Eibisch (Althaea officinalis)

Steckbrief

Namen: Eibisch, Samtpappel, Ibischwurz, Heilwurz, Weisse Malve, Sumpfmalve, Althee, Alter Thee, Alt Eh, Eibich.
Herkunft: Die nützliche Heilpflanze war ursprünglich in Russland und Kasachstan und in Südeuropa verbreitet. Ihren Weg nach Mitteleuropa hat sie mit Hilfe des Menschen gefunden.
Zubereitung und Dosierung: Es kann ein Tee oder eine kalter Auszug (jeweils 1-3 Teelöffel der Blätter pro Tasse) zubereitet werden. Möglich ist auch die äußerliche Anwendung als Brei.
Wirkung: Die Heilpflanze wird für viele Leiden eingesetzt, hauptsächlich bekannt ist Eibisch jedoch für seine hustenstillende Wirkung.
Wirkstoff: Vor allem die Schleimstoffe sind für die heilsame Wirkung des Krautes verantwortlich.

Ein kleiner Einblick…

Im Sommer, zur Hauptblütezeit des Eibischs, verzehren sich zahlreiche Insekten nach seinem Nektar. Vor allem die Bienen summen fröhlich um ihn herum. Wenn wir die Blätter zwischen den Fingern zerreiben, können wir schon den weichen Schleim spüren, der so heilsam ist. Für die vielen Heilanwendungen der schönen Malve können wir zu Beginn des Frühjahrs oder im Herbst die Wurzel ausgraben. Die Blätter sollten wir vor allem nach der Blütezeit sammeln, wenn ihr Schleimgehalt am höchsten ist.

Das Wissen um die heilende Wirkung dieser Malvenart geht weit zurück. Der wohl spektakulärste Fund von Spuren der Pflanze im Grab eines Neandertalers, deutet auf seine Bekanntheit vor 60.000 Jahre hin. Wie Eibisch zu dieser Zeit genutzt wurde bleibt für uns ein Rätsel.
Viel später begegnen wir der Weissen Malve im antiken Griechenland. Der botanische Gattungsname Althaea leitet sich vom griechischen Wort álthein ab, das „heilen“ bedeutet. Davon wusste schon der griechische Arzt Hippokrates, der Eibisch zur äußerlichen Wundheilung, bei Zahnschmerzen und Hangwegs- und Darmerkrankungen verwendetet hat. Zu Ehren des griechischen Gottes Apollon, sind seine Priesterinnen über heiße Kohlen gelaufen. Um die Fußsohlen bei diesem Ritual zu schützen, sollen sie Eibischsalbe benutzt haben.
Weiter schreibt sich die Geschichte des Eibisch im alten Rom, wo er sowohl als Suppenkraut als auch als Fülle für Spanferkel verwertet wurde.
Und schon sind wir im frühen Mittelalter, wo unter Karl dem Großen die Schrift „Capitulare des Villis“ verfasst wurde, die sich rund um das Thema Landwirtschaft dreht. Neben Vorschriften zur Haltung von Tieren und zum Inventar einer Werkstatt sind auch Informationen über den Anbau verschiedener Pflanzen, unter anderem Malvenarten, enthalten. Die Schrift stützt sich vor allem auf Errungenschaften der Antike, so auch das Wissen um die Heilwirkung von Eibisch.
In der mittelalterliche Pflanzenheilkunde wurde die Eibischwurzel als „erweichend“ beschrieben und zur Herstellung einer Salbe verwendet, die zur äußeren Anwendung bei Beulen, Brüchen und Geschwüren verwendet wurden. Es ist auch die damalige Anwendung als Brei bekannt. Hierbei wurde die pulverisierte Wurzel mit Honig verrührt um bei Muskelkater und verhärteten Sehnen die schone erwähnte „erweichende“ Wirkung zu erzielen.


Auch Hildegard von Bingen war die Heilwirkung des Eibischs bekannt, sie setzte ihn zur Behandlung von Fieber und Kopfschmerzen ein.
Gourmets wie die Franzosen es sind, hatten sie natürlich schon im Mittelalter eine Eibisch-Spezialität, die „Pâte de guimauve“, auch als Eibischteig bekannt. Das ist etwas ähnliches wie das was wir heute als Marshmallows kennen. Damals wurde Eiweiß mit Zucker und den klebrigen Stoffen des Eeibisch aufgeschlagen und zu dieser weißen Süßigkeit verarbeitet. Der Zusammenhang ist auch heute noch im Namen zu hören. „Marsh mallow“ ist nämlich die englische Bezeichnung für Eibisch, direkt übersetzt wäre es die Sumpf-Malve. Doch die Marshmallows die wir kennen, haben nichts mehr mit der Pflanze zu tun, es wird nun Gelatine verwendet.

