Clavo Huasca (Tynanthus panurensis)

Ein junges Pflänzchen mit hellgrünen Blättern wächst im Vordergrund einer schattierten Baumschule. Dahinter sind zahlreiche weitere Setzlinge in schwarzen Pflanzbeuteln zu sehen. Im unscharfen Hintergrund steht ein Schild mit der Aufschrift „Clavo Huasca“ und dem wissenschaftlichen Namen Tynanthus panurensis. Ein schwarzes Schattiernetz überspannt die Anzuchtfläche, während im Hintergrund Bäume und Vegetation im warmen Sonnenlicht zu erkennen sind.

Steckbrief

Namen: Clavo Huasca, Clavohuasca, Gewürznelkenliane
Wissenschaftlicher Name: Tynanthus panurensis (Bureau) Sandwith
Familie: Trompetenbaumgewächse (Bignoniaceae)
Wuchsform: verholzende Liane
Verbreitung: nördliches Brasilien, Peru, Ecuador, Kolumbien und Bolivien
Lebensraum: feuchte tropische Wälder
Verwendete Pflanzenteile: vor allem Stamm und Rinde
Aroma: warm, holzig und gewürznelkenähnlich
Traditionelle Bedeutung: Tonikum und Bestandteil regionaler Rindenansätze
Erforschte Inhaltsstoffgruppen: Phenylpropanoid-Glykoside, Flavonoide, Saponine und weitere phenolische Verbindungen
Psychoaktivität: keine klassische psychedelische oder halluzinogene Wirkung bekannt

Ein belaubter Zweig mit großen, ovalen, glänzend grünen Blättern und zahlreichen kleinen, cremeweißen Blüten wächst in dichter tropischer Vegetation. Einige Blätter weisen Fraßspuren und kleine Verfärbungen auf. Die verzweigten Blütenstände heben sich vor dem dunklen Hintergrund des Waldes deutlich ab.

Die Gewürznelkenliane aus dem Amazonas

Auf den Märkten von Iquitos reicht oft schon ein kurzer Schnitt mit dem Messer. Sofort steigt ein warmer Duft nach Gewürznelken auf. Genau dieser Geruch hat der Liane ihren Namen gegeben – und über Jahrzehnte ihren Ruf als geheimnisvolle “Potenzpflanze” des Amazonas. Wird die trockene Rinde angeschnitten oder zerrieben, entfaltet sie einen warmen, würzigen Geruch. Er erinnert an Gewürznelken, manchmal auch an Zimt, Holz und einen Hauch Vanille.

Dabei ist Clavo Huasca weder mit dem Gewürznelkenbaum noch mit Zimt verwandt. Hinter dem Namen steht Tynanthus panurensis, eine verholzende Liane aus den feuchten Wäldern des westlichen Amazonasgebiets. Ihre aromatische Rinde wird traditionell in stärkenden Getränken und alkoholischen Kräuteransätzen verwendet. Besonders bekannt wurde die Pflanze durch jene kräftigen Rindenliköre, die im peruanischen Amazonasgebiet gegen Erschöpfung, körperliche Beschwerden und nachlassende sexuelle Vitalität angeboten werden.

Inzwischen beschäftigt sich auch die Naturstoffforschung mit Clavo Huasca. Wissenschaftler*innen fanden in der Rinde Phenylpropanoid-Glykoside, Flavonoide, Saponine und weitere phenolische Verbindungen. Untersucht wurden unter anderem antioxidative Prozesse, Entzündungsmediatoren und eine mögliche Hemmung des Enzyms Phosphodiesterase 5.

Klinische Studien am Menschen fehlen allerdings bislang. Clavo Huasca steht damit an einem interessanten Übergang: Die Liane ist Waldpflanze, Gewürz, traditionelle Arzneipflanze und Forschungsobjekt zugleich.

Eine Liane, die nach Gewürznelken riecht

Der Name Clavo Huasca verbindet zwei Sprachwelten. Das spanische Wort “clavo” bezeichnet die Gewürznelke. “Huasca” oder “waska” wird in verschiedenen regionalen Sprachkontexten für ein Seil, eine Schnur oder eine Liane verwendet. Sinngemäß lässt sich der Name daher als “Gewürznelkenliane” verstehen.

