Vitalpilze im Fokus

Verschiedene Vitalpilze wie Reishi, Hericium, Cordyceps und Chaga mit Pilzpulvern und einer Tasse Tee auf einem Holztisch.

Steckbrief

Bezeichnung: Vitalpilze, Medizinalpilze, funktionelle Pilze
Im Artikel vorgestellt: Reishi, Hericium, Cordyceps, Judasohr und Chaga
Wissenschaftliche Namen: Ganoderma lucidum beziehungsweise Ganoderma lingzhiHericium erinaceusOphiocordyceps sinensis beziehungsweise Cordyceps militarisInonotus obliquus, beziehungsweise Auricularia auricula-judae
Verwendete Teile: Fruchtkörper, Myzel oder sterile Pilzmasse; bei Chaga überwiegend das Sklerotium
Typische Inhaltsstoffe: Beta-Glucane und andere Polysaccharide, Triterpene, Sterole, phenolische Verbindungen, Nukleoside und artspezifische Sekundärstoffe
Traditionelle Regionen: Ostasien, Himalaya, Sibirien, Nord- und Osteuropa
Produktformen: Pulver, Schrot, Tee, Kapseln sowie Wasser-, Alkohol- und Flüssigextrakte
Forschungsschwerpunkte: Immunbiologie, Entzündungsprozesse, Nervenzellen, Stoffwechsel, körperliche Leistungsfähigkeit und oxidativer Stress
Geschmack: Je nach Art mild-pilzig, umami, erdig, bitter oder holzig

Collage mit verschiedenen Vitalpilzen: Auricularia (Judasohr), Chaga, Igelstachelbart (Hericium), Cordyceps und Reishi.

Reishi, Hericium, Cordyceps, Judasohr und Chaga: Pilze, die mehr sein sollen als eine Mahlzeit

Pilze haben im menschlichen Denken schon immer eine eigentümliche Stellung eingenommen. Sie sind weder Pflanze noch Tier, erscheinen manchmal über Nacht und verschwinden ebenso schnell wieder. Unter der Erde oder im Holz bleibt währenddessen ein weit verzweigtes Myzel aktiv, das für das menschliche Auge meist unsichtbar ist.

Einige Arten wurden nicht nur gegessen, sondern über Generationen hinweg als besondere Nahrungs- und Naturstoffe geschätzt. Heute begegnen sie uns unter dem Sammelbegriff “Vitalpilze”. Häufig werden sie auch als Medizinalpilze oder Heilpilze bezeichnet. Während “Medizinalpilz” ein in Wissenschaft und Fachliteratur gebräuchlicher Begriff ist, handelt es sich bei “Heilpilz” eher um eine populäre Bezeichnung, die nicht automatisch eine medizinisch nachgewiesene Wirkung beschreibt. Gemeint sind Pilze, deren Fruchtkörper, Myzel oder andere Strukturen wegen ihrer Inhaltsstoffe traditionell verwendet und wissenschaftlich untersucht werden.

Der Begriff ist allerdings keine botanische oder medizinische Kategorie. Er sagt zunächst nur etwas darüber aus, wie ein Pilz vermarktet und kulturell eingeordnet wird. Zwischen Speisepilz, traditionellem Tonikum und Forschungsobjekt verlaufen die Grenzen fließend. Gerade das macht Reishi, Hericium, Cordyceps, Judasohr und Chaga so interessant: Jeder dieser Pilze erzählt eine andere Geschichte darüber, wie Menschen die verborgene Chemie der Pilzwelt zu nutzen versuchten.

Was in einem Pilzpulver steckt

Vitalpilze als Pulver und Extrakte – Übersicht verschiedener Heilpilze

Pilzpulver entstehen, indem getrocknete Fruchtkörper oder anderes Pilzmaterial fein vermahlen werden. Heute gehören sie zu den beliebtesten Darreichungsformen vieler Vital- und Medizinalpilze. Es enthält daher nicht nur einzelne isolierte Substanzen, sondern die gesamte Matrix des verwendeten Materials: Proteine, Ballaststoffe, Mineralstoffe, Chitin, Polysaccharide, Sterole und kleinere Mengen artspezifischer Sekundärstoffe.