Zum Schluss ein kleiner Funfact: die Chromosomenzahl von Eibisch beträgt 42. War 42 nicht die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest? Bei der großen Bandbreite an Heilwirkungen, scheint dieser numerologische Zufall gar nicht so unpassend!

Inhaltsstoffe

Für die heilende Wirkung des Eibischs sind seine Schleimstoffe verantwortlich. Sie sind in den Wurzeln bis zu 25% enthalten und wirken einhüllend und reizmildernd. In Tierversuchen konnte auch eine entzündungshemmende und stabilisierende Wirkung auf das Immunsystem nachgewiesen werden. Weitere Inhaltsstoffe sind Zink, Cumarine, Gerbsäure, Gerbstoff, ätherisches Öl, Saponine und Asparagin. Da Eibisch auch einen recht hohen Zuckergehalt hat, sollten DiabetikerInnen achtsam mit der Pflanze umgehen. Es ist auch zu erwähnen, dass die enthaltenen Schleimstoffe die Aufnahme anderer Medikamente beeinträchtigen können.

Botanische Beschreibung

Althaea officinalis ist Mitglied der Familie der Malvengewächse. Andere bekannte Familienmitglieder sind zum Beispiel der Kakaobaum, Baumwolle und eben die vielen Arten des Hibiskus – auch Eibisch genannt.
Die Pflanze wird zwischen 60 und 150 cm hoch, ist mehrjährig und hat ganz kräftige Stängel. Eibisch trägt weiche dreipappige Blätter, die mit kleinen Härchen besetzt sind. Die Blüten ähneln den bekannten Hibiskusblüten, sind jedoch kleiner, weiß und tragen einen rosafarbenen Stempel.

Zubereitung, Dosierung, Wirkung

Eibisch kann für sehr viele Wehwehchen eingesetzt werden. Die innere Anwendung einer der Zubereitungsarten ist sinnvoll für Hustenreiz, Entzündung der Schleimhäute im Mund- und Rachenraum, leichte Entzündungen im Magen-Darm-Trakt, Blasenentzündung und viele mehr. Äußerlich ist die Wirkung für diverse Hautprobleme zu empfehlen. Frische zerquetschte Blätter können auf Insektenstiche aufgelegt werden.

Kalter Auszug: 1-3 Teelöffel der Blätter pro Tasse oder 3 Teelöffel der Wurzel
Das Pflanzenmaterial mindestens 4 Stunden (bei der Wurzel mindestens 8 Stunden) im kalten Wasser ziehen lassen. Anschließend kann die Flüssigkeit leicht erwärmt werden und so öfters am Tag getrunken werden. Auf diese Art und Weise lässt sich Eibisch besonders gut zum Gurgeln und Spülen des Mund- und Rachenraums verwenden.
Tee: 1-3 Teelöffel der Blätter pro Tasse oder 3 Teelöffel der Wurzel
Früher dachte man die Schleimstoffe würden beim übergießen mit heißem Wasser abhanden gehen – heute weiß man, dass das nicht so ist. Den Tee etwa 5 Minuten ziehen lassen.
Eibischsirup: 10 Gramm der getrockneten und zerkleinerten Wurzel, 250 ml Wasser und 200 Gramm Zucker
Alle Zutaten werden in einem Topf vermengt und solange gekocht bis ein Sirup entsteht. Im Anschluss kann man die Masse durch ein Sieb laufen lassen und den Sirup nach Bedarf wie einen Hustensaft einnehmen.
Brei zur äußerlichen Anwendung: fein geriebene Wurzel und Honig, Menge nach Bedarf
Das pulverisierte Pflanzenmaterial wird mit Honig zu einem Brei vermengt und kann im Anschluss auf ein Tuch gestrichen werden, das auf die zu behandelnde stelle aufgelegt wird. Dieser Umschlag kann alle 2-3 Stunden gewechselt werden. Die entzündungshemmende und erweichende Wirkung des Eibischs kann auf diese Weise genutzt werden.
Gesichtsmaske: getrocknete pulverisierte Eibischwurzel, warmes Wasser, 1 Teelöffel, Zitronensaft, 1 Teelöffel Honig
Die Zutaten so vermengen, dass die Masse nicht zu flüssig ist. Diese Maske ist ideal für trockene und empfindliche Haut.
In der Küche: Blätter, Blüten, Wurzeln
Die Wurzeln können gekocht oder angebraten werden. Sie sind sehr nahrhaft, schmecken aber langweilig. Für einen Salat kann man die Blätter und Blüten verwenden.

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