Kava Kava (Piper methysticum)

Steckbrief

Namen: Kava, Kava Kava, Rauschpfeffer, Yaqona, Awa
Herkunft: Auf vielen Inseln im Pazifischen Ozean ist Kava heimisch. Woher es ursprünglich kommt ist nicht geklärt.
Zubereitung und Dosierung: 1-3 Esslöffel werden mit Wasser vermengt.
Wirkung: Kava Kava ist körperlich entspannend, löst Ängste und beruhigt den Geist.
Wirkstoff: Die wirksamen Substanzen sind die Kavapyrone.

Ein kleiner Einblick

Kava Kava ist ein essenzieller Bestandteil des Lebens auf den Inseln im Pazifischen Ozean. Die Zeremonien mit der psychoaktiven Wurzel sind Symbol für Freundschaft, bringen Menschen zusammen und geben besonderen Anlässen eine noch signifikantere Bedeutung. Nach Jahrhunderten der immerwährenden Weitergabe des Wissens um diese verehrte Pflanze, ist bis heute der Kult nicht abgerissen. Natürlich haben sich Gepflogenheiten verändert. Nichts desto trotz bleibt Kava ein aktiver Teil des sozialen Lebens und ist nicht zum Relikt in anthropologischen Büchern geworden.

Wo die Pflanze ihren Ursprung hat ist nicht ganz klar. Möglich wären Neuguinea, die Fidschi-Inseln aber auch Vanuatu. Auf jeden Fall ist das Kava-Trinken auf den meisten Inseln im Pazifik eine verbreitete Tradition. Wie wir Europäer Bekanntschaft mit dem sogenannten Rauschpfeffer gemacht haben, wird unterschiedlich beschrieben. Einerseits könnte es der englische Seefahrer James Cook gewesen sein, der in seinen Reiseberichten die Zeremonien und die Pflanze beschrieb. Andererseits wird auch von den niederländischen „Entdeckern“ Jacob Le Marie und Willem Cornelisz Schouten gesprochen, die den Umgang mit Kava auf den Horn-Inseln beobachtet haben sollen. Berichtet wurde auf jeden Fall von Zeremonien, die denen heute ähnlich oder sogar gleich sind.

Eine Kava Zeremonie wird meist dann durchgeführt, wenn es etwas zu feiern gibt. Gefeiert wird zum Beispiel ein neues Dorfoberhaupt, eine Hochzeit oder Besucher hohen Rangs.

Immer wieder sind Mitglieder der britischen Königsfamilie auf Vanuatu zu Gast. Für sie ist ein ganz besonderes Kava, das „Royal Kava“, reserviert. Prince Charles wurde 2018 zum „Honorary High Chief“ Vanuatus erklärt und trank vom royalen Kava, das zuletzt von seinem Vater in den 1970ern getrunken wurde.

Ein weiterer Anlass für eine Kava Zeremonie könnte das Schlichten eines Streits sein. Aufgrund der entspannenden Wirkung entsteht eine Atmosphäre, bei der ein offener Dialog zwischen den streitenden Parteien möglich wird. So können einheimische Stämme mit Kava als Friedensangebot zusammenkommen und gemeinsam im Gespräch ihre Konflikte lösen.

Neben den zeremoniellen Zwecken wird Kava Kava auch als Heilmittel eingesetzt. Auch hier wird besonderen Wert auf die beruhigende Wirkung der Kava-Wurzel gelegt. Menschen die sich von Stress geplagt fühlen, unter Angstzuständen leiden und Probleme beim Einschlafen und Ausruhen haben, werden mit dem Trank behandelt. Auch um die Muskeln zu entspannen und als harntreibendes Mittel wird Kava gerne eingesetzt.

Was passiert nun genau bei einer Kava Zeremonie?

Eine traditionellen Zeremonie auf Fidschi wird auch „Sevusevu“ genannt und kann damit beginnen, dass die Teilnehmer dem Gastgeber eine Kava-Wurzel als Geschenk geben. Das zeigt Respekt und Verständnis für die Kultur, schließlich ist Kava oder „Yaqona“ hier das Nationalgetränk.
Nun sitzen alle Gäste im Kreis um eine sehr große Schüssel, die Tanoa genannt wird. Der Gastgeber sitzt direkt vor der Tanoa und beginnt mit der Herstellung des Getränks. Die geschälten und zerkleinerten Wurzelstücke werden weiter zu einem Brei zerschlagen. Anschließend kommt der Brei in einen Stoffsack und wird in Wasser gelegt. Zuletzt wird der Brei gut ausgedrückt und die bräunliche Flüssigkeit ist fertig. Das Getränk wird oft in eine halbe leere Kokosnuss, auch „Bilo“ genannt, umgefüllt. Die erste Person die davon trinkt ist meist der Gastgeber oder eine andere sehr wichtige Person. Beim Trinken wird erst einmal geklatscht, dann bestenfalls alles auf einen Sitz runter gespült und noch weitere drei mal geklatscht. Zum Schluss ruft man „Bula!“, was soviel wie Prost bedeutet und gleichzeitig ein Glückwunsch ist. Kurz danach setzen die angenehm betäubenden Gefühle im Mund und auf den Lippen ein, gefolgt von Ruhe und Entspannung.

