Kanna (Sceletium toruosum)

Steckbrief

Namen: Kanna, Channa, Fig-Marygold und Kougoed
Herkunft: Das Pflänzchen ist in Südafrika heimisch und wächst dort vor allem im Kannaland.
Zubereitung und Dosierung: Traditionell werden die oberirdischen Pflanzenteile fermentiert und gekaut. In unseren Breiten greift man zur getrockneten und zu Pulver verarbeiteten Pflanze. Dosierungen variieren je nach erwünschtem Zustand. Auch Extrakte sind erhältlich.
Wirkung: Es wird von einem traumähnlichen, euphorischen und entspannten Zustand gesprochen.
Wirkstoff: Die Hauptalkaloide sind Mesembrin, Mesembrenin und Tortuosamin.

Ein kleiner Einblick…

Sceletium tortuosum ist eine hübsche zarte sukkulente Pflanzenart, die in Südafrika zuhause ist. Volkstümlich wird die Pflanze auch Kanna genannt und soll besonders häufig im gleichnamigen Kannaland, etwas östlich von Kapstadt, vorkommen.

Die Holländer die zu Kolonialzeiten Südafrika besetzt haben, kamen schnell in Kontakt mit den Khoikhoi und fingen schnell an neue Namen für alles mögliche zu verteilen. Kanna wurde in „Kougoed“ umbenannt. Das bedeutet soviel wie „Kaugut“, also etwas zu kauen, und deutete auf eine Konsumform hin, die sie wohl bei den Khoikhoi beobachtet hatten. Khoikhoi ist eigentlich ein Sammelbegriff für kulturell und sprachlich verwandte Völker in Südafrika und Namibia.

Ganz nach arroganter Kolonialmanier wurden natürlich auch die Khoikhoi umbenannt und bekamen den uns bekannten Namen „Hottentotten“. Wir wollen also bei den Namen Khoikhoi und Kanna bleiben.

Die Khoikhoi haben Kanna wohl nach einer ihnen heiligen Antilope benannt. Auch sie trug den Namen Kanna und wurde im rituellen Kontext gejagt. Um lange Distanzen bei großer Hitze zu Fuß zurückzulegen, war es wichtig Durst und Hunger zu unterdrücken. Dafür wurde Kanna eingesetzt. Die Blätter wurden fermentiert und konnten dann unterwegs gekaut werden. Auch die Stimmung bei einem mühsamen Unterfangen wie diesem konnte gehoben werden. Bei Kämpfen soll Kanna früher zur Unterdrückung von Angst und Stress gekaut worden sein. Und schließlich bei freudigen Zeremonien die die Rückkehr der Jäger oder Krieger feierten.

Kanna wurde auch oft mit Cannabis gemischt und geraucht, was die Wirkung von Cannabis verstärken sollte.

Auch als Heilpflanze hat Kanna hohes Ansehen bei den Khoikhoi. Es wird hauptsächlich gegen psychische Probleme aller Art eingesetzt, wie Ängste, Nervosität, Psychosen und Depression. Auch Bauchschmerzen werden damit behandelt, denn Kanna kann schmerzlindernd wirken.

Natürlich kommt Kanna anscheinend nicht mehr allzu häufig vor. Es kann jedoch durch Samen vermehrt werden, die genau gleich wie die von Kakteen behandelt werden müssen.

Inhaltsstoffe

Als Hauptalkaloide wurden bei Kanna Mesembrin, Mesembrenin und Tortuosamin beschrieben.
Mesembrin wirkt sowohl sedierend als auch stimulierend. Es blockiert Serotonintransporter und wirkt somit antidepressiv.

Botanische Beschreibung

Kanna gehört zur Familie der Mittagsblumengewächse, ist ausdauernd und kann bis zu 30 cm hoch werden. Die fleischigen, dreieckigen, kleinen Blätter sind am vorderen Ende gebogen. Sie sind drei bis vier Zentimeter lang und nur ein bis 1,5 Zentimeter breit. Am Boden breiten sich die Blätter direkt über Äste aus. Kanna kriecht eher und klettert nur sehr selten.

Zwischen Juli und September erblühen die weißen bis blass gelben Blüten. Manchmal können sie auch einen leichten rosafarbigen Stich haben. Sie erinnern an Blüten von Kakteen, sind relativ klein und bestehen aus vielen kleinen dünnen Blütenblättern, die spitz zulaufen. Auch kleine Früchte gibt es zu beobachten. Es handelt sich hier um Kapselfrüchte, die in Kammern die Samen umschließen.

