Gotu Kola (Centella asiatica)

Steckbrief

Namen: Indischer Wassernabel, Asiatischer Wassernabel, Gotu Kola
Wissenschaftlicher Name: Centella asiatica (L.) Urb.
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Pflanzengruppe: Bedecktsamer (Angiospermen)
Verbreitung: Tropische und subtropische Regionen Afrikas und Asiens bis nach Australien und in den westlichen Pazifikraum; in weiteren warmen Gebieten eingebürgert
Lebensraum: Feuchte Wiesen, Uferbereiche, Sümpfe, Reisfelder und andere dauerhaft oder zeitweise nasse Standorte
Verwendete Pflanzenteile: Vor allem Blätter und weitere oberirdische Pflanzenteile
Wichtige Inhaltsstoffe: Asiaticosid, Madecassosid, Asiatic Acid, Madecassic Acid sowie Flavonoide und weitere phenolische Verbindungen
Traditionelle Verwendung: Als Lebensmittel sowie in verschiedenen süd- und ostasiatischen Medizinsystemen, unter anderem zur Versorgung der Haut und von Wunden sowie zur Unterstützung geistiger Leistungsfähigkeit

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Eine kleine Pflanze, die leicht übersehen wird: zwischen Nahrung, Heilpflanze und moderner Forschung

Manche Heilpflanzen fallen durch ihren Duft, ihre Blüten oder ihre stattliche Größe auf. Gotu Kola tut nichts davon. Die Pflanze bleibt niedrig, kriecht über feuchten Boden und trägt rundliche Blätter, die ein wenig an kleine Schalen oder Münzen erinnern. Wo die Bedingungen stimmen, bildet sie unscheinbare grüne Teppiche. Man könnte achtlos über sie hinwegsehen – und würde dabei eine Pflanze übergehen, die in mehreren Regionen Asiens zugleich Nahrung, Hausmittel und Arzneipflanze ist.

Gerade diese Nähe zum Alltag prägt ihre Geschichte. Centella asiatica wurde nicht nur getrocknet, verarbeitet und in medizinischen Zusammenhängen verwendet. Ihre frischen Blätter gelangten auch unmittelbar auf den Teller. In Sri Lanka sind sie etwa Bestandteil von Gotu Kola Sambol, einer fein geschnittenen Mischung mit Kokos, Limette, Chili und weiteren Zutaten. Auch in anderen Teilen Süd- und Südostasiens werden die Blätter als Gemüse, Salat oder Getränk genutzt.

Geschmacklich ist Gotu Kola überraschend zurückhaltend. Die frischen Blätter werden meist als leicht bitter, krautig und dezent pfeffrig beschrieben. Gerade diese feine Bitterkeit macht die Pflanze seit Jahrhunderten zu einem Bestandteil regionaler Küchen – lange bevor einzelne Inhaltsstoffe isoliert oder als Nahrungsergänzung vermarktet wurden.

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Damit lässt sich Gotu Kola nicht sauber in die üblichen Schubladen einordnen. Sie ist keine ausschließlich rituelle oder seltene Arzneipflanze, aber auch nicht bloß ein gewöhnliches Blattgemüse. Nahrung und traditionelle Medizin liegen hier nahe beieinander. Wie so oft bedeutet diese lange Verwendung allerdings nicht automatisch, dass sämtliche überlieferten Wirkungen wissenschaftlich bestätigt wären.

Botanik und Verbreitung

Centella asiatica ist eine mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der Apiaceae. Anders als viele bekannte Doldenblütler wächst sie nicht aufrecht, sondern bildet dünne, kriechende Sprosse. An deren Knoten entstehen Wurzeln, durch die sich die Pflanze entlang des Bodens ausbreiten kann.

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Die lang gestielten Blätter sind rundlich bis nierenförmig und besitzen einen leicht gekerbten Rand. Ihre kleinen, grünlichen bis rötlich-violetten Blüten stehen in unscheinbaren Dolden. Auch die Früchte bleiben klein und fallen zwischen den Blättern kaum auf.

