Der Theriak (Gegengift)

Bereits in der Antike und womöglich noch wesentlich früher, begründete sich die Toxikologie, die Lehre von der Giftigkeit der Substanzen.
Gift wurde als tükische Waffe eingesetzt, zahlreiche Giftmorde sind dokumetiert, aber auch als Strafe kamen Gifte zum Einsatz. Man denke an den wohl berühmtesten Fall, den Schierlingsbecher des Sokrates, den dieser als Todesstrafe trinken musste.
Die Toxikologie beschäftigte sich in frühen Zeiten nicht nur damit verschiedenste Gifte zu klassifizieren und zu erzeugen, sondern auch mit der Herstellung von Antidotonen also Gegengiften.
Diese Gegengifte wurden zur inneren Anwendung entwickelt, Umschläge und Salben zählen also nicht dazu.
Die Antidotone wurden in 3 große Kategorien eingeteilt: In jene die gegen tödliche Gifte verabreicht werden, jene die gegen giftige Tiere eingenommen werden und jene die bei Leiden infolge schlechter Diät Abhilfe schaffen sollen.

Das berühmteste Antidot soll in allen drei dieser Fällen wirken, der sogenannte Theriak. Dieser galt als Wundermittel und wurde von Andromachus, dem Leibarzt des Kaiser Neros, im ersten Jahrhundert nach Christus entwickelt.
Es stellte eine Weiterentwicklung des Mithridatium dar, das Gegengift des König Mithridates von Pontos. Der thyrannische König erdachte dieses Mittel selbst, da er in ständiger Angst vor Vergiftung lebte.
Als Vorbild für sein Antidot dienten wohl die Rezepturen der griechischen Ärzte gegen Schlangenbisse. Diese wurden mit einer Kräutermixtur auch Anis Fenchel und Kümmel behandelt und das Rezept in die Mauer des Asklepieions von Kos eingemeißelt.
Der Thyrann von Pontos fügte diesem Schlangengegengift noch 54 weitere Ingedientien hinzu unter anderem einige als magisch geltende Substanzen wie Enten- und Schlangenblut oder Krötenfleisch.

Andromachus wiederum erweiterte die Rezeptur um Vipernfleisch und Opium, sowie einer Reihe an psychoaktiven Pflanzen. Die Rezeptur belief sich nun auf etwa fast 70 Bestandteilen.
Arabische Ärzte entwickelten den Theriak weiter , wobei immer das Opium den Hauptbestandteil ausmachte.

Vipern fangen für den Theriak.



Der Theriak wurde gegen jede erdenkliche Krankheit verwendet, so auch gegen die Pest. Das Opium wurde vorwiegend aus Ägypten über Venedig impotiert und durch die steigenden Preise oft gestreckt.
Trotzdem hatte die deutsche Stadt Nürnberg hatte den Ruf einen vorzüglichen Theriak mit sehr reinen Zutaten zu handeln. Um die Qualität ihres Allheilmittels zur Schau zu stellen, wurden die Zutaten im Zuge eines großen Festes vor aller Öffentlichkeit zusammengemischt.

Darstellung der mittelalterlichen Theriakherstellung

Neben den zahlreichen voneinander abweichenden Rezepten sei hier die erste gesamtdeutsche Vorschrift zur Theriakherstellung aus der Pharmacopoea germanica von 1882 zitiert:

1 Teil Opium

3 Teile spanischen Wein

6 Teile Angelikawurzel

4 Teile Rad. Serpentariae (Wurzel der Virginenhohlwurzel, Aristolochia serpentariae)

2 Teile Baldrianwurzel

2 Teile Meerzwiebel

2 Teile Zitwerwurzel

9 Teile Zimt

1 Teil Grüner Kardamom

1 Teil Myrrhe

1 Teil Eisenvitriol

72 Teile Honig

Zubereitet wird das Ganze indem das Opium und spanischen Wein einen Tag lang unter gelegentlichen umrühren vermischt und ziehen gelassen werden. Dann werden die anderen Bestandteile beigemischt und die gesamte Mischung an einem kühlen dunklen Ort aufbewahrt.
Auch heute noch wird Theriak gehandelt. Allerdings wird es nunmehr als Elexier für ein langes Leben oder als Schwedenbitter bezeichnet. Beiden Rezepte enthielten zunächst Opium welches jedoch in der Zeit der Opium Krise und den Drogenkriegen aus der Rezeptur gestrichen wurde.

Theriak ohne Opium nur der halbe Spaß?



Ein aktuelles Theriak Rezept sieht besipielsweise so aus:

Angelikawurzel, Radix Angelicae pulv. gross. 40%

Baldrianwurzel, Radix Valerianae pulv. gross. 15%

Zimtrinde, Cortex Cinnamomi ceyl. pulv. gross. 15%

Zitwerwurzel, Rhizoma Zedoariae pulv. gross. 15%

Kardamomen, Fructus Cardamomi incort. pulv. 7,5%

Myrrhe, Myrrha pulv. gross. 7,5%

Übrigens erinnert vor allem der Angelikawurz an das über die Jahrhunderte überlieferte und veränderte Theriakrezept, denn die Engelswurz hieß früher Theriakwurz.

Der Theriakwurz erinnert an das wohl bekannteste Gegengift unserer Geschichte

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