Eine Person untersucht im tropischen Regenwald einen Ast der Heilpflanze Clavo Huasca mit großen, dunkelgrünen, ovalen Blättern. Der Ast verläuft schräg durch das Bild und wird mit einer Hand gehalten. Einige Blätter weisen Fraßspuren und kleine Beschädigungen auf. Im Hintergrund ist dichte tropische Vegetation mit Palmen und weiteren Bäumen zu sehen.

Botanisch gehört die Pflanze zu den Trompetenbaumgewächsen. Viele Arten dieser Familie sind Bäume, Sträucher oder kräftige Kletterpflanzen mit röhrenförmigen Blüten. Tynanthus panurensis entwickelt lange verholzende Sprosse, mit denen sie sich durch die Vegetation tropischer Wälder arbeitet.

Die Blätter bestehen meist aus zwei Teilblättchen. Dazwischen kann eine dreigeteilte Ranke entstehen, die der Liane dabei hilft, sich an benachbarten Pflanzen festzuhalten. Ihre kleinen, hellen Blüten wirken verglichen mit der kräftigen Wuchsform eher zurückhaltend.

Was Menschen an Clavo Huasca besonders interessiert, ist der aromatische Stamm. Schon beim Anschneiden kann ein würziger Duft freigesetzt werden. In botanischen und ethnobotanischen Beschreibungen gilt dieses Aroma als auffälliges Merkmal der Pflanze.

Vollkommen eindeutig ist der Handelsname allerdings nicht. Auch andere Arten der Gattung Tynanthus besitzen einen nelkenähnlichen Geruch und werden regional als “cipó-cravo”, “clavo huasca” oder mit verwandten Namen bezeichnet. Getrocknete Rinden- und Stammstücke lassen sich für Käufer*innen kaum sicher unterscheiden.

Genau hier beginnt ein Problem, das viele ethnobotanische Handelsprodukte betrifft: Ein gebräuchlicher Name bezeichnet nicht immer nur eine einzige botanische Art. Für Forschung, Qualitätskontrolle und einen nachvollziehbaren Handel ist die wissenschaftlich abgesicherte Bestimmung deshalb entscheidend.

Dass Clavo Huasca überhaupt einen so auffälligen Duft entwickelt, ist vermutlich kein Zufall. Wie viele aromatische Pflanzen produziert auch die Liane eine Vielzahl sogenannter sekundärer Pflanzenstoffe. Sie dienen der Pflanze unter anderem als Schutz vor Fraßfeinden, Krankheitserregern oder anderen Umweltbelastungen und können gleichzeitig Bestäuber oder andere Organismen beeinflussen. Genau diese komplexe Chemie macht Clavo Huasca heute nicht nur für Botaniker*innen interessant, sondern prägt seit Jahrhunderten auch die menschliche Wahrnehmung der Pflanze: Noch bevor ihre Inhaltsstoffe wissenschaftlich beschrieben wurden, fiel sie vor allem durch ihren charakteristischen Geruch auf.

Vom Wald in die Flasche

Die bekannteste Verwendung von Clavo Huasca führt nach Loreto und in die Umgebung von Iquitos im peruanischen Amazonasgebiet. Auf den dortigen Märkten werden zahlreiche aromatische Rinden, Wurzeln, Hölzer und Kräuter angeboten. Manche gelangen als einzelne Pflanze in den Haushalt, andere werden zu komplexen Mischungen kombiniert.

Wer über einen traditionellen Pflanzenmarkt in Iquitos schlendert, begegnet meterlangen Bündeln aus Rinden, Lianen und Wurzeln. Viele Händler*innen kennen ihre Pflanzen seit Jahrzehnten und erklären geduldig, welche Kombinationen sich für unterschiedliche Tonika eignen. Zwischen Holz, getrockneten Blättern und Harzen liegt immer wieder der würzige Duft von Clavo Huasca in der Luft. Die Rinde wird einzeln verkauft, verschwindet aber ebenso häufig in sorgfältig zusammengestellten Mischungen, deren Rezepturen von Familie zu Familie variieren. Nicht jede Mischung verfolgt dasselbe Ziel. Manche sollen wärmen, andere den Körper nach körperlicher Arbeit stärken oder einfach angenehm schmecken. Der Markt ist damit weniger eine Apotheke als vielmehr ein Ort, an dem sich regionale Pflanzenkenntnis, Alltag und Handel seit Generationen begegnen.

