Trichterwindesamen (Ipomea violacea)

Steckbrief Trichterwinde

Name: Trichterwinde, Prunkwinde, Blue Morning Glory, Blaustern, Kaiserwinde, Ipomea violacea, Ipomea tricolor, Badoh negro, Badungas, Bejucillo, Tlitliltzin
Herkunft: Ursprünglich aus den tropischen Gebieten Mexikos. Heute weltweit in den Subtropen und Tropen verbreitet. Sonst als Gartenzierpflanze auch in den gemäßigten Zonen.
Zubereitung und Konsum: Die Samen werden zermahlen und mit kaltem Wasser vermengt. Der enstehende Kaltwasserauszug wird getrunken.
Wirkung: Eine dem LSD ähnliche psychedelische Wirkung wird durch die enthaltenen Mutterkornalkaloide hervorgerufen. Außerdem haben die Samen eine narkotische und hypnotische Komponente.
Inhaltsstoffe: Mutterkornalkaloide: Ergometrin, Isolysergsäureamid, Lysergsäureamid, Chanoclavin.

Ein kleiner Einblick

Wie so viele Heilrituale und schamanistische Bräuche, die sich der zahlreichen naturgegebenen Substanzen der südamerikansichen Tropen bedienen, finden sich die ersten erhaltenen Aufzeichnungen der Tlitliltzin, wie die Kletterpflanze bei den Azteken hieß, in den Büchern der Konquistadores, der spanischen Eroberer. So schreibt Pedro Ponze über die Bräuche der Eingeborenen :
Sie trinken einen Trunk aus einem Samen, den sie Tlitliltzin nennen. Er betäubt ihnen die Sinne und ihnen erscheinen kleine Männer, die ihnen Auskunft über ihre Fragen geben. Niemand darf sie in diesem Zustand ansprechen, sie würden sonst den Verstand verlieren
Um ihre Bräuche weiterhin, auch unter der christlichen Fremdherrschaft, ausüben zu können, wurden die kleinen schwarzen Männern zu Engeln umgedichtet.

Blue Morning Glory

In den Tropen kann die Trichterwinde das ganze Jahr über in Blüte stehen. Die Mutterkornalkaloide sind auch in den wunderschönen Blättern enthalten, werden jedoch in den Samen aufkonzentriert.

Getrocknete Ipomea Samen

Zubereitung und Konsum:
Die Samen ungemahlen zu kauen und zu schlucken ist keine gute Idee. Viele wasserunlösliche Alkaloide werden so mitkonsumiert und führen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schwäche und starkes Unwohlsein mit sich.
Darum werden die Samen auch in den traditionellen Ritualen vermahlen und mit Wasser versetzt.
Der Sud wird einige Stunden stehen gelassen, abgegossen und anschließend getrunken. Es empfiehlt sich den Ipomea Sud auf nüchternen Magen zu trinken.
Die Flüssigkeit geht so schneller in den Darm und die Übelkeit wird weitestgehend vermieden.
Wer noch nie mit Trichterwindesamen experimentiert hat sollte mit einer geringen Dosis von 20-50 Samen beginnen.
100-250 Samen werden als normale bis starke Dosis angegeben. In dieser Höhe sollen einem LSD-Trip vergleichbare Zustände auftreten, allerdings begleitet mit unangenehmer Übelkeit.

Wirkung:
Die Zeitspanne in der die Substanz wirkt kann sehr unterschiedlich sein, genau so wie die Zeitspanne bis zum Anfang der Trips sehr unterschiedlich sein kann. In den meisten Fällen jedoch stellt sich der Beginn zwischen 30-60 Minuten nach oralem Konsum ein. Der Trip kann (muss jedoch nicht) danach 6-8 Stunden dauern. Einige Zeit nach dem eigentlichen Trip kann man noch nachdenklich, verwirrt etc. sein.
Hauptsächlich verantwortlich für die Wirkung ist das LSA, dem LSD in seiner Struktur sehr ähnlich doch bei weitem nicht so potent.
Albert Hoffmann, der Entdecker des LSD testete auch LSA im Selbstversuch und kam zu dem Schluss, dass es erst in 10-20facher Dosierung dem LSD ähnliche traumartige Zustände hervorrufe. Diese sind gekennzeichnet durch ein Gefühl geistiger Leere und weniger visuell als eine LSD Erfahrung.
Die Akustische Wahrnehmung soll sich jedoch stark verändern.

Wirkstoffe:
Der Hauptwirkstoff ist das Lysergsäureamid (LSA) auch Ergin genannt.

LSA (Ergin)

Dieses dem LSD sehr ähnliche Alkaloid wirkt weniger potent und deutlich auditiver als visuell. Ein weiterer Bestandteil ist das Ergometrin, das auch eines der Hauptalkaloide des Mutterkornpilzes darstellt.

Ergometrin

Dieses Alkaliod hat eine kontahierende Wirkung auf die Gebärmutter und wurde darum in der Geburtshilfe eingesetzt und war lange Zeit unverzichtbar. Heute wird das weniger aggressie Methylergometrin verwendet.
Vor allem junge Samen enthalten außerdem Chanoclavin, das auch in manchen Schlauchpilzen vorkommt. Dieser Stoff wirkt antibakteriell und wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin verwendet.

Chanoclavin


Quellen:
Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen (Rätsch 2004)
drogen.wikia.org
wikipedia.org

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