Räucherwerk

Überall auf der Welt findet sich der Gebrauch von Räucherstoffen. Wohl seitdem der Mensch lernte das Feuer zu bändigen, wurden die verschiedensten Kräuter verbrannt und in die verschiedensten Rituale eingebunden. Manche Kräuter werde aufgrund ihres ausgesprochenen Wohlgeruchs geräuchert, andere wegen ihrer medizinischer und hygienischer Wirkung. Und so manches Räucherwerk kann auch psychoaktiv wirken.
Außerdem kann der aufsteigende Rauch gedeutet und so für magische Rituale eingesetzt werden. So zum Beispiel das Lorbeerblatt.
Und bestimmt war es nur ein kleiner Schritt um vom Räuchern von Kräuter dazu überzugehen, diese zu rauchen.

Drei kulturelle Zentren können wir unterscheiden wenn es um die Kunst des Räucherns geht. Die Antike samt dem alten Orient, den indischen Subkontinent einschließlich des Himalaya Raumes und Mesoamerika.
Dabei hat sich die indianische Räucherkultur Mesoamerikas völlig selbstständig entwickelt währen zwischen der antiken Welt und dem Orient ein reger Austausch bestand.
So wurden zwischen Ägypten und Indien die verschiedenste Heilkräuter, Gewürze und Rauschmittel gehandelt. So auch Räucherstoffe.

Das berühmte Orakel von Delphi berauschte sich mit dem Rauch der Samen der Appollonpflanze (weißes Bilsenkraut) bevor sie ihre Prophezeiungen tätigte.
Im Mittelalter kursierten schlafbringende Räuchermischungen die es ganz schon in sich hatten. Arsenik, Alraune und Opium wurde zu gleichen Teilen vermischt und mit Storax und Olibanum (beides Harze) versetzt.
auch aus der Renaissance gibt es verschiedene Räucherrezepte die den Geist verwandeln sollen.
Kein Wunder werden da doch Bilsenkraut, Alraune, Mohn und Hanf genannt.

Räucherdarstellung aus dem 15. Jhd.

Wer schon mal einer christlichen Messe beigewohnt hat wird sich vielleicht an den intensiven Geruch des Weihrauchs erinnern. Hier wird auch meist das Olibanum Harz verwendet.

In Asien und im arabischen Raum gilt das sehr harzhaltige, dunkle Aloeholz als wertvollster Räucherstoff.

Aloeholz

Immer wieder wird von der psychoaktiven Wirkung seines Rauches berichtet. Immerhin sind tatsächlich Alkaloide im Holz enthalten, die psychoaktive Wirkung ist jedoch nicht bestätigt.
Auch in der japanischen Teezeremonie wird Aloeholz verräuchert.

Im europäischen Raum wurde vor allem der Wachholderstrauch als Räucherwerk geschätzt, da sich seine Blätter bereits im frischen Zustand verbrennen lassen und einen stark aromatischen Geruch liefern.
Wacholder gedeiht auch in der Mongolei und im Himalaya, wo Schamanen große Mengen des Rauches bei ihren Zermonien inhalieren.

Wachholder. Einer der ältesten bekannten Räucherstoffe

Räucherwerkrezepte

Über die Jahrhunderte wurden zahlreiche Rezepte für Räucherwerk überliefert, angepasst und optimiert. Hier seien einige dieser überlieferten Rezepte angegeben:

Räucherung von Delphi
Gleiche Teile von:
Bilsenkrautsamen
Lorbeerblätter
Myrrhe (Commiphora subspezies)

Römischer Weihrauch (nach Plinius)
Gleiche Teile von:
Lorbeerblätter
Wachholderzweige
Verbene
Salbei
Thymian

Mongolische Schamanenräucherung
Gleiche Teile von:
Weißtannenrinde
Helfthymian (Quendel)
Wachholder

Räucherung zur Geisterbeschwörung
1 Teil Fenchelwurzel
1 Teil Olibanum
4 Teile Bilsenkraut
1 Teil Koriandersamen
1 Teil Kassiarinde

Weihrauch um in die Zukunft zu blicken
Gleiche Teile von:
Olibanum
Zaubersalbei (Salvia divinorum)
Zauberpilze (psilocybe cubensis)
eine Prise Petersilwurzel

Ritualräucherung der Tarahumara
Copalharz
Peyotestücke

Räucherung zur Dämonenbeschwörung (16. Jhd)
Gleiche Teile von:
Petersilwurzel
Koriandersamen
Nachtschatten (Atropa belladonna)
Schierlingswurzeln
Opium
Sandelholz
Bilsenkraut

Räucherung der Hekate (Spätantike)
Gleiche Teile von:
Steppenrautesamen
Myrrhe
Storax
Olibanum
Lorbeerblätter

Viel Freude mit euren Räucherritualen!

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