Luftaufnahme des Amazonas, der sich in weiten Schleifen durch den tropischen Regenwald der Region Loreto in Peru windet. Das dunkelblaue Wasser bildet einen deutlichen Kontrast zum dichten, sattgrünen Blätterdach. Bis zum Horizont erstreckt sich nahezu ununterbrochener Regenwald ohne sichtbare Siedlungen oder Straßen.

Eine verbreitete Form sind alkoholische Kräuteransätze auf Basis von Zuckerrohrdestillat. Darin werden unterschiedliche Pflanzenteile über längere Zeit eingelegt. Honig, Sirup oder andere süßende Zutaten können den bitteren, holzigen und würzigen Geschmack abrunden.

Solche Getränke lassen sich nicht einfach einer einzigen Kategorie zuordnen. Sie sind Genussmittel, Hausmittel, regionales Handwerk und Ausdruck lokaler Pflanzenkenntnis zugleich. Getrunken werden sie nicht ausschließlich wegen einer klar definierten Wirkung. Auch Aroma, Geselligkeit, Gewohnheit und kulturelle Bedeutung spielen eine Rolle.

Clavo Huasca wird häufig mit anderen Waldpflanzen wie Chuchuhuasi, Cumaceba oder Huacapurana kombiniert. Bekannte Mischungen tragen Namen wie “Siete Raíces”, also “sieben Wurzeln”, obwohl nicht jede Zutat botanisch tatsächlich eine Wurzel sein muss. Andere Namen spielen offen und mitunter humorvoll auf Kraft, Ausdauer oder sexuelle Leistungsfähigkeit an.

Diese Bezeichnungen erzählen etwas über die Erwartungen, die mit solchen Getränken verbunden sind. Ein Tonikum soll wärmen, stärken und den Körper nach anstrengender Arbeit wieder in Bewegung bringen. Körperliche Energie, sexuelles Interesse und allgemeine Vitalität werden dabei nicht unbedingt als streng getrennte Bereiche verstanden.

Ethnobotanische Angaben nennen Clavo Huasca außerdem bei rheumatischen Beschwerden, Muskelproblemen und allgemeiner Schwäche. Solche Verwendungen können sich je nach Region, Markt, Familie und Wissenstradition unterscheiden. Es gibt daher nicht die eine, überall identische Anwendung der Pflanze.

Luftaufnahme der peruanischen Amazonasstadt Iquitos in der Region Loreto. Dicht bebaute Stadtviertel gehen in ein weit verzweigtes Netz aus Wasserstraßen über, entlang derer zahlreiche Häuser auf Stelzen oder schwimmende Gebäude liegen. Große Wasserflächen mit Inseln aus dichter Vegetation umgeben die Stadt und verdeutlichen ihre Lage im Überschwemmungsgebiet des Amazonas.

Traditionelles Wissen ist auch kein unverändertes Relikt aus einer fernen Vergangenheit. Pflanzen werden neu kombiniert, Handelsnamen verändern sich und lokale Getränke passen sich an neue wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedingungen an. Clavo Huasca bewegt sich damit zwischen Wald, Markt, Haushalt und touristischer Neugier. Viele Pflanzenfreund*innen interessieren sich heute gar nicht in erster Linie wegen möglicher Wirkungen für Clavo Huasca. Die intensiv würzige Rinde, ihre ungewöhnliche Stellung innerhalb der Trompetenbaumgewächse und ihre enge Verbindung zur Pflanzenkultur des Amazonas machen die Liane auch unabhängig von pharmakologischen Fragestellungen bemerkenswert. Gerade deshalb lohnt es sich, auf korrekt bestimmte und nachvollziehbar deklarierte Pflanzenprodukte zu achten.

Warum Clavo Huasca als Aphrodisiakum bekannt wurde

Außerhalb Südamerikas wird Clavo Huasca fast ausschließlich als pflanzliches Aphrodisiakum vermarktet. Diese Zuschreibung greift einen Teil der traditionellen Verwendung auf, verkürzt die Pflanze jedoch erheblich.

