Alraune (Mandragora officinarum)

Steckbrief

Namen : Alraune, Mandragora, Alrune, Galgenmännchen, Zauberwurzel, Hexenkraut, Wurzelknecht, Dollwurz
Herkunft:
Alraunen sind im Mittelmeerraum und in Zentralasien zu finden.
Zubereitung und Dosierung: Vorsicht sei geboten! Wurzelstückchen können in Wein eingelegt werden. Mehr als ein Schnapsglas sollte davon nicht getrunken werden.
Wirkung: Von erotischen Gefühlen, über Delirium bis hinzu Atemstillstand ist alles dabei!
Wirkstoff: Sehr viele Tropanalkaloide machen die magische, psychoaktive Wirkung der Alraune aus.

Ein kleiner Einblick…

In der guten Hexenküche ist eine Wurzel nicht wegzudenken – die Wurzel der Gemeinen Alraune. Mancher Hexe wurde die magisch aussehende Alraune seinerzeit sicherlich zum wortwörtlichen Verhängnis. Dennoch brach der lange Kult um dieses Nachtschattengewächs seit der Antike nicht ab. Kaum eine Pflanze ist so sagenumwoben wie die Alraune. Wir werden von Liebestränken, Ritualen und Scharlatanen hören und der Teufel, Griechische Götter und Odin werden uns begegnen.

Unsere Geschichte der Alraune beginnt erst einmal in der Antike. Die alten Ägypter mussten schon mit Alraune gehandelt haben. Obwohl sie dort nicht heimisch war, wurde die Pflanze auf Erntedarstellungen in Gräbern der alten Ägypter identifiziert. Auch im Grab des berühmten Pharaos Tutanchamun, der etwa 1323 vor Christus starb, wurden die Früchte der Zauberpflanze gefunden.

Der römische Gelehrte Plinius und der griechische Arzt Dioscurides beschrieben einige „Mandragoras“. Darunter eine weibliche, eine männliche und eine stark hypnotische. Wahrschienlich hat es sich hierbei um die Unterscheidung zwischen Mandragora officinarum (weiblich), Mandragora autumnalis (männlich) und Schwarze Tollkirsche (hypnotisch). In Griechenland gab man der Alraune auch den schönen Namen Circekraut. Die Namensgeberin war Kirke, eine Männer bezirzende Hexe der griechischen Mythologie. Die sogenannten Liebesäpfel, eine Bezeichnung die aus der Bibel stammt und wahrscheinlich auf die Früchte der Mandragora hindeutet, waren der Liebesgöttin Aphrodite geweiht. Auch Hekate wurde als Hüterin der Alraune gesehen und sollte bei der Ernte aufgerufen werden. Sie wird unter anderem Geburtsgöttin angesehen und kam vor allem dann ins Spiel, wenn eine Frau durch den Zauber der Liebesäpfel schwanger werden wollte.

Unsere beiden klugen Köpfe Plinius und Dioscurides nannten neben der aphrodisierenden Wirkung auch die medizinische Verwendung aller Pflanzenteile. Zur Abtreibung wurde ein Zäpfchen aus dem Saft der Pflanze eingeführt, durch äußere Anwendung wurden Entzündungen und Abszesse behandelt und ein Alkoholauszug sollte schmerzunempfindlich machen.

Schon zu dieser Zeit zirkulieren einige zeremonielle Anleitungen zum Ausgraben der Wurzel, die sich in ähnlicher und nur teils abgewandelter Form bis viel später noch finden lassen.

Auch Hildegard von Bingen schlug eine ganz besondere Vorbehandlung der Wurzel vor. Sie war überzeugt davon, dass der Teufel in der Alraune wohnt. Doch dafür hatte sie eine ganz einfache Lösung, die Pflanze musste 24 Stunden in Quellwasser eingelegt werden und wurde so vom Teufel gereinigt. Wenn sie das später während der Hexenverfolgung gewusst hätten, wären wahrscheinlich mehr Menschen zum Baden geschickt worden als an den Scheiterhaufen.

