Bauerntabak (Nicotiana rustica)

Steckbrief

Namen: Bauerntabak, Nicotiana rusitca, Aztekischer Tabak, Gelbbilsenkraut, Tabaquillo, Tobaco, Wilder Tabak.
Herkunft: Ursprünglich kommt der Bauerntabak aus dem Amazonasgebiet.
Zubereitung und Dosierung: Traditionell wurden die Tabakblätter eingerollt und geraucht oder zu einem Sud verkocht und getrunken. Zigaretten kennt ihr? 🙂
Wirkung: Nikotin wirkt in kleinen Dosierungen anregend und in größeren beruhigend.
Wirkstoff: Das Alkaloid, das sich im Tabak verbirgt ist das berühmte Nikotin.

Ein kleiner Einblick

Eine Pflanzenfamilie überrascht uns immer wieder aufs neue. Dass Pflanzen wie der Stechapfel und die Engelstrompete zu den Nachtschattengewächsen zählen, ist für viele PsychonautInnen kein Novum. Anders sieht es vielleicht schon bei Tomaten und Auberginen aus, die selten in der selben Pflanzengattung wie diese anderen Hexenkräuter vermutet werden. Mit einer weiteren Überraschung wollen wir uns heute beschäftigen – dem Tabak.

Tabakpflanzen gibt es wie Sand am mehr, manche sind reine Zierpflanzen, viele werden in ihren heimischen Gebieten wild gesammelt und konsumiert. Für die Tabakproduktion, also den Tabak den wir aus Zigaretten und Tabakbeuteln kennen, sind zwei Tabaksorten von besonderer Bedeutung. Das sind Nicotiana tabacum, oder auch Virginischer Tabak, und Nicotiana rustica, oder auch Bauerntabak. Um nicht vom hundertsten ins tausendste zu kommen, wollen wir beim Bauerntabak bleiben. Dieser Tabak ist es, der zuerst in Europa bekannt wurde und somit in unserer Geschichte mit der Sucht nach dem Nikotin die größte Rolle spielt.

Diesmal beginnt unsere kleine Geschichte bei der von Migräne geplagten Katharina von Medici, einer Adeligen Italienerin und später Königin Frankreichs. Wie das so ist mit Adeligen und ihren Problemen zu jener Zeit, wurden Alchemisten, Astrologen und Magier zur Lösungsfindung herangezogen. Der wahre Retter der Nation war jedoch Jean Nicot, ein französischer Diplomat der in Portugal lebte und beruflich die „Entdeckungen“, besser gesagt Mitbringsel, der portugiesischen Kolonien beobachtete.

Irgendwie dürfte er wohl an Tabaksamen geraten sein, drückte diese in seinen Garten und erntete bald Tabak. Er studierte die Heilwirkung der Pflanze und schickte voller Überzeugung Tabakblätter an den französischen Hof, wo sie fortan freudig von diversen hohen Tieren geschnupft, geraucht und als Umschläge aufgelegt wurden. Schon im 16. Jahrhundert wurde der Tabak „herba nicotiana“ getauft in Hommage an Jean Nicot. Im 19. Jahrhundert wurde erstmals das im Tabak wirksame Alkaloid isoliert und bekam direkt den passenden Namen Nikotin.

Katharina von Medici

Tabak wurde nach der Erfolgsstory auf dem französischen Hof in Europa als Heilpflanze angebaut. Offene Wunden sollten mit den Blättern abgedeckt werden, Magengeschwüre mit dem Saft geheilt, die Pest vorgebeugt und Läuse in die Flucht geschlagen werden. Ein wahres Wundermittel, das sich immer mehr ausbreitete.

In Anbetracht der Tatsache, dass Kolumbus Amerika nicht entdeckt hat, alle Errungenschaften aus der Neuen Welt Diebesgut waren und Jean Nicot mit Sicherheit nicht der Erste war, der die Vorzüge der Tabakpflanze erkannte, dürfen wir uns nun der wahren Herkunft des Bauerntabaks widmen.

Tabakkonsum hat eine lange Tradition auf dem amerikanischen Kontinent. Viele verschiedene Kulturen haben ihre eigenen Geschichten und Bräuche rund um die Kultpflanze.