Besonders häufig untersucht werden Beta-Glucane. Dabei handelt es sich um komplexe Zuckerketten, die in den Zellwänden vieler Pilze vorkommen. Ihre räumliche Struktur entscheidet mit darüber, wie sie mit Rezeptoren des angeborenen Immunsystems interagieren. In Zell- und Tiermodellen werden dabei unter anderem Makrophagen, dendritische Zellen und natürliche Killerzellen untersucht.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes Pilzpulver automatisch dieselbe biologische Aktivität besitzt. Art, Stamm, Substrat, Wachstumsbedingungen, Erntezeitpunkt und Verarbeitung beeinflussen die Zusammensetzung. Auch Fruchtkörper und Myzel sind chemisch nicht austauschbar. Manche Stoffe kommen vor allem im Fruchtkörper vor, andere werden stärker im Myzel gebildet.

Hinzu kommt die Frage der Verarbeitung. Heißes Wasser löst vor allem wasserlösliche Polysaccharide, während Alkohol bestimmte Triterpene und andere weniger wasserlösliche Verbindungen besser erfassen kann. Ein Pulver ist deshalb nicht einfach eine schwächere Version eines Extrakts. Es ist eine andere Produktform mit einer breiteren, aber häufig weniger konzentrierten Zusammensetzung.

Reishi: Der lackierte Pilz der langen Lebenszeit

Reishi-Pilze (Ganoderma lucidum) wachsen auf einem Baumstamm im Garten.

Kaum ein Pilz trägt eine so große kulturelle Last wie Reishi. Sein rotbrauner, glänzender Fruchtkörper wirkt tatsächlich, als wäre er mit Lack überzogen. Im Deutschen heißt er deshalb Glänzender Lackporling. In China ist vor allem die Bezeichnung Lingzhi verbreitet, in Japan Reishi oder Mannentake.

In der chinesischen Kultur wurde Lingzhi mit Langlebigkeit, geistiger Sammlung und glückverheißender Kraft verbunden. Darstellungen des Pilzes finden sich auf Gemälden, Textilien, Schnitzereien und kaiserlichen Gegenständen. Seine Seltenheit machte wild gewachsene Exemplare lange Zeit zu kostbaren Objekten. Erst moderne Kultivierungsverfahren ermöglichten eine breitere Verfügbarkeit.

Taxonomisch ist die Sache komplizierter, als ältere Produktbeschreibungen vermuten lassen. Der Name Ganoderma lucidum wurde lange für verschiedene Lackporlinge verwendet. Ein großer Teil des in Ostasien kultivierten roten Reishi wird heute eher Ganoderma lingzhi zugeordnet. Für Verbraucher*innen ist deshalb nicht nur der populäre Name, sondern auch eine nachvollziehbare Art- und Rohstoffangabe interessant.

Chemisch stehen vor allem Beta-Glucane und sauerstoffhaltige Triterpene im Mittelpunkt. Zu Letzteren gehören zahlreiche Ganodersäuren, die wesentlich zum bitteren Geschmack beitragen. Präklinisch werden ihre Einflüsse auf Entzündungssignale, Zellstress, Immunreaktionen und verschiedene Stoffwechselwege untersucht.

Auch Humanstudien existieren, ihre Ergebnisse ergeben bislang aber kein einheitliches klinisches Bild. Eine 2025 veröffentlichte Meta-Analyse randomisierter Studien fand bei einzelnen Messwerten Veränderungen, während für Blutdruck, Blutzucker, Blutfette und viele Entzündungsmarker keine eindeutigen Effekte erkennbar waren. Reishi ist daher kein universell wirksames Heilmittel. Wissenschaftlich interessant bleibt er trotzdem: kaum ein anderer Pilz enthält eine vergleichbare Vielfalt an Triterpenen und wurde über so viele biologische Modelle hinweg untersucht.

