Der Einsatz psychoaktiver Substanzen in der Psychotherapie 2 (MDMA)

Erstmals synthetisiert im frühen 20. Jahrhundert wurde MDMA in den 60er Jahren als Liebes Droge oder „hug drug“ bekannt. Knapp danach wurde es wie soviele andere Substanzen polizeilich verboten, jedoch zu pharmakologischen Studien freigegeben. Die erste dieser Studien wurde 1978 von Alexander Shulgin veröffentlicht.

Shulgin seems happy. MDMA?!


Angeblich wies eine von Shulgins Studentinnen ihn auf die damals recht unbekannte psychoaktive Wirkung von MDMA hin. Shulgin, der bereits in den 60ern mit Meskalin Analoga experimentierte, entwickelte daraufhin eine neue Synthesemethode. Das Produkt zeigte er sodann seinem Freund Leo Zeff, einem praktizierenden Psychotherapeuten. Zeff setzte daraufhin MDMA in niedriger Dosierung in seinen gesprächstherapeutischen Sitzungen als Hilfsmittel ein. Von dem therapeutischen Potential MDMA´s überzeugt, publizierte Shulgin gemeinsam mit dem Pharmakologen Nichols 1978 die erste psychopharmakologische Studie zu MDMA (Characterization of three new psychotomimetics (US 1978)).
Übrigens hat Shulgin auch das recht moderne 2-CB entwickelt.

Reiner MDMA Kristall
2-Cb


Im daruffolgenden Zeitraum wurde MDMA therapeutisch als Ergänzung zur Gesprächstherapie eingesetzt, jedoch 1985 wieder verboten.
Im letzten Jahrzehnt flammte das (therapeutische) Interesse an der hug drug jedoch wieder auf, vor allem in Bezug auf die Behandlung von Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS).
Die Behandlung beinhaltet zwei Vorbereitungssitzungen, zwei MDMA-gestützte therapeutische Sitzungen und mehrere psychotherapeutische Sitzungen zur Nachbereitung der MDMA-Erfahrung. Mehrere Studien weisen darauf hin, dass die Integration von MDMA in Therapiestizungen die Symptome von PTBS nachhaltig und besser als Gesprächstherapie alleine lindern kann. 

Wichtig ist hier anzuführen, dass trotzdem das therapeutische Setting von großer Bedeutung ist. Denn MDMA kann zu Beginn die PTBS Symptome auch verstärken, gerade dann ist eine therapeutische Betreuung besonders wichtig. Außerdem muss das MDMA eine hohe Reinheit aufweisen, was bei illegal erworbenen Ectsasy Pillen nicht unbedingt gegeben ist. Diese Pillen, die zwar oft MDMA als Hauptbestandteil enthalten, sind meist mit verschiedensten Substanzen gestreckt. Von den strukturverwandten Molekülen wie MDA (3,4-Methylendioxyamphetamin), MDE bzw. MDEA (3,4-Methylendioxyethylamphetamin) bis zu Amphetamin, Methamphetamin, Koffein, Ephedrin oder Ketamin wurde schon so manche Substanz in den chemischen Analysen der Happy pills gefunden.
Von einer „Eigentherapie“ ist also härtestens abzuraten

Selten enthält Ectsasy reines MDMA


Bis dato waren alle klinischen Studien zur MDMA gestützten Therapie sogenannte Phase 2 Studien. Typischerweise nehmen 100 bis 500 freiwillige Patienten als Probanden an den Untersuchungen teil und es wird lediglich geprüft, ob sich der gewünschte therapeutische Effekt zeigt und welche Nebenwirkungen auftreten. Diese Phase ist nun abgeschlossen und langsam laufen großflächigere Studien an.
Diese sogenannten Phase 3 Studien werden vor allem in den USA und Israel durchgeführt. Doch auch in Tschechien, den Niederlanden, Norwegen sind solche Studien geplant. In diesen Studien wird erprobt, ob sich die Wirksamkeit und die Unbedenklichkeit auch bei vielen unterschiedlichen Patienten bestätigen lässt. Üblicherweise sind mindestens zwei voneinander unabhängige kontrollierte klinische Studien, die jede für sich einen Nachweis der statistischen Signifikanz der Wirksamkeit erbringen, notwendig um einen Wirkstoff zuzulassen.

Diese Studien sind also mit Spannung zu beobachten, zumal PTBS, aber auch Depressionen und Ansgtstörungen, ernstzunehmende Volksrankheiten unseres Zeitalters sind.
Hiern noch einen Gruß von Alexander Shulgin mit seinem San Pedro Stash 😀

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