Soma

Soma nennt Aldous Huxley die Droge die in seinem dystopischen Roman „Brave New World“ sämtliche gesellschaftlichen Probleme lösen soll.
Permanente Befriedigung ohne Nebenwirkungen.
Huxley der auch das legendäre Buch „die Pforten der Wahrnehmung“ geschrieben hatte für das er sich eine gehörige Dosis Meskalin aussetzte, wählte dieses Wort für seine Wunderdroge nicht ohne Grund.
Denn Soma (oder auch Ambrosia, Bolud rtzi, Haoma, Nektar u.a.) ist das irdische Gegenstück zu amrita, dem Trank der Unsterblichkeit. Etwa 3000 Jahre lässt sich der Soma Kult im alten Indien zurück datieren. In diesem war der Mond von großer Bedeutung, symbolisierte er doch die volle Schale Ambrosie die die Götter tranken. Nimmt der Mond ab tranken die Götter, nimmt er zu füllen sie ihre Schale wieder.
Kein Wunder also, dass die Kräuter für den Soma Trunk nur bei Vollmond gesammelt werden dürfen.
Der Saft der zerpressten Stängel des Soma Krautes wurde mit Wasser, Sauermilch und anderen Zusätzen vermischt und am Feueraltar von den Priestern getrunken. Vor allem um den Donnergott Indra zu ehren, der als ewig von Soma berauscht galt, wurde der Trank konsumiert.

Indra auf Soma?


Was nun aber die ursprüngliche Soma Pflanze ist darüber wird sich gestritten. Manche sehen den Fliegenpilz (Amanita Muscaria) als Ursprungssoma an, andere nehmen an, dass es Rhabarberstängel waren, die zu einer Art Wein vergoren wurden. Auch die Steppenraute, Brahmi und psychoaktive Pilze wie Psilocybe Cubensis sind Anwärter auf den Titel „Ursprungssoma“.

Das Ursprüngliche Soma?


Doch von allen vorgeschlagenen Substanzen würden allein Psilocybe Cubensis Pilze ausreichend psychedelisch wirken um an die phantastischen Schilderungen des Rig Veda (Die wichtigste Schrift des Hinduismus) heranzukommen.
Dort heißt es: „Deine Säfte, oh gereinigtes Soma, alles durchdringend, bewegen sich von alleine, wie die Nachkommen rasch dahineilender Stuten. Die himmlische geflügelten süße Säfte, Erreger größter Heiterkeit…“

Der Indologe Karl Friedrich Geldner, der den gesamten Rigveda ins Deutsche übersetzte, nahm an, dass Soma aus der Ephedra-Pflanze gewonnen wurde:

Die Somapflanze kann nur eine Ephedra-Art sein, wahrscheinlich Ephedra intermedia. Diese heißt bis auf den heutigen Tag in und um Afghanistan Hum. Es ist ein steifer Busch, drei Fuß hoch, mit dichten aufrecht stehenden blattlosen und gegliederten Stängeln. Die Stängel dienen zum Gelbfärben und pulverisiert als Kau- und Schnupfmittel. Die Afridistämme zerquetschen die Stängel und weichen sie in kaltem Wasser auf. Der so gewonnene Extrakt dient als Arznei gegen Fieber. Diese Pflanze ist durch ganz Turkestan, Nord- und Mittelpersien, im nördlichen und östlichen Afghanistan und im nordwestlichen Himalaya heimisch. Sie wächst also im weiten Halbkreis um die Landschaften, in denen wir die Heimat des Rigveda suchen

Meerträubel (Ephedra intermedia)

Diese Pflanze wird auch Meerträubel (Ephedra intermedia) genannt. Wie der Name schon sagt enthält diese Pflaze Epherin. Dieses wirkt aufgrund seiner zu Adrenalin verwandte chemischen Struktur aufputschend.
Könnte es also sein, dass Soma nicht psychedelisch sonder aufputschend wirkte?
Dem Gott Indra wurde das Soma zur Stärkung für seien Kampf gegen Vritra geopfert. Auch das würde für seine aufputschende und kräftigende Wirkung sprechen.

Ob es nun ein Aufputschmittel oder tatsächlich eine psychedelische Substanz war, die genaue Zusammensetzung des legendären Somas ist wohl verloren.
Doch als Sinnbild für Huxleys „perfekte Droge“ und was eine solche für die Gesellschaft bedeuten kann, bleibt es uns als literarische Idee. An dieser Stelle sei Huxleys „Brave New World“ jedem wärmstes ans Herzen gelegt!

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