Für die Azteken war Tabak besonders heilig. Xochipilli, ein Gott dessen Statue wir schon in Zusammenhang mit Heimia kennengelernt haben, wird unter anderem auch verziert mit Tabakblüten dargestellt. Vor allem das Rauchen der zusammengerollten Blätter wurde rituell vollzogen. Der Rauch generell war eine der wichtigsten Opfergaben an die Götter.
Andere Konsumformen an unterschiedlichen Orten waren das Trinken einer Flüssigkeit, der ausgekochten Tabakblätter zur Reinigung und um Visionen hervorzurufen. Das Kauen der Blätter gemeinsam mit Kalk war auch verbreitet.

Vor allem in Kanada wurde das Tabakrauchen aus Pfeifen beobachtet.

Als Heilpflanze wurde der Tabak unter den indigenen Stämmen Amerikas zur Behandlung von Ohrenschmerzen, Schlangenbissen, offenen Wunden, Fieber, Nervosität, diversen Hauterkrankungen und Erkrankungen der Atemwege eingesetzt.

Aus medizinischen und zu spirituellen Zwecken wird die Tabakpflanze heute auch noch traditionell eingesetzt. In unseren Breiten hat das Genussmittel jedoch seinen ursprünglichen Charakter schon lange verloren. Tabakkonsum wird heute hauptsächlich mit Sucht in Zusammenhang gebracht und ihren gesundheitlichen Folgeschäden. Laut der WHO sterben jährlich über 6 Millionen Menschen durch die Folgen des Tabakkonsums.

Inhaltsstoffe

Wie schon weiter oben erwähnt wurde das Alkaloid Nikotin zum ersten Mal im 19. Jahrhundert isoliert und anschließend nach Jean Nicot benannt. Neben diversen Tabaksorten die natürlich Nikotin vorweisen, kommt das Alkaloid auch in manchen anderen Nachtschattengewächsen und Rotholzgewächsen vor.

Es wirkt in geringen Dosen stimulierend und in höheren Dosen entspannend. Dopamin und Serotonin werden ausgeschüttet, kurzfristig kommt es zu beschleunigtem Herzschlag, verengten Blutgefäßen und einer Blutdrucksteigerung. Die Aufmerksamkeit wird während und einige Zeit nach dem Konsum gesteigert, die Verdauung angeregt und Hunger unterdrückt.

Schon in kleinen Mengen kann Nikotin abhängig machen, aber wem erzähle ich das.

Neben diesen gesundheitsschädigenden und doch so beliebten Wirkungen, kann Nikotin zum Pflanzenschutz eingesetzt werden. Das wurde jedoch in der Industrie schon verboten, da Nikotinrückstände auf Gemüse und Früchten als schädlich erachtet wurde.

Botanische Beschreibung

Ursprünglich ist unser Bauerntabak im Amazonasgebiet zuhause. Er ist eine einjährige Pflanze und wird im Schnitt bis zu 60 cm hoch. Die Stiele der grünen Blätter selbst werden schon bis zu 15 cm lang und die Blätter können zusätzlich noch eine Länge von bis zu 30 cm ausmachen.
An Rispen trägt die Pflanze viele gelbe Blüten. Insgesamt ist die ganze Pflanze mit klebrigen Drüsenhaaren bedeckt.

Zubereitung, Dosierung, Wirkung

Zur Abwechslung gibt es von uns mal keine Mengenangaben oder sonstige Tips. Wo man Zigaretten und Tabak kaufen kann ist kein Geheimnis. Auch die Wirkung und das Suchtpotential sind abschätzbar. Nun gibt es einen leinen Tip um vom Tabak wegzukommen! Denn auch wenn der Rauch etwas sehr göttliches ist und schon als Tor in andere Welten bezeichnet wurde, muss dieses Tor nicht täglich 20 Mal geöffnet werden. Um vom Tabak wegzukommen kann es helfen Kanna zu kauen. Alles über diese afrikanische Pflanze könnt ihr hier nachlesen.

  1. Wikipedia Eintrag zu Tabak
  2. Wikipedia Eintrag zu Bauern-Tabak
  3. Wikipedia Eintrag zu Jean Nicot
  4. Wikipedia Eintrag zu Nikotin
  5. Google Books – „Die Azteken: Mythos und Wirklichkeit“ von Ulrike Peters, Kapitel „Die Pflanzen- und Tierwelt und ihre Bedeutung in der Aztekischen Kultur“

One thought on “Bauerntabak (Nicotiana rustica)”

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