Kulinarisch ist Reishi wegen seiner holzigen Konsistenz und deutlichen Bitterkeit kaum mit gewöhnlichen Speisepilzen vergleichbar. Traditionell wird er eher ausgekocht oder extrahiert. Gerade diese Bitterkeit gehört allerdings zu seiner Identität. Reishi schmeckt nicht gefällig. Er erinnert eher an dunkle Rinde, Wurzeln und lange gekochte Kräuter.

Hericium: Weiße Stacheln und die Suche nach Nervenschutz

Hericium erinaceus sieht völlig anders aus. Der Igelstachelbart bildet keine klassische Hutform, sondern dichte Bündel weißer, herabhängender Stacheln. Junge Fruchtkörper erinnern an eine Löwenmähne oder eine kleine gefrorene Kaskade. In Ostasien wird der Pilz nicht nur traditionell verwendet, sondern auch als Speisepilz geschätzt.

Sein Geschmack ist mild, leicht süßlich und umami. Frisch gebraten kann seine faserige Struktur entfernt an Meeresfrüchte erinnern. Diese kulinarische Seite unterscheidet Hericium deutlich von Reishi und Chaga: Er ist nicht nur Rohstoff für Pulver und Extrakte, sondern ein vollwertiger Speisepilz.

Das heutige Forschungsinteresse richtet sich vor allem auf zwei Stoffgruppen. Hericenone werden überwiegend mit dem Fruchtkörper verbunden, Erinacine mit dem Myzel bestimmter Stämme. In Zell- und Tiermodellen wird untersucht, ob einzelne dieser Verbindungen Signalwege beeinflussen können, die mit Nervenwachstumsfaktoren, der Bildung neuronaler Fortsätze, Neuroinflammation und dem Schutz von Nervenzellen zusammenhängen.

Diese Forschung erklärt, weshalb Hericium in den vergangenen Jahren als “Pilz für das Gehirn” bekannt geworden ist. Die Formulierung geht allerdings weiter als die klinische Datenlage. Eine kleine japanische Doppelblindstudie mit 30 älteren Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung beobachtete während einer 16-wöchigen Einnahme Verbesserungen auf einer kognitiven Skala. Nach dem Ende der Einnahme nahm der Unterschied wieder ab. Neuere Untersuchungen an gesunden Erwachsenen sind ebenfalls klein und liefern bislang eher erste Hinweise als eine endgültige Antwort.

Spannend ist weniger die Vorstellung einer sofortigen geistigen Leistungssteigerung als die langfristige Forschungsfrage dahinter: Können pilzliche Sekundärstoffe Prozesse beeinflussen, die an neuronaler Plastizität, Alterung und Entzündungsregulation beteiligt sind? Hericium ist dafür ein ungewöhnliches Modell, weil Nahrung, traditionelle Verwendung und moderne Neurobiologie unmittelbar aufeinandertreffen.

Cordyceps: Ein Pilz aus einer fast unwirklichen Lebensgemeinschaft

Cordyceps militaris wächst auf einem Substratblock in einer Pilzzucht.

Cordyceps beginnt seine Geschichte nicht im Holz, sondern in einem Insekt. Der berühmte tibetische Raupenpilz befällt im Boden lebende Raupen bestimmter Nachtfalter. Der Pilz wächst durch den Körper seines Wirts und bildet schließlich einen schmalen Fruchtkörper, der aus dem Boden ragt.

In Tibet und im Himalaya ist er als Yartsa Gunbu bekannt, sinngemäß “im Winter Wurm, im Sommer Gras”. Das Sammeln wild gewachsener Exemplare ist heute ein bedeutender Wirtschaftszweig, aber auch eine ökologische und soziale Konfliktzone. Hohe Preise, intensive Ernte und Veränderungen alpiner Lebensräume setzen die natürlichen Bestände unter Druck.