Der Begriff Aphrodisiakum kann kulturell vieles bezeichnen. Gemeint sein kann ein Getränk für besondere Anlässe, eine wärmende Bittermischung, ein Mittel gegen Erschöpfung oder eine Pflanze, die mit körperlicher Kraft und sexueller Bereitschaft verbunden wird. Das ist nicht automatisch dasselbe wie eine pharmakologisch belegte Behandlung von Libidoverlust oder Erektionsstörungen.

Für Tynanthus panurensis liegen bislang keine klinischen Studien vor, in denen sexuelle Lust, Erektionsfähigkeit oder sexuelle Zufriedenheit bei Menschen untersucht wurden. Auch eine direkte Wirkung auf Testosteron oder andere Sexualhormone ist wissenschaftlich nicht belegt.

Eine 2019 veröffentlichte Untersuchung näherte sich dem traditionellen Ruf der Pflanze über einen konkreten biologischen Mechanismus. Die Forschenden analysierten mehrere Pflanzen und alkoholische Rindenmischungen, die im peruanischen Amazonasgebiet zur Steigerung der männlichen Sexualleistung verkauft werden.

Schematische dreidimensionale Darstellung des Enzyms Phosphodiesterase 5 (PDE5). Die Proteinstruktur ist als beigefarbenes Bändermodell mit zahlreichen Helices dargestellt. Im aktiven Zentrum ist ein rot hervorgehobener gebundener Hemmstoff zu sehen, daneben zwei Metallionen als blaue und grüne Kugeln. Eine transparente weiße Oberfläche deutet die räumliche Form des Enzyms an.

Im Mittelpunkt stand das Enzym Phosphodiesterase 5, kurz PDE-5. Es baut den Botenstoff cGMP ab und beeinflusst dadurch die Regulation der Blutgefäße. Arzneistoffe wie Sildenafil hemmen dieses Enzym gezielt und verstärken auf diese Weise die durch Stickstoffmonoxid ausgelöste Gefäßerweiterung im Schwellkörper.

Clavo-Huasca-Extrakte zeigten im Labor eine gewisse PDE-5-Hemmung. Im Vergleich zu mehreren anderen untersuchten Rinden war diese Aktivität jedoch gering. Die Ergebnisse liefern somit keine Grundlage, Clavo Huasca mit einem PDE-5-Hemmer gleichzusetzen.

Spannend ist die Untersuchung aus einem anderen Grund: Sie zeigt, wie Forschende versuchen, eine traditionelle Verwendung in ein überprüfbares pharmakologisches Modell zu übersetzen. Dabei kann sich herausstellen, dass einzelne Pflanzen nur wenig zu einer gemessenen Aktivität beitragen. In komplexen Getränken könnten Geschmack, Alkohol, Erwartung, Situation und die Kombination verschiedener Zutaten ebenso wichtig sein wie ein einzelner molekularer Mechanismus.

Sexualität lässt sich ohnehin kaum auf ein Enzym reduzieren. Müdigkeit, Stress, Beziehungen, psychische Gesundheit, Durchblutung und kulturelle Vorstellungen greifen ineinander. Ein würziger Rindenansatz kann als belebend oder sinnlich erlebt werden, ohne dass daraus eine klinisch nachgewiesene Arzneiwirkung folgt.

Inhaltsstoffe und Pflanzenchemie von Clavo Huasca

Eine der wichtigsten phytochemischen Untersuchungen zu Clavo Huasca erschien 2005. Die Forschenden analysierten einen Methanolextrakt der Rinde und isolierten mehrere Phenylpropanoid-Glykoside. Dazu gehörten Verbascosid, Isoverbascosid und Leucosceptosid sowie eine zuvor nicht beschriebene, an Zucker gebundene Eugenolverbindung. Außerdem wurde das Flavonoid-Glykosid Katchimosid nachgewiesen.

Eugenol ist vor allem als charakteristischer Aromastoff der Gewürznelke bekannt. Auch in Zimt, Basilikum und verschiedenen anderen aromatischen Pflanzen kommt es vor. Bei Clavo Huasca wurde allerdings kein freies Eugenol untersucht, sondern ein Eugenol-Glykosid: ein Molekül, bei dem der aromatische Bestandteil an mehrere Zuckerbausteine gebunden ist.