Hildegard von Bingen war nicht alleine mit ihrer Sorge um den Teufel und seine Verbindung zur Alraune. Allein um die Zauberpflanze zu besitzen musste nach altem Aberglauben ein Pakt mit dem Teufel eingegangen werden. Gelohnt hat es sich wohl trotzdem, dem Besitzer oder der Besitzerin diente die Wurzel nämlich als Glücksbringer. Krankheiten sollten magisch abgewehrt und materielles Glück angezogen werden.
Oft wurden zu dieser Zeit kleine menschliche Gestalten aus der Wurzel geschnitzt. Manche unbearbeiteten Wurzeln erinnern tatsächlich an kleine Personen, doch die meisten gruseligen Bilder die sich im Internet finden sind von Menschenhand gemacht.
Nach dem erfüllten Leben gemeinsam mit dem Alraunen-Talisman wurde es dann verzwickt. Die Wurzel konnte nicht einfach weitergegeben werden. Beim Begräbnis mussten die Erben im Austausch für die Wurzel einen Laib Brot in den Sarg des Verstorbenen legen.

Die Beliebtheit des mystischen Talismans verbreitete sich immer mehr. Doch in Mitteleuropa war die Alraune nicht heimisch und musste von Händlern besorgt und vertrieben werden. Hauptsächlich findet man sie im Mittelmeerraum und Zentralasien. Und wie das so ist bei Dingen mit großem Wert, kamen die Scharlatane und verkauften falsche Wurzeln um gigantische Preise.

Als dann die Hexenverfolgung ihren Lauf nahm, alte Glaubenssysteme stigmatisiert und Kräuterkundige und HeilerInnen nach Belieben verfolgt wurden, wurde auch die magische Alraune verboten. Bei Besitz des Talismans riskierte man die eigene Hinrichtung. Im Großen und Ganzen brachte das wahrscheinlich gar nichts. Der Glaube an den Zauber der Wurzel schon tief eingebrannt in den Glauben des Volkes und sogar die Kirche war auf die eine oder andere Wurzel in Form eines gekreuzigten Jesus stolz.

Auch wenn die meisten verfolgten „Hexen“ dieser Zeit keine waren, gab es doch die eine oder andere Mutige Person, die sich an Hexensalben versuchte. Die PsychonautInnen dieser Zeit fertigten die psychedelischen Salben aus Nachtschattengewächsen, schmierten sich damit ein oder ritten auf dem gesalbten Besenstiel ins Delirium.
Ein Bestandteil dieser Hexensalben war oft die Wurzel der Alraune.

Einen letzten Abstecher zu einem Spitznamen der Alraune wollen wir noch machen. Die Pflanze wurde oft auch Galgenmännchen genannt. Nach einer Legende sollen gehenkte Männer mit einem letzten Samenerguss die Alraune ausgesät haben. Zusammenhängend mit diesem Volksglauben ist die Geschichte des germanischen Gottes Odin. Auf der Suche nach Weisheit erhängte sich Odin an seinem eigenen Speer am Weltenbaum. Dort hing er der Sage nach ganze neun Tage. Zum Schluss offenbarten sich ihm die Runen. Die germanischen Runen kennen wir aus spirituellen Geschäften. Es sind 24 Symbole in Strichform, ein Alphabet. Den Runen werden magische Kräfte zugeschrieben. Nun fällt uns direkt eine Ähnlichkeit auf: Alraune – Rune. Ein alter Name der Alraune war auch Alrūne und Runa hieß auf Gotisch Geheimnis.

Die Alraune hat eine absurd umfangreiche Mythologie und das zu Recht! Wie bei den anderen Nachtschattengewächsen, sind die Wirkstoffe der Alraune mit mystischen Erfahrungen verbunden. Das gepaart mit Heilpotenzial machte sie zur Kultpflanze.