Der historisch als Cordyceps sinensis bezeichnete Pilz trägt heute den Namen Ophiocordyceps sinensis. Wild gesammeltes Material ist selten und teuer. Handelsübliche Produkte bestehen deshalb meist aus kultiviertem Myzel, fermentierter Pilzmasse oder der leichter kultivierbaren Art Cordyceps militaris. Diese Unterscheidung sollte auf seriösen Produkten erkennbar sein.

Zu den untersuchten Inhaltsstoffen gehören Polysaccharide, Sterole, Adenosin und verwandte Nukleoside. Besondere Aufmerksamkeit erhält Cordycepin, chemisch 3’-Desoxyadenosin. Es kommt vor allem in Cordyceps militaris vor und kann in präklinischen Modellen in den Purin- und RNA-Stoffwechsel eingreifen. Forschende untersuchen daraus abgeleitete Effekte auf Entzündungssignale, Zellwachstum, Energiestoffwechsel und Stressantworten.

Auch der Fettstoffwechsel gehört zu den klinisch untersuchten Bereichen. In einzelnen Studien und Meta-Analysen mit Patient*innen, insbesondere bei Nierenerkrankungen, senkten standardisierte Präparate aus kultiviertem oder fermentiertem Cordyceps-Myzel das Gesamtcholesterin. Für LDL-Cholesterin sind die Ergebnisse dagegen nicht einheitlich. Zudem wurden meist Arzneipräparate als Ergänzung zu einer bestehenden Behandlung untersucht, nicht gewöhnliches Cordyceps-Pulver. Eine allgemeine cholesterinsenkende Wirkung bei gesunden Menschen oder bei isolierter Hypercholesterinämie ist damit bislang nicht belegt.

Beim Menschen konzentrieren sich viele Untersuchungen auf Sauerstoffverwertung, Ermüdung und sportliche Leistungsfähigkeit. Einzelne kleine Studien berichten Veränderungen bei Belastungstests, andere finden keine überzeugenden Vorteile. Zudem wurden teilweise Mischprodukte eingesetzt, wodurch sich der Beitrag des Pilzes nur schwer isolieren lässt. Die populäre Behauptung, Cordyceps steigere verlässlich Ausdauer oder Energie, ist daher wissenschaftlich zu weit gefasst.

Seine anhaltende Faszination ist dennoch nachvollziehbar. Cordyceps verbindet eine spektakuläre Biologie mit der Frage, wie parasitische Pilze hochspezialisierte Moleküle bilden und den Stoffwechsel ihres Wirts verändern können.

Chaga: Die schwarze Kruste der Birke

Chaga wirkt auf den ersten Blick kaum wie ein Pilz. An Birken bildet Inonotus obliquus eine schwarze, rissige Masse, die an verkohltes Holz erinnert. Dabei handelt es sich nicht um den eigentlichen Fruchtkörper, sondern um ein steriles, dichtes Pilzgewebe, ein sogenanntes Sklerotium.

Im Inneren ist Chaga rostbraun. Diese Farbe entsteht teilweise durch oxidierte Pigmente und eingelagerte Bestandteile des Wirtsbaums. In Russland, Sibirien, Teilen Nordeuropas und anderen borealen Regionen wurde das Material traditionell zerkleinert und als dunkles, erdig schmeckendes Getränk ausgekocht.

Die chemische Zusammensetzung unterscheidet sich deutlich von kultivierten Speisepilzen. Neben Beta-Glucanen werden Polyphenole, Melanin-Komplexe, Sterole sowie Triterpene untersucht. Ein Teil dieser Stoffe stammt aus dem Stoffwechsel des Pilzes, ein anderer steht mit der Birke in Verbindung. Besonders Betulin und Betulinsäure haben viel Aufmerksamkeit erhalten, da sie auch in Birkenrinde vorkommen.

Zell- und Tierstudien untersuchen antioxidative, entzündungsbezogene und zellbiologische Eigenschaften von Chaga-Extrakten. Klinische Studien, aus denen sich verlässliche gesundheitliche Anwendungen ableiten ließen, fehlen jedoch weitgehend. Viele Aussagen über Immunität, Krebs oder Stoffwechsel beruhen bisher auf präklinischen Modellen oder traditioneller Verwendung.

