Guayusa (Ilex guayusa)

Steckbrief

Namen: Guayusa, Nachtwächter, Weisa, Rainforest Holly, Huayusa und viele mehr.
Herkunft: Südamerika, ursprünglich Amazonas-Regenwald. Heute ist Guayusa hauptsächlich als kultivierte Pflanze bekannt.
Zubereitung und Dosierung: Mit den großen Laubblättern kann man entweder einen Tee zubereiten (2-3 Teelöffel pro Tasse) oder sie in der gewünschten Menge Wasser sieden lassen bis es eine kräftige dunkelrot bis braune Farbe angenommen hat (10-20 min).
Wirkung: Der Tee wirkt auf angenehme Art und Weise anregend und führt trotz Koffein nicht zu Herzklopfen oder Nervosität. Bei erhöhtem Konsum kann es zu einer ganz leicht traumähnlichen Wahrnehmung kommen, die Erlebnisse des Alltags scheinen einfach zu fließen, innere Bilder erscheinen. Neben der anregenden Wirkung, die sich vor allem unter Tags genießen lässt, kommt es im Schlaf zu sehr intensiven Träumen. So lässt sich Guayusa gut zur nächtlichen Erforschung der Traumwelt nutzen. Der Tee muss nicht Abends getrunken werden um diese Wirkung zu entfalten.
Wirkstoffe: Es sind die anregenden Stoffe Koffeein, Theobromin und L-Theanin enthalten und weiters Theophyllin.

Ein kleiner Einblick…

Guayusa hat in Südamerika eine sehr lange Tradition. Die ältesten getrockneten Blätter wurden im Grab eines Medizinmannes in Bolivien gefunden und auf 500 nach Christus datiert. Neben den Blättern wurde alles gefunden was man zum Schnupfen dieser gebraucht hätte. Diese Art des Konsums ist heute nicht mehr verbreitet.
Zum Morgengrauen treffen sich die Mitglieder eines Stammes oder einer Familie um zusammen Guayusa zu trinken und gemeinsam energetisiert in den Tag zu starten. Für den Tee werden frische Guayusa-Blätter verwendet, die in einem Kessel über offener Flamme gekocht werden. Getrunken wird aus einer flachen Kalebasse, also einem Gefäß, das aus dem ausgehöhlten, getrockneten Flaschenkürbis hergestellt wird.
Das morgendliche Ritual ist von indigenen Stämmen wie den Quechua und den Jivaro bekannt. So zusammenzukommen und sich morgens Zeit zu nehmen bietet Raum sich Geschichten und Träume zu erzählen und stärkt so die Gemeinschaft. Keineswegs ist das der einzige Nutzen des koffeinhaltigen Getränks. Neben der Belebung von Körper und Geist wird es auch zur Schärfung der Sinne bei der nächtlichen Jagd getrunken. Hier kommt die Bezeichnung Guayusas als Nachtwächter her.
Auch das medizinische Potential der Pflanze wird bei von den indigenen Völkern zur Gänze ausgeschöpft. Guayusa findet Anwendung bei Bauch- und Leberschmerzen, Malaria, Diabetes, Kopfschmerzen, Unfruchtbarkeit, Syphilis und anderen Geschlechtskrankheiten. Zusätzlich wird es als Mundspülung verwendet. Vor allem für Frauen ist der Tee eine Hilfe durch die monatlichen Menstruationsbeschwerden und zur generellen Regulierung des weiblichen Zyklus. Stillenden Müttern wird Guayusa zur Unterstützung gegeben. Guayusa findet auch rituell Verwendung. Von den indigenen Völkern wird es in hohen Dosen vor Zeremonien als Reinigung und Stärkung getrunken wird. Reinigung heißt in dem Fall, es wird in so hoher Konzentration verabreicht, dass es als Brechmittel wirkt.

Zum ersten mal wissenschaftlich beschrieben wurde Ilex guayusa vom deutschen Botaniker Ludwig Eduard Theodor Loesener im Jahr 1901.

Inhaltsstoffe

Mit 7,6% Koffein in den Blättern ist Guayusa die Pflanze mit der höchsten Konzentration der beliebten Alltagsdroge. Koffein wirkt, wie wir das vom Kaffee kennen, stimulierend auf das zentrale Nervensystem. Ähnlich und doch wesentlich sanfter wirkt Theobromin. Es wirkt auf längere Zeit und ist zusätzlich als Stimmungsaufheller bekannt. 
Ein ganz besonders interessanter Inhaltsstoff ist L-Theanin. In Studien wurde eine verstärkte Bildung von Alpha-Wellen im Gehirn festgestellt, sie werden sonst auch bei Entspannung freigesetzt und wirken somit stressreduzierend. 
Neben diesen geistig anregenden Stoffen versteckt sich in der Pflanze auch Theophyllin. Dieser Stoff wird sonst vor allem pharmakologisch genutzt, da er eine besonders stimulierende Wirkung auf den Bereich des Atemzentrums hat und sich somit gut zur Behandlung von Bronchialerkrankungen eignet. Auch die Durchblutung der Nieren wird gesteigert und er es wirkt harntreibend. 