Inhaltsstoffe

Die Wirkstoffe, die der Alraune ihren Zauber verleihen sind besonders in der Wurzel, aber auch in den Blättern vertreten. Die Tropanalkaloide Hyoscyamin, Scopolamin, Atropin, Apotropin,Hyoscin, Mandragorin, Cushkygrin, Solandrin und andere sorgen für die psychoaktive Wirkung, also für den Zauber der Pflanze. Bei dieser Mischung an Alkaloiden kann es zu einigen interessanten, herausfordernden und gefährlichen Zuständen kommen. Darunter fallen erotische Erregung, die Lust zu tanzen, Halluzinationen, Delirium, Wahnsinn und Atemlähmung.

Scopolamin erzeugt auch Sehstörungen durch Erhöhung des Augendrucks. Auch das Gedächtnis könnte unter der Einnahme des Wirkstoffes leiden. Zusätzlich löst Scopolamin Mundtrockenheit, Juckreiz und Koordinationsstörungen aus.

Botanische Beschreibung

Unsere Zauberpflanze ist eine mehrjährige krautige Pflanze, die ganz schön übel riechen kann. Es wird von einem schwefelartigen Geruch gesprochen. Die Pfahlwurzel der Alraune kann sich bis zu 20 cm tief in die Erde graben und ähnelt wie schon weiter oben erwähnt öfter auch an menschenähnliche Gestalten. Die runzeligen grünen Blätter sind meist eiförmig und können 5 bis 80 cm lang werden. Sie wachsen ähnlich wie ein Löwenzahn, also in Form einer Rosette direkt aus dem Boden.

Die Alraune erblüht hellgrün, gelb, violett oder blau und trägt gelbe kugelrunde Beeren. Die Beeren oder Liebesäpfel enthalten im Gegensatz zum Rest der Pflanze keine Alkaloide. Anfangs riechen sie noch gut, später wird auch ihr Geruch unangenehm.

Zubereitung, Dosierung, Wirkung

Wir sind wieder bei einem Nachtschattengewächs angekommen. Das macht es schwierig über Zubereitung und Dosierung zu sprechen. Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass die Alkaloide der Alraune nur mit Vorsicht zu genießen sind. Wie wir schon bei den Inhaltsstoffen geschrieben haben, kann es zu diversen unangenehmen Zuständen kommen.
Im klassischen Sinne ist diese Pflanze giftig. Wir sind auch kein Fan von dieser Beschreibung, doch die Nebenwirkungen sind nicht zu unterschätzen. Von Fieber, Herzrasen, trockenem Mund über Verwirrung, Schwindel, Brechreiz bis hin zum völligen Wahnsinn und zur Atemlähmung ist alles möglich.

Wir müssen es aber nicht soweit kommen lassen und können uns entweder damit zufrieden geben die Zauberpflanze im Garten auszusäen, zu beobachten und zu pflegen oder wir können uns in sehr geringer Dosis ein Bild von der Wirkung der Alraune machen.

Hierfür können wir Pflanzenteile in Wein oder Schnaps einlegen und dann in ganz kleinen Mengen trinken. Ein Schnapsglas sollte das höchste der Gefühle sein.

Wein: Eine Flasche Retsina und etwa 30 Gramm der Wurzel
Die Wurzel sollte zerkleinert sein und kann dann eine Woche oder länger im Wein alle Stoffe loslassen über die wir uns freuen. Zur Verfeinerung können zwei oder drei Stangen Zimt mit eingelegt werden. Bitte ein Schnapsglas wirklich nicht überschreiten. Hierbei sollten sich vor allem die erotischen Aspekte der Wirkung bemerkbar machen und es könnte zu veränderten Träumen kommen.

Räuchern: getrocknete Blätter der Pflanze
Die getrockneten Blätter können zu magischen Zwecken geräuchert werden. Der Rauch kann auch leicht eingeatmet werden und sollte dann eine schwache Wirkung entfalten.

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  1. Wikipedia Eintrag zur Alraune
  2. Wikipedia Eintrag zur Kulturgeschichte der Alraune
  3. Wikipedia Eintrag zu Hyoscyamin
  4. Wikipedia Eintrag zu Scopolamin
  5. „Zauberpflanze Alraune – Die magische Mandragora“ von Claudia Müller-Ebeling und Christian Rätsch aus dem Nachtschattenverlag

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