Chaga zeigt besonders deutlich, weshalb die Herkunft eines Naturstoffs wichtig ist. Er wächst langsam, und das Entfernen großer Sklerotien kann lokale Bestände beeinträchtigen. Nachhaltige Sammlung bedeutet, nicht jeden sichtbaren Ansatz zu ernten, junge Strukturen zu schonen und nur nachvollziehbar gewonnenes Material zu verwenden.

Judasohr: Ein Gallertpilz zwischen Küche und Gefäßforschung

Fruchtkörper des Judasohrs (Auricularia auricula-judae) an einem Laubbaum mit typischer gallertartiger Struktur.

Auf den ersten Blick wirkt das Judasohr kaum wie ein typischer Pilz. Seine braunen, elastischen Fruchtkörper erinnern an kleine Ohren und wachsen bevorzugt an abgestorbenem Holunder, aber auch an anderen Laubbäumen. Der wissenschaftliche Name Auricularia auricula-judae bezieht sich auf diese charakteristische Form und auf eine mittelalterliche Legende, nach der Judas Iskariot sich an einem Holunderbaum erhängt haben soll. Heute wird der Pilz meist schlicht als Judasohr oder Holunderschwamm bezeichnet.

In Ostasien gehört Auricularia seit Jahrhunderten zur Alltagsküche. Besonders in China ist der Pilz als “Holzohr” oder “Wood Ear Mushroom” fester Bestandteil zahlreicher Gerichte. Sein eigener Geschmack ist vergleichsweise mild. Geschätzt wird vielmehr seine knackig-gelatinöse Konsistenz, die Suppen, Wokgerichten und Salaten eine besondere Textur verleiht. Anders als Reishi oder Chaga ist das Judasohr deshalb in erster Linie ein Speisepilz, dessen gesundheitliche Bedeutung ursprünglich eng mit der Ernährung verbunden war.

Chemisch besteht der Pilz zu einem großen Teil aus löslichen Ballaststoffen und Polysacchariden, darunter verschiedene Beta-Glucane sowie saure Heteropolysaccharide. Darüber hinaus wurden Phenolverbindungen, Melanin, Ergosterol und weitere sekundäre Pflanzen- beziehungsweise Pilzinhaltsstoffe beschrieben. Präklinische Forschung untersucht vor allem antioxidative Eigenschaften, Einflüsse auf Entzündungsprozesse sowie mögliche Wirkungen auf den Fett- und Zuckerstoffwechsel.

Besonderes Interesse gilt außerdem dem Herz-Kreislauf-System. In Zell- und Tiermodellen sowie einzelnen Humanstudien wurden Veränderungen der Blutfettwerte und der Blutgerinnung untersucht. Einige Arbeiten deuten darauf hin, dass Bestandteile von Auricularia den Cholesterinstoffwechsel beeinflussen oder die Bildung von Blutgerinnseln hemmen könnten. Die bisherigen Humanstudien sind jedoch klein und methodisch unterschiedlich, sodass sich daraus derzeit keine gesicherten gesundheitlichen Anwendungen ableiten lassen.

Neben den möglichen Effekten auf Gefäß- und Fettstoffwechsel richtet sich das Interesse der Forschung zunehmend auch auf die Haut. Einzelne Zell- und Tierstudien deuten darauf hin, dass Polysaccharide aus Auricularia auricula-judae die Aktivität von Fibroblasten beeinflussen und die Bildung von Kollagen sowie die Wundheilung fördern könnten. Diese Ergebnisse stammen bislang überwiegend aus präklinischen Untersuchungen. Ob sich daraus durch den Verzehr des Pilzes vergleichbare Effekte beim Menschen ergeben, ist derzeit noch nicht ausreichend untersucht.

