Kakaobaum (Theobroma cacao)

Steckbrief Kakaubaum

Namen: Kakaubaum, Theobroma cacao, Bana torampi, Biziaá, Bizoya, Cacahuatl, Cacao, Cacahoaquiahuit, Cacahua, Cacaocuáhuitl, Mocha, Torampi, Xocoatl, Turanqui
Herkunft: Wildform nur in Südamerika heimisch, kultiviert bereits seit prähistorischer Zeit in allen tropischen Gebieten Amerikas. Heute auch große kultivierte Vorkommen in Afrika.
Zubereitung und Konsum: Die Bohnen der Früchte in gerösteter Form werden vermahlen und in Kombination mit Kräutern, Chili und Honig zu einem Heißgetränk verarbeitet, dass auch oft als Träger für psychoaktive Substanzen verwendet wird. Auch als rituelles Räuchermittel.
Wirkstoffe: Koffein, Tannin, Theobromin, Tyramin, Phenetylamin, Serotoin, Anandamine.

Ein kleiner Einblick

Die „Nahrung der Götter“ wie sie in Mittelamerika genannt wurde, ist lange bei uns angekommen und das in einer pervertierten Form. Schokolade ist so beliebt, dass jährlich über 5 Tonnen (!) Kakaobohnen geerntet werden. Und das obwohl der Kakaobaum sich eigentlich sehr schlecht kultivieren lässt.
Ist in diesem Fall wiederum der Kakao nur Trägersubstanz für die eigentliche Droge der westlichen Welt, dem Zucker, so scheint doch noch etwas mehr dahinter zu stecken.
Vor ungefähr 4000 Jahren begannen die Indigenen Mittelamerikas Kakao aus seiner Wildform zu kultivieren. Die Kakaobohnen waren bei den Atzteken so geschätzt, dass sie sogar als Zahlungsmittel eingesetzt wurden.
Sie dienten als Stimulanz, Nahrungsmittel, Medizin und dem daraus bereiteten Trank wurde psychoaktive Wirkung nachgesagt. Dieser wurde jedoch sehr wahrscheinlich mit psychoaktiven Pflanzen oder Pilzen versetzt.

Dem Baum kommt außerdem eine große rituelle Bedeutung bei, wird er doch als Geschenk des Aztekengottes Quetzalcoatl angesehen (die gefiederte Schlange). Auch die Maya banden den Baum in ihre Mythologie ein und verehrten den „Kakaogott“ Ek Chuah.

Reife Kakaofrucht

Als Räucherwerk in Vermischung mit Chilischoten wurde Kakao zu schamanistischen und medizinischen Zwecken verbrannt.
Der scharfe Rauch soll Fieber senken und heilsam auf Malaria wirken. Außerdem verwenden Schamanen den Rauch um aus seiner Struktur und Form Krankheiten zu diagnostizieren.

Um 1528 brachte Hernán Cortés den Kakao nach Europa. Columbus hatte zwar auch schon Kakaobohnen mit in die Heimat gebracht, doch wusste man zunächst nichts damit anzufangen. Cortés brachte auch ein Rezept mit. Es dauerte nicht lange bis sich das neue Genussmittel größter Beliebtheit erfreute. Der Name Schokolade geht dabei auf das Aztekische Wort xocolatl zurück, was in etwa als „bitteres Wasser“ übersetzt werden kann.
Die Kakaobohnen wurden aufwendig verarbeitet und ihr Fett abgepresst, woraus die Kakaobutter entstand.

Kakaobutter

Die gemahlenen Kakaobohnen mit Zucker und Kakaobutter vermengt wurde in extra entwickelten Walzen vermahlen um die Zuckerkristalle möglichst fein und klein werden zu lassen.

Schokoladewalze um 1900

Dass dieses Produkt wenig mit den rituell verwendeten Kakobohnen zu tun hat ist klar. Denn um seine Wirkung zu entfalten braucht es wesentlich mehr Kakao als in handelsüblicher Schkolade enthalten ist, außerdem muss der Kakao roh sein um genügend Wirkstoffkonzentration aufzuweisen. Roh heißt in diesem Fall nicht hocherhitzt. Eine Temperatur von 42°C sollte beim Röstvorgang nicht überschritten werden.

„rohe“ Kakaobohnen

Zubereitung und Konsum

Rohe ganze Kakaobohnen können gegessen werden oder anderen Nahrungsmitteln beigesetzt werden (Müsli, Smoothi etc.)
Die geläufigste Methode Kakaobohnen zu konsumieren ist jedoch in vermahlener Form. Mit verschiedensten Kräutern und Gewürzen vermischt und mit heißem Wasser aufgekocht ergeben sich potente Tränke die durch den Serotonin, Koffein und Theobromin Gehalt aufputschend wirken.
Eines der ersten Rezepte die nach Europa gelangten enthielt beispielsweise Pfeffer, Gewürznelken, Anis und Vanilleschoten (neben einer Menge weißen Zuckers)
Jeder muss hier seine persönliche Mischung finden, den Effekt des Kakaos spürt man jedoch besser, wenn man ihn ohne bzw mit wenig Zucker konsumiert.
Ein persönliches Rezept sei hier angegeben:

3 gehäufte Esslöffel stark entölter Kakao
1 Teelöffel Zimt
3 Gewürznelken
1 Teelöffel gemahlener Kardamom
1 Prise Pfeffer
1/3 getrocknete Chilischote
1 Esslöffel Honig

Dies wird alles mit eine halben Liter kochenden Wasser übergossen und noch heiß getrunken. Putscht super! Einen halben Liter schafft man davon alleine allerdings nicht 😉

Wirkung und Wirkstoffe

In der Kakaobohne sind 1,45% Theobromin enthalten welches dem Koffein in seiner Struktur sehr ähnelt. Seine Wirkung auf das Nervensystem ist dementsprechend ebenso anregend. Es wirkt gefäßerweiternd und stimuliert die Herzmuskulatur. Die aufputschende Wirkung ist schwächer als bei Coffein, allerdings wirkt es auch stimmungsaufhellend auf den Organismus. Laut Studien hat es eine hustenstillende Wirkung die deutlich besser ist, als bei dem etablierten Hustenbekämpfungsmittel Codein.

Theobromin

Weiters enthält die Kakaobohne vor allem in der Schale sogenannte Anandamine die an denselben Rezeptor binden wie THC. Es hat leichte Wirkung auf die Wahrnehmung und Gedankenverarbeitung, doch die Konzentration im Kakao ist zu gering um hier von Psychoaktivität zu sprechen.

Anandamin

Auch Serotonin, der „Glücksneurotransmitter“ ist in der Kakaobohne enthalten, jedoch ist es das Tryptophan, das zu Serotonin verstoffwechselt wird, welches für die antidepressive Wirkung verantwortlich ist.
Es wirkt stimmungsaufhellend und beruhigend.

L-Tryptophan

Probiert doch mal die Frucht der Götter so zu konsumieren wie die Azteken, die wussten schon was sie tun 😉
Lasst es euch schmecken



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