Die Art bevorzugt feuchte bis nasse Standorte. Sie wächst an Bachufern, in sumpfigen Wiesen, an Gräben und in landwirtschaftlich genutzten Feuchtgebieten. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich über große Teile des tropischen und subtropischen Afrikas und Asiens bis nach Australien und in den westlichen Pazifikraum. Darüber hinaus wurde sie in weitere Regionen eingeführt. Gerade dieser Lebensraum erklärt einen Teil ihrer Kulturgeschichte. Gotu Kola wächst häufig dort, wo Menschen ohnehin mit Wasser und Landwirtschaft leben – an Gräben, Bachufern oder Reisfeldern. Dadurch wurde die Pflanze vielerorts nicht zu einer seltenen Heilpflanze, sondern zu einem leicht verfügbaren Blattgemüse, das selbstverständlich Teil des Alltags werden konnte. Küche und traditionelle Pflanzenheilkunde entwickelten sich hier über lange Zeit nebeneinander.

Die Bezeichnung “Tigergras” wird gelegentlich ebenfalls für Gotu Kola verwendet. Sie ist jedoch nicht eindeutig und kann auch andere Pflanzen meinen. Ähnlich verhält es sich mit dem Namen “Brahmi”: In unterschiedlichen ayurvedischen Traditionen und Handelszusammenhängen kann damit entweder Centella asiatica oder Bacopa monnieri gemeint sein. Botanisch handelt es sich um zwei verschiedene Arten mit unterschiedlichen Inhaltsstoffprofilen.

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Zwischen Küche und traditioneller Medizin

In ayurvedischen Zusammenhängen wird Gotu Kola häufig den sogenannten Medhya Rasayana zugeordnet. Darunter werden Mittel verstanden, die traditionell mit Gedächtnis, Lernfähigkeit und geistiger Stabilität verbunden werden. Die Pflanze wurde außerdem bei Hautveränderungen, Wunden und verschiedenen körperlichen Beschwerden eingesetzt.

Auch in chinesischen und südostasiatischen Medizinsystemen findet sie Verwendung. Die jeweiligen Anwendungen, Zubereitungen und Vorstellungen unterscheiden sich jedoch nach Region und Tradition. Von einer einzigen, überall identischen “traditionellen Verwendung” zu sprechen, würde diese Vielfalt verdecken.

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Manche moderne Darstellungen verbinden Gotu Kola mit Geschichten über Tiger, die sich nach Verletzungen in der Pflanze gewälzt haben sollen. Daher, so heißt es, stamme der Name “Tigergras”. Eine solche Erzählung ist eingängig, historisch aber schwer zu überprüfen. Sie sollte eher als Teil der modernen Pflanzenfolklore verstanden werden und nicht als gesicherter Beleg für eine konkrete historische Nutzung.

Bemerkenswerter ist ohnehin etwas anderes: Gotu Kola blieb vielerorts nicht auf Apotheken oder heilkundliche Spezialist*innen beschränkt. Die Pflanze wurde gegessen. Dadurch war sie Teil einer alltäglichen Beziehung zwischen Menschen, Landschaft und Ernährung – lange bevor einzelne Inhaltsstoffe isoliert oder biochemische Mechanismen untersucht wurden. Mit der zunehmenden Globalisierung pflanzlicher Naturstoffe veränderte sich jedoch der Blick auf Gotu Kola. Aus einem regionalen Blattgemüse und traditionellen Hausmittel wurde nach und nach ein Rohstoff für Tees, Pulver, Extrakte, Nahrungsergänzungsmittel und kosmetische Produkte. Die Pflanze blieb dieselbe – ihre Bedeutung wandelte sich jedoch mit den Erwartungen verschiedener Kulturen und Märkte.

Inhaltsstoffe

Das wissenschaftliche Interesse richtet sich besonders auf pentazyklische Triterpene. Zu den bekanntesten gehören die Triterpenglykoside Asiaticosid und Madecassosid sowie ihre Aglykone Asiatic Acid und Madecassic Acid. Häufig werden diese Verbindungen gemeinsam als Centelloide bezeichnet.

Daneben enthält die Pflanze Flavonoide, Phenolsäuren, Sterole, flüchtige Bestandteile und weitere sekundäre Pflanzenstoffe. Zusammensetzung und Konzentration können je nach Herkunft, Pflanzenteil, Erntezeit, Anbau und Verarbeitung schwanken. Ein frisches Blatt, ein traditioneller wässriger Auszug und ein standardisierter Extrakt sind deshalb nicht ohne Weiteres miteinander vergleichbar.