Gerade das macht das Judasohr wissenschaftlich interessant. Es verbindet eine lange kulinarische Tradition mit einer wachsenden Zahl moderner Untersuchungen zu Ballaststoffen, Gefäßgesundheit und Stoffwechsel. Während viele Vitalpilze vor allem als Extrakte oder Pulver bekannt sind, zeigt Auricularia auricula-judae, dass ein gewöhnlicher Speisepilz ebenfalls zu den spannendsten Forschungsobjekten der Mykologie gehören kann.

Von der Pilzkultur in die Küche

Gebratener Hericium (Igelstachelbart) in Scheiben mit fleischähnlicher, faseriger Konsistenz auf einem Schneidebrett.
Lion’s Mane Steak

Pulver machen die festen oder zähen Fruchtkörper alltagstauglicher. Sie können in warme Getränke, Kakao, Kaffee, Suppen oder kräftige Speisen eingerührt werden. Hericium besitzt dabei meist das mildeste Profil. Reishi und Chaga bringen deutlich erdigere beziehungsweise bitter-holzige Noten mit. Cordyceps-Pulver schmeckt häufig mild pilzig und leicht herzhaft.

Bei der Auswahl lohnt sich ein Blick über Schlagworte wie “Superfood” oder “Adaptogen” hinaus. Gute Produktinformationen nennen die verwendete Pilzart, den Pflanzenteil beziehungsweise die Pilzstruktur, die Herkunft sowie die Frage, ob Fruchtkörper, Myzel oder eine Mischung verarbeitet wurde. Bei Myzelprodukten ist außerdem interessant, ob größere Mengen des Kultursubstrats im Endprodukt verbleiben.

Wer verschiedene Medizinalpilze praktisch kennenlernen möchte, findet im Bereich Pilzpulver bei Querbeet unter anderem Bio-Pulver aus Hericium und Cordyceps 🙂 Für Reishi und Chaga bietet Querbeet andere hochwertige Verarbeitungsformen an. Ebenfalls erhältlich sind hochwertige Pilzextrakte im Querbeet-Shop, die je nach Pilzart eine weitere Möglichkeit bieten, diese faszinierenden Organismen kennenzulernen. Der Vergleich solcher Produkte ist zugleich eine kleine Lektion in Pilzbiologie: Nicht jeder sogenannte Vitalpilz bildet denselben Rohstoff, und nicht jede Art lässt sich auf dieselbe Weise kultivieren oder verarbeiten.

Zwischen Tradition, Labor und Alltag

Getrocknete Fruchtkörper des Cordyceps militaris als Vitalpilz auf einem rustikalen Holzbrett.

Vitalpilze beziehungsweise Medizinalpilze werden manchmal behandelt, als gehörten sie entweder in die Welt alter Heiltraditionen oder in jene moderner Nahrungsergänzung. Tatsächlich liegen sie genau dazwischen.

Traditionelle Verwendung erklärt, weshalb bestimmte Arten gesammelt, kultiviert und kulturell aufgeladen wurden. Präklinische Forschung zeigt, welche Moleküle und Mechanismen biologisch interessant sein könnten. Klinische Studien müssen anschließend klären, ob daraus unter realen Bedingungen ein messbarer Nutzen für Menschen entsteht. Diese letzte Stufe ist bei den fünf vorgestellten Pilzen unterschiedlich weit entwickelt, insgesamt aber noch lückenhaft.

Das macht die Pilze nicht bedeutungslos. Reishi erzählt von Bitterstoffen und kaiserlicher Symbolik, Hericium von Speisekultur und neuronaler Plastizität, Cordyceps von einer außergewöhnlichen Beziehung zwischen Pilz und Insekt, Chaga von Birkenwäldern und langsam wachsendem Pilzgewebe. Ihr Wert liegt nicht in einem einzelnen Heilsversprechen. Er liegt in der Verbindung von Geschmack, Ökologie, Kulturgeschichte und einer Chemie, die längst noch nicht vollständig verstanden ist.

Hericium (Igelstachelbart) wächst auf einem Substratblock in einer Pilzzucht.

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