Stechapfel (Datura)

Steckbrief Stechapfel (Datura)

Namen: Teufelskraut, Stechapfel, Hell’s Bells, Teufelstrompete
Herkunft: Die exakte Herkunft ist umstritten. Die vielen verschiedenen Sorten der Pflanze sind weit verbreitet und wachsen fast überall, außer in besonders kalten Gebieten.
Zubereitung und Dosierung: ACHTUNG NACHTSCHATTENGEWÄCHS!!!
Jeglicher Konsum ist mit dem Risiko von Zahlreichen Nebenwirkungen verbunden. Bitte aufpassen oder gar nicht konsumieren!!!
Für die Zubereitung einer Salbe müsst ihr wohl die Lehren des Don Juan lesen. Oft wird vom Rauchen weniger Samen gesprochen.
Wirkung: Je nach Konsumart kann es zu einem leicht aphrodisierenden Gefühl, leichten Wahrnehmungsveränderungen, tranceartigen Zuständen bis zu starken Halluzinationen kommen. Schon kleine Mengen können verschluckt erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringen.
Wirkstoff: Die beiden Hauptwirkstoffe sind Scopolamin, Hyoscyamin und Atropin.

Ein kleiner Einblick…

Datura wächst fast überall auf der Welt und wird in dementsprechend vielen Kulturen und deren Mythologien unterschiedlich verehrt. Wo eine der 15-20 Arten dieser mystischen Pflanze wächst, da findet sie auch ihren Weg in die Folklore.

Die krautige Pflanze, deren stacheligen Früchte sie wohl den gefährlichen Namen Stechapfel zu verdanken hat, trägt wunderschöne trompetenförmige Blüten. Um dem magischen Charakter der Pflanze noch ein i-Tüpfelchen aufzusetzen, öffnen sich die Blüten erst bei Einbruch der Nacht und verströmen dann ihren betörenden Duft. Datura ist einerseits eine der ältesten Heilpflanzen und kann andererseits stark die Gesundheit beeinträchtigen und bis zum Tod führen. Im englischsprachigen Raum werden die unerwünschten Effekte der Pflanze im folgenden Merksatz zusammengefasst.
Blind as a bat, mad as a hatter, red as a beet, hot as a hare, dry as a bone,
bowel and bladder lose their tone, and the heart runs alone“.

Hier ist die Rede von verschwommener Sicht, Halluzinationen, Delirium, Aggressionen, Psychosen, erhöhter Temperatur, trockenem Mund, Kontrollverlust über die Blase und den anderen wichtigen Schließmuskel und Herzrasen. Dafür verantwortlich sind Scopolamin und Hyoscyamin, zwei Alkaloide mit denen wir uns später noch genauer beschäftigen werden.
Verehrt und gefürchtet gleichermaßen, versteckt sich der Stechapfel auch hinter den berüchtigten Hexensalben. Darüber könnt ihr hier mehr lesen….
Die toxisch-interessanten Flugsalben wurden von den abenteuerlichen Frauen an bestimmten Stellen verrieben oder vaginal angewandt. So ist Datura im Europäischen Kontext eine Hexenpflanze, verbunden mit Magie, Divination und dem Archetypen der Alten Weisen Frau.

Genau diese Konnotationen finden wir auch bei den Chumash. Die Chumash waren ein indigenes Volk Nordamerikas, sie lebten in Kalifornien an der Küste und verehrten Datura als heilige Pflanze in medizinischem und rituellem Kontext. Momoy, eine Göttin in Form einer alten weisen Frau, hütet den Stechapfel in dieser Kultur. Sie kann in die Zukunft sehen und dieses Geschenk auch an Personen weitergeben. Dazu musste man von dem Wasser trinken, in dem sie ihre Hände wusch. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um einen Trank aus diversen Bestandteilen des Stechapfels. Das wurde auch als eine Art Initiation beim Übergang zwischen Kindheit und Pubertät praktiziert. Den Jugendlichen sollte während der Initiation ihr Traumhelfer in Tierform begegnen. Später im Leben konnte man immer wieder auf den Trank zurückgreifen und den Traumhelfer in besonderen Lebensphasen befragen und Talente von ihm oder ihr lernen.
Nur besonders ausgebildete Personen durften Datura zubereiten. Bei einer falschen Diät, also einem nicht einhalte von bestimmten Regeln oder Respektlosigkeit, konnten auch Menschen sterben. Das wurde darauf zurückgeführt, dass man Momoy verärgert hat.

Ganz in der Nähe in New Mexico, Arizona und Utah gibt es heute noch die Navajo. Dabei handelt es sich um das zweitgrößte indigene Volk der USA. Bei ihnen wird Datura mit vier Geschenken verbunden. Genauso wie bei den Chumash, haben wir auch hier die Hellsicht. Die weiteren Geschenke sind Leidenschaft, Macht und Schutz.

Auch als Geschenk und sogar als potentiellen Verbündeten kennen wir Datura aus den abenteuerlichen Erzählungen von Carlos Castaneda. Don Juan sein Lehrer bringt ihm bei das „Teufelskraut“ zuzubereiten und im Anschluss verwandelt er sich in eine Krähe und fliegt.
!!! Sogar Don Juan berichtet davon, dass diejenigen die mit dem Teufelskraut arbeiten sehr schnell von Macht besessen werden und oft verrückt werden. Was von der Geschichte fiktiv ist und was wirklich passiert ist wissen wir nicht. Doch diese Warnung können wir so übernehmen!!!