Getrocknete Rinden- und Holzstücke der Heilpflanze Clavo Huasca liegen als kleiner Haufen auf einem weißen Hintergrund. Die unterschiedlich großen, länglichen Stücke zeigen eine braune Rinde und helleres, frisch gespaltenes Holz im Inneren. Das Material wird traditionell für die Zubereitung von Tee oder pflanzlichen Auszügen verwendet.

Solche gebundenen Verbindungen sind weniger flüchtig als freies Eugenol. Der Fund erklärt den Geruch der Liane deshalb nicht vollständig. Trotzdem ist er bemerkenswert. Der volkstümliche Name der Pflanze und ihre Chemie begegnen einander hier auf eine unerwartet konkrete Weise.

Verbascosid, auch Acteosid genannt, kommt in zahlreichen Pflanzen vor. Der Stoff wird in der Grundlagenforschung unter anderem wegen seiner antioxidativen und entzündungsbezogenen Eigenschaften untersucht. Solche Ergebnisse dürfen jedoch nicht direkt auf die ganze Pflanze übertragen werden.

Ein isolierter Stoff, ein konzentrierter Laborextrakt und ein traditioneller Rindenansatz sind chemisch sehr unterschiedliche Zubereitungen. Auch die Aufnahme und Umwandlung der Substanzen im menschlichen Körper ist bei Clavo Huasca kaum erforscht.

In der Studie von 2005 zeigte ein nach traditionellem Vorbild hergestellter hydroalkoholischer Extrakt eine moderate antioxidative Aktivität. Das ist für die Pflanzenchemie interessant, belegt aber keine bestimmte gesundheitliche Wirkung beim Menschen.

Am Fuß eines großen Baumes im tropischen Regenwald breiten sich mächtige, moosbewachsene Brettwurzeln über den Waldboden aus. Dichtes grünes Unterholz, Lianen und junge Pflanzen umgeben den Stamm. Das Licht fällt gefiltert durch das Blätterdach und erzeugt die typische feucht-warme Atmosphäre eines Regenwaldes.

Die Rinde enthält also kein einzelnes “Aphrodisiakum-Molekül”. Sie liefert ein komplexes Gemisch verschiedener Pflanzenstoffe, dessen Zusammensetzung von Art, Pflanzenteil, Standort, Ernte und Extraktionsmethode abhängen kann. Wer sich für Clavo Huasca interessiert, stößt schnell auf unterschiedliche botanische Bezeichnungen und Handelsnamen. Gerade bei amazonischen Rinden lohnt es sich deshalb, auf den vollständigen wissenschaftlichen Namen, die Herkunft und eine nachvollziehbare Deklaration zu achten. Wer Clavo Huasca näher kennenlernen möchte, findet im Querbeet Shop fein gemahlenes Pulver der botanisch eindeutig bestimmten Art Tynanthus panurensis. Wie generell bei ethnobotanischen Pflanzen lohnt es sich, auf nachvollziehbare Herkunft und eine transparente Deklaration zu achten.

Entzündungsprozesse als zweite Forschungsrichtung

Eine weitere Studie griff die traditionelle Verwendung von Clavo Huasca bei Rheumatismus und entzündlich empfundenen Beschwerden auf. Der untersuchte Rindenextrakt enthielt Saponine sowie hohe Konzentrationen phenolischer Verbindungen und Flavonoide.

In unterschiedlichen Laborverfahren fing der Extrakt freie Radikale ab und verringerte die Oxidation von Membranlipiden. Außerdem beeinflusste er die Bildung von Harnsäure und die Produktion des entzündungsbezogenen Botenstoffs Tumornekrosefaktor alpha.

In einem Tiermodell reduzierte der Extrakt zudem eine experimentell ausgelöste Schwellung an der Pfote von Ratten. Dieses sogenannte Carrageen-Ödem ist ein etabliertes Modell, mit dem entzündungshemmende Aktivitäten in einer frühen Forschungsphase untersucht werden können.

Damit berührt die Studie mehrere biologische Prozesse, die bei Entzündungsreaktionen eine Rolle spielen. Sie zeigt jedoch nicht, dass Clavo Huasca rheumatische Erkrankungen beim Menschen behandeln kann. Untersucht wurden Zell- und Gewebemodelle sowie Versuchstiere, keine Patient*innen.