Guayusa ist ein regelrechter Melting Pot of Inhaltsstoffe! Denn auch Antioxidantien sind in den Blättern zu finden. Generell sind Antioxidantien hilfreich dabei Zellen vor Schäden zu beschützen und besonders Catechin wirkt antibakteriell und kann bei Virusinfektionen eingesetzt werden und sogar Karies vorbeugen. Ob man den Besuch beim Zahnarzt mit Guayusa ersetzen kann bleibt fraglich, doch die Hoffnung stirbt zuletzt.

Und um das Ganze abzurunden beinhaltet diese tolle Pflanze auch noch die Vitamine C und D, diverse Mineralien, Flavonoide und Phenole.

Botanische Beschreibung

Ilex guayusa ist ein immergrüner Baum und kann 5 bis 30 Meter hoch werden, wird jedoch im Anbau meist klein gehalten. Unerwarteter Weise zählt Guayusa zu den Stechpalmen. Der Baum trägt viele kleine weisse Blüten und kleine runde grün bis rote Steinfrüchte. Da Guayusa schon so lange über Stecklinge vermehrt wird, ist man sich nicht sicher ob der Baum nicht seine Fähigkeit zur sexuellen Fortpflanzung verloren hat.

Zubereitung, Dosierung und Wirkung

Tee: 2-3 Teelöffel der Blätter pro Tasse, 10-15 Minuten ziehen lassenDer Tee schmeckt sanft, lässt sich auch gut mit anderen Teesorten kombinieren und entfaltet seine anregende Wirkung. Auch in der Nacht merkt man schon bei einer Tasse einen kleinen Unterschied. Spannender wird die ganze Sache mit den Träumen jedoch, wenn man den Tee immer wieder über einen längeren Zeitraum auf diese Art und Weise konsumiert.

Heisswasserauszug: abhängig von der gewünschten Menge Pflanzenmaterial Wasser beigeben, solange leicht köcheln lassen bis sich das Wasser rötlich bis bräunlich färbt. Bereitet man Guayusa auf diese Art zu kann man eine intensivere Wirkung erwarten. Es empfiehlt sich ein bisschen auszuprobieren. Zum Beispiel kann das Getränk über den Tag hinweg konsumiert werden, so gehen einem Energie und Konzentration auf keinen Fall aus und ein leicht traumähnlicher Zustand stellt sich schon im Wachzustand ein. Bei manchen führt es auch zu leichter Lichtempfindlichkeit und es entstehen innere Bilder. Nach einem Tag des Konsums kann die Traumwelt dann als sehr real empfunden werden, man erinnert sich sehr lebhaft an mehrere Träume. Um sich hier noch weiter zu vertiefen, kann man eine Tasse Guayusa vorbereiten, einen Wecker 2 Stunden vor dem Aufstehen stellen, trinken und dann weiterschlafen. So sollte man sehr intensive Träume, wenn nicht sogar luzide Träume erzielen.

Dekokt: das vorhandene Pflanzenmaterial in einem Topf mit kaltem oder lauwarmem Wasser bedecken, ca. zwei Finger breit höher als die Blätter. Da die Blätter schwimmen, ist es gut vorher zu bestimmen wieviel Wasser aufgegossen wird. Nun das Ganze circa eine halbe Stunde einweichen lassen. Im Anschluss bringt man das Gemisch zum Sieden und lässt es nicht völlig kochen. Die Temperatur nach dem ersten Erhitzen verringern, mit dem Deckel zudecken und ca. 30 Minuten leicht sieden lassen. Es wird nun die Flüssigkeit abgegossen und in einem weiteren Gefäß aufbewahrt. Das verwendete Pflanzenmaterial wird nun ein weiteres Mal mit Wasser übergossen und man wiederholt den Vorgang. Die beiden Flüssigkeiten werden zusammengegossen und sind jetzt zum Trinken bereit.
Auf diese Weise zubereitet sollte die Wirkweise ähnlich der sein, die sich bei der zweiten Variante einstellt, wahrscheinlich aber stärker.

Funde weisen darauf hin, dass Guayusa früher auch geschnupft wurde. Wie genau das Pflanzenmaterial dafür vorbereitet werden müsste ist nicht bekannt.

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