Zubereitung, Dosierung, Wirkung

Bevor wir uns direkt ins Vergnügen werfen, wollen wir uns einen bestimmten Effekt der Pflanze genauer ansehen. Weiter oben haben wir schon erwähnt, dass Mesembrin Serotonintransporter blockiert. Das macht Mesembrin zum sogenannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Und das wiederum bedeutet, dass Serotonin länger für uns verfügbar ist und während der Wirkung von Kanna nicht abgebaut wird.
Diesen Effekt können wir uns zugute machen, er kann aber auch gefährlich für uns sein. Gefährlich wird die ganze Geschichte nur dann, wenn wir zum Beispiel Psychopharmaka verwenden, die schon als Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wirken. Auch mit MAO-I, also Monoaminoxidase-Hemmern sollte Kanna auf keinen Fall kombiniert werden. Das können Psychopharmaka sein, aber auch ethnobotanische Schätze wie Steppenraute, Yohimbe und Ayahuascaliane. Bei einem Mischkonsum dieser Art kann es zum Serotonin-Syndrom kommen.

Das Serotonin-Syndrom zeigt sich durch Unruhe, Muskelzuckungen, starkes Schwitzen, Schüttelfrost und zittrige Extremitäten. Auch neuromotorische und kognitive Störungen können auftreten.

Anderer Mischkonsum ist nicht ganz so gefährlich, dennoch zu bedenken. Kanna mit Alkohol zu mischen, kann zu starkem Schwindel führen und so schnell kann man gar nicht schauen, kommt die letzte Mahlzeit inklusive Alkohol retour. Die Mischung mit Cannabis ist natürlich in erster Linie aus rechtlichen Gründen nicht empfehlenswert. Für die Outlaws unter uns ist zu sagen, dass auch die Khoikhoi die beiden Pflanzen gemeinsam rauchen. Kanna soll die Wirkung von Cannabis verstärken und sogar eine leichte halluzinogene Wirkung kann sich entfalten. Auch hier kann es schnell zu viel werden, man sinkt einen halben Meter zu tief in die Couch und zack wir sehen wieder unsere letzte Mahlzeit.

Zusammenfassend können wir sagen, auch bei pflanzlichen Substanzen ist es wichtig Vorsicht walten zu lassen, sich zu informieren und gegebenenfalls auf die Erfahrung zu verzichten.

Und nun zum spaßigeren Part.

Kanna ist meistens in Form von Pulver erhältlich. Je nach Dosierung entfaltet sich eine andere Wirkung. Die Sinne werden geschärft, der Körper erst angeregt und später leicht sediert und ein traumartiger bis euphorischer Zustand erreicht. In vielen Tripberichten im Internet wird die Wirkung der Extrakte der Pflanze mit der von MDMA verglichen. Kleinere Dosierungen können ohne weiters im Alltag zur Beruhigung eingesetzt werden.

Kauen: etwa 1/2 Teelöffel Kanna-Pulver
Um das Pulver besser kauen zu können, kann ein vorgekauter Kaugummi in das Pulver gedrückt werden. Am staubigen Kaugummi kaut man dann solange herum bis er wieder ganz klebrig ist und wiederholt den Vorgang bis der halbe Teelöffel aufgebraucht ist. Die Wirkung setzt nach etwa einer halben Stunde ein und ist bei dieser Dosierung und Konsumform beruhigend, löst Ängste und zaubert ein unbekümmertes und frohes Gemüt.

Die Dosis kann auf bis zu 2 Gramm erhöht werden, wobei hier die euphorische Seite der Wirkung mehr zum Vorschein tritt.

Rauchen: etwa ½ Teelöffel des Pulvers, rauchbares Pflanzenmaterial
Das Pulver kann auch in eine Zigarette gedreht werden. Dazu streut man einfach etwas Pulver über Tabak oder eine andere Pflanze die sich gut rauchen lässt, wie zum Beispiel Eibisch. Hier tritt die Wirkung etwas schneller ein. Aufgepasst, Pulver lassen sich nur schwer rauchen. Deshalb muss auf das Mischverhältnis geachtet werden. Eventuell muss der halbe Teelöffel auf zwei oder drei Zigaretten aufgeteilt werden.

Tee: bis zu 2 Gramm Kanna-Pulver und Wasser
Die gewünschte Menge des Pulvers mit heißem Wasser übergießen, einige Minuten ziehen lassen und dann inklusive des Pulvers trinken. Die Wirkung entfaltet sich wie beim Kauen und setzt auch ungefähr nach einer halben Stunde ein.

Schnupfen: hierfür eignen sich minimale Mengen des Extrakts, eine Messerspitze kann schon ausreichen. Da es verschiedene Extrakte gibt, tastet man sich am Besten vorsichtig heran. Schon eine ganz kleine Menge kann einen zum Schwitzen bringen. Das Tanzbein fängt zu zappeln an und Euphorie stellt sich ein. Auch Berührungen können intensiver empfunden werden. Nach einiger zeit klingt die starke Wirkung ab und wird langsam durch tiefe Entspannung abgelöst. Die Extrakte eigenen sich sich unbedingt für den Alltag.

  1. Wikipedia Eintrag zu Kanna
  2. Wikipedia Eintrag zu Khoikhoi
  3. Chemie.de
  4. Wikipedia Eintrag zu Mesembrin

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