Trotzdem ist diese Forschungsrichtung nachvollziehbar. Ethnobotanische Angaben helfen Wissenschaftler*innen häufig dabei, Pflanzen für genauere Untersuchungen auszuwählen. Bei Clavo Huasca richtet sich der Blick bislang vor allem auf phenolische Inhaltsstoffe, oxidative Prozesse und Entzündungsmediatoren.

Was noch fehlt, sind standardisierte Extrakte, umfassende toxikologische Daten, Informationen zur Bioverfügbarkeit und kontrollierte klinische Studien. Die Forschung liefert erste Ansatzpunkte, befindet sich aber weiterhin in einer frühen Phase.

Ist Clavo Huasca psychoaktiv?

Clavo Huasca wird gelegentlich im Umfeld von Ayahuasca und anderen Pflanzen des Amazonas angeboten. Dadurch entsteht leicht der Eindruck, die Liane müsse selbst halluzinogen oder deutlich bewusstseinsverändernd sein.

Dafür gibt es keine überzeugenden wissenschaftlichen Hinweise. Für Tynanthus panurensis sind weder relevante Mengen an DMT noch die für die Ayahuasca-Liane Banisteriopsis caapi charakteristischen Beta-Carbolin-Alkaloide bekannt. Eine klassische psychedelische Wirkung ist nicht beschrieben.

Fein gemahlenes Clavo-Huasca-Pulver in einer flachen Holzschale. Das hellbraune Pflanzenpulver ist zu einem kleinen Haufen aufgeschüttet, im Hintergrund befinden sich grüne Blätter.

Pflanzen können in regionalen Kräuter- und Ritualkontexten aus sehr unterschiedlichen Gründen miteinander verbunden werden: wegen ihres Aromas, ihres Geschmacks, ihrer symbolischen Bedeutung oder einer als wärmend und stärkend empfundenen Qualität. Nicht jede Pflanze in einem solchen Umfeld ist selbst psychoaktiv.

Auch Behauptungen, Clavo Huasca verstärke die Wirkung von Ayahuasca oder verhindere zuverlässig Übelkeit, sind wissenschaftlich nicht untersucht. Solche Aussagen stammen überwiegend aus Erfahrungsberichten und kommerziellen Beschreibungen.

Qualität beginnt mit der richtigen Pflanzenart

Bei getrockneten Lianenstücken ist eine botanische Bestimmung mit bloßem Auge schwierig. Mehrere aromatische Arten der Gattung Tynanthus werden unter ähnlichen Namen gehandelt. Zusätzlich können Stamm, Holz und Rinde unterschiedliche chemische Profile besitzen.

Historische botanische Illustration einer mit Clavo Huasca in Verbindung gebrachten Pflanze (Tynanthus labiatus) sowie einer Vergleichsart (Setilobus simplicifolius). Die Tafel zeigt die Wuchsform der Pflanzen sowie vergrößerte Zeichnungen von Blüten, Früchten und weiteren botanischen Merkmalen.

Nachvollziehbar deklarierte Ware sollte deshalb den wissenschaftlichen Namen, den verwendeten Pflanzenteil und das Herkunftsland nennen. Informationen zur botanischen Identitätsprüfung und zu Schadstoffkontrollen sind ebenfalls sinnvoll.

Ein kräftiger, gewürznelkenähnlicher Geruch kann zur sensorischen Beurteilung beitragen. Er beweist jedoch weder zweifelsfrei die Artzugehörigkeit noch eine bestimmte Konzentration einzelner Inhaltsstoffe.

Auch die Ernteweise verdient Aufmerksamkeit. Werden Lianen vollständig durchtrennt oder große Rindenflächen entfernt, kann die Pflanze erheblich geschädigt werden. Kontrollierte Kultivierung, nachvollziehbare Lieferketten und schonende Ernteverfahren wären langfristig verlässlicher als eine anonyme Wildsammlung.

Clavo Huasca ist damit nicht nur aus pharmakologischer Sicht interessant. Die Pflanze wirft auch Fragen über botanische Identität, Waldnutzung und den Umgang mit einem zunehmend international gehandelten Naturstoff auf.

Historische botanische Illustration von Tynanthus fasciculatus, einer Pflanzenart aus der Gattung Tynanthus, die im Zusammenhang mit Clavo Huasca erwähnt wird. Dargestellt sind ein blühender Zweig, lange Fruchtkapseln sowie Detailzeichnungen der Blüten und Samen.