Haut und Wundheilung

Die Versorgung von Wunden und Hautveränderungen gehört zu den bekanntesten traditionellen Anwendungsgebieten. Präklinische Studien liefern dafür mehrere mögliche Erklärungsansätze. Extrakte und einzelne Triterpene beeinflussten in Zell- und Tiermodellen unter anderem Fibroblasten, Kollagenbildung, Entzündungsprozesse, Gefäßneubildung und die Reorganisation von Gewebe.

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Das klingt zunächst überzeugend. Laborergebnisse sind jedoch noch kein Beweis dafür, dass eine Pflanze bei Menschen zuverlässig Wunden heilt. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 fand lediglich vier klinische Studien, die den festgelegten Kriterien entsprachen. Die Ergebnisse deuteten auf mögliche Vorteile bei einzelnen Aspekten der Wundheilung hin, etwa bei Granulation, Reepithelisierung oder dem Erscheinungsbild von Wunden. Aufgrund der begrenzten Zahl und Unterschiedlichkeit der Untersuchungen bleiben die Schlussfolgerungen dennoch vorsichtig.

Eine zweite bemerkenswerte Karriere begann Gotu Kola in der modernen Hautpflege. Viele Menschen begegnen der Pflanze heute, ohne ihren Namen überhaupt zu kennen. Auf Verpackungen erscheint sie häufig als “Cica”, Centella oder Madecassoside und ist besonders in Produkten für empfindliche oder trockene Haut verbreitet. Untersucht werden unter anderem mögliche Einflüsse auf Hautbarriere, Kollagenstoffwechsel und Reparaturprozesse. Welche Wirkung ein Produkt tatsächlich entfaltet, hängt jedoch von der verwendeten Formulierung und der Konzentration des Extrakts ab – nicht allein davon, dass Centella auf der Zutatenliste steht.

Gedächtnis, Nervensystem und die Idee vom “Brain Booster”

Gotu Kola wird heute häufig als pflanzliches Nootropikum vermarktet. Dabei treffen traditionelle Zuschreibungen auf eine moderne Sprache der Selbstoptimierung. Versprochen werden mehr Konzentration, besseres Gedächtnis und innere Ruhe – oft in einer Deutlichkeit, die der Forschungsstand nicht trägt.

In Zell- und Tiermodellen wurden antioxidative, entzündungsmodulierende und neuroprotektive Effekte beobachtet. Untersucht werden mögliche Einflüsse auf oxidativen Stress, mitochondriale Funktionen, neuronale Signalwege, dendritisches Wachstum und synaptische Plastizität.

Klinische Untersuchungen zu Kognition und Gedächtnis sind klein, methodisch uneinheitlich und verwenden unterschiedliche Präparate. Manche berichten über Verbesserungen einzelner kognitiver Parameter. Aufgrund ihrer traditionellen Verwendung im Ayurveda zur Unterstützung von Gedächtnis und geistiger Leistungsfähigkeit lag die Vermutung nahe, dass Centella asiatica auch das Gedächtnis verbessern oder vor neurodegenerativen Erkrankungen schützen könnte. Genau diese Annahmen stehen heute im Mittelpunkt zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen.

Auch im Zusammenhang mit Angst und Stress wurde Gotu Kola bereits untersucht. Eine kleine placebokontrollierte Studie beobachtete nach einer einmaligen hohen Dosis eine veränderte akustische Schreckreaktion. Daraus wird mitunter eine mögliche angstlösende Wirkung abgeleitet. Die bisherige Evidenz ist dafür jedoch noch zu begrenzt und erlaubt derzeit keine belastbaren Schlussfolgerungen.

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Weitere untersuchte Anwendungen

Neben Haut und Nervensystem wurde Centella asiatica besonders im Zusammenhang mit chronischer Venenschwäche untersucht. Einige ältere klinische Studien mit standardisierten Triterpenfraktionen beschrieben Verbesserungen bestimmter Beschwerden und Messwerte, etwa bei Schwellungen oder einem Gefühl schwerer Beine. Unterschiede zwischen Präparaten, teilweise kleine Stichproben und ältere Studiendesigns erschweren jedoch eine eindeutige Bewertung.