In Europa und Nordamerika konnten wir eine Verbindung zur Alten Weisen Frau sehen. Anders sieht das in Indien aus. In einem Kapitel der Vamana Purana, einem mittelalterlichen Text der Hindus, wächst der Stechapfel direkt aus Shivas Herz. Die Hindus drücken ihre Verehrung gerne sehr gerne mit Blüten aller Art aus. Für Shiva werden sehr oft Daturablüten auf Altare oder den Shiva-Lingam gelegt. Zu einem fulminanten Fest für Shiva kommt es jedes Jahr Ende Februar oder Anfang März. Die Hindus feiern Shivaratri. In der Nacht wenn der meiste Trubel schon vorbei ist, treffen sich die Sadhus und rauchen eine Mischung aus Stechapfel und Cannabis sativa – beide werden Shiva geweiht.

Inhaltsstoffe

Bei diesem klassische Nachtschattengewächs haben wir es hier in erster Linie mit Scopolamin zu tun. Dieses Alkaloid wirkt in kleinen Dosen entspannend und kann in höheren Dosen, wie schon weiter oben erwähnt, neben psychedelischen Erfahrungen viele gefährliche Nebenwirkungen hervorrufen. Dazu zählen Herzrasen, Mundtrockenheit, Sehstörungen, Juckreiz und Aggressivität.

Hyoscyamin und Atropin wirken ähnlich, wenn auch nicht so beruhigend.

Scopolamin

Botanische Beschreibung

Datura gehört zur Familie der Nachtschattengewächse. Es gibt viele verschieden Arten. In Mitteleuropa ist wohl der Gemeine Stechapfel am meisten verbreitet. Wir erkennen die Pflanze an den Blättern die mehrfach spitz zusammenlaufen und ein bisschen gefährlich aussehen. Sie riechen auch nicht so gut, was besonders neben dem Duft der Blüten auffällt. Die Blüten sind trompetenförmig und können bis zu 8 cm lang werden. 
Für die Sammler unter uns dürften auch die Früchte von besonderer Bedeutung sein. Wie der Name uns schon verrät, handelt es sich um stachelige Früchte, die sich im Herbst langsam öffnen und in etwa 300 Samen in der Gegend verteilen.

Zubereitung, Dosierung und Wirkung

Bevor wir uns hier mit dem Wie und dem Was beschäftigen, wollen wir nochmal extra eine Warnung aussprechen. Stechapfel in jeglicher Form zu Konsumieren trägt immer ein hohes Risiko mit sich. Schon das Verschlucken eines Samens kann dazu führen, dass man tagelang den Blick nicht fokussieren kann. Das wäre noch eine vergleichsweise angenehme Nebenwirkung im Vergleich zu der Art von Horrortrip, in den man geraten kann. Nachtschättengewächse können stark verwirrend sein. Oft vergessen Konsumenten, dass sie überhaupt eine Substanz zu sich genommen haben. Wie man sich vorstellen kann, bewegt man sich so in eine psychisch extrem gefährliche und belastende Situation, die schnell in eine Psychose umschlagen kann und alle denkbar unverantwortlichen Handlungen mit sich ziehen kann. Wir raten definitv vom herumspielen mit dieser magischen Pflanze ab.

Nachdem der dieses Teufelskraut so gefährlich ist, wollen wir nur eine Konsumform beschreiben. Es geht um das Rauchen der Samen. Diese Praxis kennen wir von weiter oben von den indischen Sadhus. Viele Sadhus sitzen am Ganges und bieten vor allem Backpackern und interessierten Touristen großzügig ihre Segnung, ihren Kaffee und ihre Joints an. Vorsicht ist auf jeden Fall geboten, denn wir können nie genau wissen, welche Pflanzen die heiligen orange angezogenen Männer hier rauchen. Wir raten auch vom Rauchen der Samen ab, wollen jedoch kurz klären, was passiert – falls man dann doch versehentlich an einen solchen Teufelsjoint gerät…


Rauchen: Meist verstecken sich minimal wenige Samen vermischt mit Tabak und Gras in einem Joint.
Die Samen wurden zuvor getrocknet und im Anschluss zerkleinert. Die Wirkung sollte sich bei wirklich niedriger Dosierung tranceartig entfalten, die Wahrnehmung leicht verändern und nicht zu lange anhalten.

Räuchern: Räucherkohle und einige Samen
Für die PsychonautInnen die aus sicherer Distanz ein Bild machen wollen, empfehlen wir zwei oder drei Samen auf eine heiße Räucherkohle zu legen. Bald entfaltet sich der Marzipan-Duft der Samen. Da kann man dann schonmal die neugierige Nase ein bisschen schnuppern lassen! Eine richtige Wirkung ist so für viele nicht wirklich spürbar. Die sensiblen unter uns werdne vielleicht ein kleines Verbundenheitsgefühl haben und ein warmes Herz.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.