Mehr als eine sogenannte Potenzpflanze

Clavo Huasca wird vermutlich noch lange vor allem als Aphrodisiakum beworben werden. Dieser Ruf gehört zur Geschichte der Pflanze, erzählt aber nur einen kleinen Teil davon.

Interessanter ist das größere Bild: eine Liane, die im feuchten Amazonaswald nach Gewürznelken riecht; eine aromatische Rinde, die in regionale Tonika und Rindenliköre gelangte; eine Pflanze, deren Name, Duft und soziale Bedeutung eng miteinander verbunden sind. Vielleicht liegt genau darin die Faszination von Clavo Huasca. Manche Pflanzen beeindrucken durch spektakuläre Blüten, andere durch auffällige Früchte. Diese Liane erzählt ihre Geschichte über ihren Duft. Noch bevor man ihre Inhaltsstoffe kennt oder Studien gelesen hat, verrät ihr Aroma, weshalb Menschen sie seit Generationen sammeln. Die Wissenschaft beginnt erst langsam zu verstehen, was traditionelle Pflanzenkenner*innen längst bemerkenswert fanden.

Die Forschung hat erste chemische Anhaltspunkte geliefert. Phenylpropanoid-Glykoside, Flavonoide, Saponine und andere phenolische Verbindungen erklären, weshalb Clavo Huasca für die Naturstoffforschung interessant ist. Labor- und Tiermodelle weisen auf antioxidative und entzündungsbezogene Aktivitäten hin. Die häufig beworbene Wirkung auf Libido und Sexualfunktion bleibt dagegen vor allem traditionell und kulturell begründet.

Das macht Clavo Huasca nicht weniger bemerkenswert. Die Pflanze erinnert vielmehr daran, dass Ethnobotanik nicht erst dort beginnt, wo eine klinische Wirkung bestätigt wurde. Sie beginnt beim Geruch eines angeschnittenen Stängels, bei der Art, wie Menschen eine Liane benennen, sammeln und in ihren Alltag einbauen.

Manchmal führt der Weg zur Wissenschaft tatsächlich über die Nase.

Herbarbeleg von Tynanthus cf. panurensis, einer mit Clavo Huasca in Verbindung gebrachten Liane. Der Sammlungsbogen zeigt gepresste Pflanzenteile und ein Stück der aromatischen Rinde sowie ein Etikett mit botanischen und ethnobotanischen Informationen.

Sicherheit und Harm Reduction

Die verfügbaren präklinischen Studien liefern keine ausreichende Grundlage für genaue Dosierungsempfehlungen oder verlässliche Aussagen über mögliche Wechselwirkungen. Bei der gleichzeitigen Einnahme von Medikamenten sollte eine medizinische oder pharmazeutische Fachperson einbezogen werden.

Während Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen ist aufgrund fehlender Sicherheitsdaten von einer Einnahme abzuraten. Gleiches gilt für Personen mit schweren Leber-, Nieren- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sofern keine fachkundige Rücksprache erfolgt ist.

Bei traditionellen Rindenlikören kommt außerdem die Wirkung des Alkohols hinzu. Sie sind daher nicht mit alkoholfreien Aufgüssen, Pulvern oder standardisierten Extrakten gleichzusetzen.

Quellen

Kew Science: Tynanthus panurensis (Bureau) Sandwith. Plants of the World Online. Angaben zu Taxonomie, Wuchsform und natürlicher Verbreitung.
https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:259273-2

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https://doi.org/10.11646/phytotaxa.216.1.1

Plaza, Alberto; Montoro, Paola; Benavides, Angelyne; Pizza, Cosimo; Piacente, Sonia (2005): “Phenylpropanoid Glycosides from Tynanthus panurensis: Characterization and LC-MS Quantitative Analysis”. Journal of Agricultural and Food Chemistry 53(8), 2853–2858.
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Instituto de Investigaciones de la Amazonía Peruana: “Clavo Huasca – Tynanthus panurensis”. Informationen zu Botanik, Verbreitung, traditioneller Verwendung und Kultivierung.
https://www.iiap.org.pe/upload/publicacion/CDinvestigacion/iiap/iiap2/CAPITULOIII-11.HTM