Darüber hinaus untersuchen Forschende Centella asiatica im Zusammenhang mit Stoffwechselprozessen, Entzündungsregulation und verschiedenen Organfunktionen. Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem antioxidative Signalwege, entzündungsbezogene Botenstoffe sowie mögliche Einflüsse auf Gewebeschäden und Regenerationsprozesse. Die meisten dieser Forschungsrichtungen befinden sich noch im präklinischen Stadium. Aussagen über eine Behandlung von Diabetes, Demenz, Depressionen oder anderen Erkrankungen lassen sich daraus derzeit noch nicht ableiten.

Gotu Kola ist daher nicht als klassisches psychoaktives Mittel einzuordnen. Nach gegenwärtigem Kenntnisstand verursacht die Pflanze keine typische berauschende oder psychedelische Wirkung. Gerade ihre vielseitige Verwendung – als Lebensmittel, traditionelle Heilpflanze und heute auch als Bestandteil zahlreicher Hautpflegeprodukte – macht sie dennoch zu einer bemerkenswerten Pflanze an der Schnittstelle von Ethnobotanik, Medizin und moderner Naturstoffforschung.

Zubereitung und Produkte

In Regionen, in denen Gotu Kola als Lebensmittel verwendet wird, werden die frischen Blätter roh oder verarbeitet gegessen. Getrocknetes Pflanzenmaterial kann als Aufguss zubereitet werden. Traditionell reichen dafür ein bis drei Teelöffel der getrockneten Pflanze.

Außerhalb ihrer ursprünglichen Verbreitungsgebiete begegnet Gotu Kola heute meist als getrocknetes Kraut, Tee, Pulver, Tinktur oder standardisierter Extrakt. Welche Form sinnvoll ist, hängt davon ab, wofür man sich interessiert. Während Tees und getrocknete Blätter den ursprünglichen Charakter der Pflanze bewahren, werden Extrakte gezielt auf bestimmte Inhaltsstoffe standardisiert.

Wer Gotu Kola zunächst als traditionelle Pflanze kennenlernen möchte, findet bei Querbeet hochwertiges getrocknetes Pflanzenmaterial für Tee oder eigene Zubereitungen 🙂 Wie bei vielen pflanzlichen Rohstoffen unterscheiden sich Herkunft, Verarbeitung und Qualität teilweise erheblich. Eine eindeutige botanische Zuordnung und eine sorgfältige Verarbeitung sind deshalb oft aussagekräftiger als weitreichende Werbeversprechen.

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Schlussgedanke

Gotu Kola fällt kaum auf. Die Pflanze wächst niedrig, ihre Blüten sind unscheinbar, ihre Blätter wirken beinahe schlicht. Vielleicht passt gerade das zu ihrer Geschichte. Über viele Generationen war sie in Teilen Asiens kein exotisches Heilmittel, sondern eine Pflanze des Alltags – geerntet an feuchten Standorten, gegessen in regionalen Gerichten und zugleich in unterschiedlichen Medizinsystemen geschätzt.

Später wurde aus derselben Pflanze ein Forschungsobjekt, ein kosmetischer Inhaltsstoff und ein international gehandelter Naturstoff. Heute beschäftigen sich Forschende mit ihren Triterpenen und deren möglichen biologischen Funktionen, während Köch*innen, Gärtner*innen und Pflanzenliebhaber*innen sie weiterhin wegen ihrer kulinarischen, botanischen und kulturgeschichtlichen Besonderheiten schätzen.

Zwischen dem frischen Blatt im Sambol, dem Kräutertee in der Tasse und dem standardisierten Extrakt im Labor liegt eine ungewöhnliche Reise. Gerade diese Verbindung von Küche, Ethnobotanik, Naturstoffforschung und moderner Pflanzenkultur erklärt, weshalb sich bis heute so viele Menschen für diese unscheinbare Pflanze interessieren.

Hinweise und Sicherheit

Gotu Kola wird als Lebensmittel und in untersuchten Präparaten meist gut vertragen. Mögliche unerwünschte Wirkungen sind unter anderem Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Schwindel oder Müdigkeit. Bei äußerlicher Anwendung können Hautreizungen und allergische Reaktionen auftreten.

Gotu Kola sollte nicht zur Selbstbehandlung ernsthafter Erkrankungen verwendet werden und ersetzt weder Diagnose noch medizinische Therapie.

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Quellen

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