung nicht Auto gefahren oder mit gefährlichen Maschinen gearbeitet werden. Die gleichzeitige Einnahme mit Alkohol, sedierenden Medikamenten oder anderen stark beruhigenden Substanzen sollte vermieden beziehungsweise medizinisch abgeklärt werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine ausreichenden Sicherheitsdaten vor. Die EMA empfiehlt entsprechende Baldrianarzneimittel außerdem grundsätzlich nicht für Kinder unter zwölf Jahren.

Anhaltende oder ausgeprägte Schlafprobleme sollten abgeklärt werden, da hinter ihnen sehr unterschiedliche körperliche und psychische Ursachen stehen können.

Quellen

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European Medicines Agency (EMA). European Union herbal monograph on Valeriana officinalis L., radix. EMA/HMPC/150848/2015.
https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-monograph/final-european-union-herbal-monograph-valeriana-officinalis-l-radix_en.pdf

European Medicines Agency (EMA). Combination: Valerianae radix and Lupuli flos.
https://www.ema.europa.eu/en/medicines/herbal/valerianae-radix-lupuli-flos

Royal Botanic Gardens, Kew. Valeriana officinalis L. Plants of the World Online.
https://powo.science.kew.org/taxon/860012-1

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