Auf den Fidschi-Inseln trinken Frauen und Männer Kava. Kulturelle Unterschiede bei den Kava Zeremonien gibt es natürlich so viele wie Inseln im Pazifik. Auf der Insel Tonga trinken eigentlich nur Männer Kava. Frauen können hier Kava servieren. Es ist Tradition beim Servieren umworben zu werden. Sollte ein Mann mit der Frau verwandt sein muss er sogar den Ort verlassen. Alle anwesenden Männer können um die Gunst der Frau wetteifern.

Auf Hawaii wird Kava „Awa“ genannt. Kava war früher nur für die wichtigsten Persönlichkeiten und Göttern bestimmt. Heute sieht es schon anders aus. Es finden auch noch Awa Zeremonien statt, doch auch Kava Bars bringen den entspannenden Drink unter das Volk.

Vanuatu beheimatet die meisten Kava-Arten. Oft sieht man auch Menschen auf der Wurzel kauen. Auf Vanuatu gibt es unglaublich viele Kava Bars, die hier auch als „Nakamal“ bezeichnet werden. Heute kommen Männer und Frauen gemeinsam in die Bars, früher waren Frauen hier nicht erlaubt.

Die Kava Bars bringen uns auch direkt in den westliche Konsum der Kava-Wurzel. In den USA gibt es Kava Bars, ganz ähnlich den holländischen Coffeeshops. Hier wird Kava nicht zeremoniell hergestellt. Die Zubereitung ist auf den Bar Betrieb abgestimmt. Unter anderem gibt es hier zum Beispiel Instant Kava, das nur noch in Wasser verrührt werden muss.

In Europa sieht der Umgang mit Kava etwas anders aus. Für längere Zeit wurden Präparate von der Pharmaindustrie hergestellt und verkauft und es war nicht so schwierig wie heute das Pulver zu kaufen. Um die Jahrtausendwende wurden dann einige Fälle von Kava-KonsumentInnen registriert, die unter starken Leberschäden litten. Sofort wurden die Präparate verboten und auch der Verkauf außerhalb der Apotheke unterbunden. Bis heute konnte der Zusammenhang zwischen dem Konsum und den gesundheitlichen Folgen nicht ausreichend nachgewiesen werden. Kava wird seit jeher auf den Pazifischen Inseln zubereitet und es wurden keine Langzeitfolgen des Konsums bekannt. Das lässt uns den Verdacht schöpfen, dass hier die Pharmaindustrie ihre Finger im Spiel hat. Eine pflanzliche Alternative zu Psychopharmaka… ob ihnen das gefällt?

Selbst wenn wirklich der KonsumentInnenschutz bei diesen Entscheidungen an oberster Stelle stand, machen wir uns Gedanken darum, was hier falsch gelaufen ist. Ein Problem könnte die Verarbeitung der Pflanze gewesen sein. Wie ihr schon gelesen habt, wird für die Zubereitung von Kava die Wurzel verwendet. In den oberirdischen Pflanzenteilen befinden sich neben den Kavapyronen auch Piperidin-Alkaloide, welche vermutlich zu Leberschäden beitragen. Nun könnte es gut sein, dass zu Produktion der Medikamente einfach die ganze Pflanze verwertet wurde. Das ist sicherlich billiger und geht auch wesentlich schneller, nur ist es eben nicht gesund.

Ein weiterer Faktor den wir mit einbeziehen können ist Qualität des Kavas. Grundsätzlich wird hier zwischen „Noble“ und „Tudei“ unterschieden. Kava das kommerziell hergestellt und verkauft wird, muss mit diesem Qualitätssiegel versehen werden. Tudei bezeichnet hingegen ein wild wachsendes Kava, dessen Wirkung ganze zwei Tage anhält. Daher kommt auch der Name, der am Englischen „Two Days“ angelehnt ist. Zwei Tage ist ganz schön lang und deutet auf ein extrem potentes Kava hin. Sollte diese Kava-Qualität für die pharmazeutischen Erzeugnisse verarbeitet worden sein, sind wir überhaupt nicht von Nebenwirkungen überrascht und können von fahrlässigem Handeln der Pharmaindustrie sprechen.

