Wermut (Artemisia absinthium)

Steckbrief Wermut

Namen: Wermut, Absint-alsem, Absinth, Absinthkraut, Ambrosia, Bitterer Beifuß, Eberreis, Grüne Fee, Schweizertee, Wurmkraut.
Herkunft: Europa, Nordafrika, Asien, größtes Wildvorkommen im Wallis (Schweiz)
Zubereitung und Dosierung: Als Tee. 1g getrocknetes Kraut auf eine Tasse. Auch geraucht (pur oder in Rauchmischungen). Als Zusatz zu Wein. Als destilliertes Öl, als Zusatz von Schnaps (Absinth).
Wirkung: Magenberuhigend, pharmakologisch ähnliche Wirkung zu THC, euphorisiernd und wachmachend. Leicht halluzinogen.
Inhaltsstoffe: Absinthinin, Tujon, Epoxycimen,Gerbstoffe

Ein kleiner Einblick

Hier handelt es sich einmal um ein Kraut das bereits unsere Urahnen gut kannten, da es vorwiegend in Europa gedeiht und auch in den Alpen zu finden ist. So hat sich vielleicht der eine oder andere Vorfahre eures Stammbaums mit eben jenem Kraut berrauscht. Wie der lateinische Name (artemisia) verrät, war bei alten Griechen dieses Kraut der Göttin des Waldes Artemis geweiht.
Im Mittelalter wurde der Wermut im Hortulus des Reichenauer Klosterabtes Walahfried Strabo und auch von Hildegard von Bingen gelobt. Dort ist er als das wichtigste Kraut gegen jegliche Art der Erschöpfung angepriesen.


Schon sehr früh destillierte man das ätherische Öl aus dem Kraut und mischte es mit Schnaps. Der Absinth schlug sich im 19. Jahrhundert zur Modedroge der Kunstszene empor. Zahlreiche Darstellungen finden sich in Gemälden dieser Zeit in denen auch oft die grüne Fee abgebildet, die auf die halluzigene Wirkungen des Wermuttranks anspielen soll.

Die grüne Fee erscheint dem Absinthtrinker. (Viktor Oliva, 1901)

Übermäßiger Konsum führte zur Gehirnschäden die bald Absinthismus genannt wurden. Auch als illegales Abtreibungsmittel kam er zum Einsatz und wurde in den 1920er Jahren großflächig verboten.
Erst 1998 wurde das Verbot EU-weit gelockert und darf seitdem wieder hergestellt und verkauft werden. Hier gibt es eine Obergrenze von 35mg Tujon pro Kilogramm, die nicht überschritten werden darf.

Viele der französischen Expressionisten des 19. Jahrhunderts, angeführt von Toulouse-Lautrec, Manet und Vincent Van Gogh trugen zur Popularisierung des Absinths durch ihre Bilder bei. Van Gogh soll auch absinthsüchtig gewesen sein und sein berühmtes Farbverständnis, in dem vor allem leuchtende Gelbtöne vorherrschten, soll die Wahrnehmungsveränderungen, die ein Absinthrausch hervorruft gut abbilden. Auch die Literaten H.P. Lovecraft, Jack London, Oscar Wilde und Hemingway waren der grünen Fee nicht abgeneigt und hinterließen verschiedene Texte in denen der Absinth gepriesen wird.

Henri de Toulouse-Lautrec, Monsieur Boileau au Café, 1864
Was wohl das grüne Getränk sein soll? 😉

Zubereitung und Dosierung

Hat man das Glück den Wermut wild wachsend zu finden, so pflücke man vorwiegend die Blätter der Zweigspitzen. Diese werden mit heißem Wasser übergossen und 5 Minuten ziehen gelassen. Mit den getrocketen Blättern ist ebenso zu verfahren. Hier gilt: 1g der trockenen Blätter auf eine Tasse heißes Wasser.
Die Blätter können auch Wein beigemischt werden um Medizinwein herzustellen. So wurde auch im alten China Wermut dem Reiswein beigemischt.
Hier empfielt es sich ungefähr 3g getrocknete Blätter in einem halben Liter Wein über Nacht ziehen zu lassen und das Kraut anschließend abzuseihen.

Um Absinth Schnaps herzustellen müssen Wermut und andere Kräuter destilliert werden. Die schweizer Absinthrezepte sind außerdem streng geheim. Allerdings gibt es auch ein Rezept von Dale Pendell (ein Lyriker der Beatgeneration), das ohne eine Destille auskommt und stark psychoaktiv sein soll:
30g Wermutblätter
8,5g Ysopkraut
1,8g Kalmuswurzel
6g Melissenblätter
30g Anissamen
25g Fenchelsamen
10g Sternanisfrüchte
3g Koriandersamen

Alles wird in einem Mörser zerrieben und mit 800ml hochprozentigem Alkohol (80%-90%) übergossen. Das Gefäß wird gut verschlossen und eine Woche unter gelegentlichem Schütteln ziehen gelassen. Anschließend wird mit 666ml Wasser verdünnt und nach einem weiteren Tag abgegossen.

Inhaltstoffe

Der wichtigste Wirkstoff ist das Thujon das im ätherischen Öl des Wermut enthalten ist.

Thujon

Thujon wirkt nerventoxisch und löst in hoher Konzentration epileptische Krämpfe aus. Auch Schwindel und Halluzinationen können ausgelöst werden.
Die geringen Konzentrationen von 35mg pro Kilogramm Absinth sind jedoch zu gering um ernsthafte Vergiftungen zu bewirken.

Außerdem enthalten ist das Triterpen Absinthinin. Ungefähr 0.2% Absinthinin findet sich in frischem Wermut. Dieser Stoff ist für den bitteren Geschmack des Wermuts verantwortlich.

Absinthinin

Viel Freude beim Genuss von Wermuttee oder auch Absinthschnaps.
Vielleicht bekommt ja jemand Besuch von der grünen Fee 😉


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