Wir sind der Meinung, Kava Kava ist eine außerordentliche Pflanze. Das breite Heilspektrum der Pflanze ist ein Geschenk der Natur. Immer mehr Menschen leiden unter chronischem Stress, Angstzuständen und Depression. Gerade in Zeiten wie diesen sollte der Zugang zu natürlichen Heilmitteln unterstütz, ausgebaut und nicht verboten werden.

Die Wirkung der Pflanze richtet sich direkt auf das zentrale Nervensystem. Kava reduziert Anspannung, Nervosität, Angstzustände, Herzklopfen und Kreislaufbeschwerden. Zusätzlich hat Kava Kava den Vorteil, dass es nicht abhängig macht. Bei anderen Angst lösenden Psychopharmaka ist das nicht der Fall und Abhängigkeit wird zum nächsten Problem der behandelten PatientInnen.

Aufgrund der mangelnden Beweise für einen tatsächlichen Zusammenhang zwischen Leberschäden und Kava-Konsum, wurde Kava in Europa nicht verboten. Es wurde nur der Handel damit erschwert.
Doch Dank ethnobotanischer Geschäfte und Internetshops, ist es möglich das Wurzelpulver zu kaufen und sich damit selbst zu behandeln.

Inhaltsstoffe

Kavapyrone sind die im Kava wirksamen Substanzen. Hier werden verschiedene unterschieden. Darunter finden wir Kavain, Dihydro-Kavain, Yangonin, Desmethoxy-Yangonin, Methysticin und Dihydro-Methysticin. Diese Kavapyrone sind pharmakologisch untersucht. Das spannende bei den Kavapyronen ist, dass sie synergetisch wirksam sind. Sie bewirken also alleine teils nur milde Effekte, doch zusammen ergibt sich eine starke Gesamtwirkung. Die Wirkung von Kavapyronen auf den Mnschen ist beruhigend und Angst lösend für den Geist und entspannend für den Körper.

Botanische Beschreibung

Wie der Name Rauschpfeffer uns verrät ist Kava mit dem Schwarzen Pfeffer verwandt, deshalb schmeckt es auch teils etwas scharf. Die Pflanze wächst als immergrüner Strauch und kann eine Höhe von bis zu drei Metern erreichen. Herzförmige, bis zu 20 Zentimeter große Blätter und wurmförmige Blütenstände zieren den Strauch. Die Bestäubung übernimmt meist der Mensch.

Kava wird oft in Mischkultur mit Bananenstauden, Kakao oder Kokospalmen angebaut. Nach drei bis vier Jahren ist eine Kava Pflanze groß genug um ausgegraben zu werden.

Zubereitung, Dosierung, Wirkung

Achtung in äußerst seltenen Fällen sind allergische Reaktionen möglich. Um das auszuschließen könnte man eine ganz kleine Menge des Getränks antesten.

Die angenehme Wirkung von Kava entfaltet sich erst mit einem leicht betäubten Mund und ist spätestens nach einer halben Stunde wahrnehmbar. Schwerelosigkeit und ein gedämpftes Gefühl können aufkommen. Das ist aber von der Dosis abhängig. Bei einer niedrigen Dosis ist es möglich sich nicht ausschließlich dem betäubten Genuss hinzugeben, sondern eher den Angst lösenden Effekt auf das Gemüt hervorzurufen.

Kava Getränk: 1-2 Esslöffel Kava und die gewünschte Menge Wasser
Das Pulver wird ganz einfach ins Wasser gerührt. Das Getränk kann sowohl mit dem Pulver getrunken werden, als auch gefiltert. Und nicht vergessen am Ende „Bula“ zu rufen!

Kava in Kapseln: 1-2 Esslöffel Kava Pulver und leere Kapseln aus der Apotheke
Auch wenn es ganz schön viel Pflanzenmaterial für kleine Kapseln ist, kann sich diese Konsumform lohnen. Der Geschmack von Kava ist für viele nicht erträglich, im Gegensatz zur gewünscht Wirkung. In so einem Fall können wir das Pulver in Kapseln füllen und dann einfach schlucken.

BULA!

  1. Wikipedia Eintrag zu Kava
  2. BBC Artikel über Prince Charles

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