Plossobaum (Butea superba)

Nahaufnahme der leuchtend orange-roten Blüten von Butea superba. Die zahlreichen schmetterlingsförmigen Blüten stehen in dichten Büscheln an verholzten Klettertrieben und bilden einen starken Kontrast zu den großen, sattgrünen Blättern im Hintergrund. Das Foto zeigt die Pflanze in ihrer natürlichen Umgebung während der Blütezeit.

Steckbrief

Name: Plossobaum, Rotes Kwao Krua, Red Kwao Krua, Kwao Krua Daeng
Wissenschaftlicher Name: Butea superba Roxb. ex Willd.
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Verbreitung: Vom indischen Subkontinent bis nach Indochina
Wuchsform: Mehrjährige, verholzende Liane der saisonal trockenen Tropen
Verwendeter Pflanzenteil: Vor allem die knollenartig verdickte Wurzel
Wichtige Inhaltsstoffgruppen: Flavonoide, Isoflavonoide, Pterocarpane und Phytosterole
Traditionelle Bedeutung: Tonikum für Männer, zur Stärkung, Verjüngung und Unterstützung der Sexualfunktion
Heutige Produktformen: Getrocknete Wurzel, Pulver, Kapseln und Extrakte

Eine rote Wurzel, die lieber klettert als steht: zwischen Wald, Männerkräutern und moderner Forschung

Historische botanische Illustration von Butea superba, einer tropischen Kletterpflanze. Dargestellt sind drei große, rundliche grüne Blätter mit deutlich sichtbaren Blattadern sowie dichte Blütenstände mit rot- und rosafarbenen, schmetterlingsförmigen Blüten entlang dunkler Stängel. Eine verholzte Ranke windet sich durch die Abbildung. Rechts unten ist eine geöffnete Schote mit einem einzelnen großen braunen Samen zu sehen, darunter ergänzende Detailzeichnungen einzelner Blütenteile. Der Artname „Butea superba“ ist am unteren Rand der historischen botanischen Tafel vermerkt.

Der deutsche Name Plossobaum führt ein wenig in die Irre. Butea superba ist kein Baum, der frei und aufrecht in den Himmel wächst, sondern eine kräftige, verholzende Liane. Sie nutzt andere Pflanzen als Gerüst, windet sich durch lichte Wälder und kann ihre Triebe viele Meter hoch in die Kronen tragen. Dort erscheinen auffällige orange bis rotorange Blüten, deren Farbe an kleine Flammen erinnert. Während der Blütezeit wirkt die Liane beinahe tropisch-exotisch. Die leuchtend orangefarbenen bis scharlachroten Blüten erscheinen in dichten Trauben und gehören zu den auffälligsten Merkmalen der Art. Obwohl sich die spätere Nutzung fast ausschließlich auf die Wurzel konzentriert, prägen gerade diese auffälligen Blüten das Erscheinungsbild der Pflanze und erklären ihren hohen Wiedererkennungswert. Botanisch gehört die Art zu den Hülsenfrüchtlern und damit in dieselbe große Pflanzenfamilie wie Bohnen, Erbsen oder Klee.

Ihr natürliches Verbreitungsgebiet reicht nach heutiger botanischer Einordnung von Indien und Bangladesch bis nach Myanmar, Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam. Sie wächst vor allem in saisonal trockenen tropischen Regionen. Eine verdickte, unterirdische Speicherwurzel ist dort von Vorteil: In ihr kann die Pflanze Wasser und Reservestoffe sammeln, wenn oberirdisches Wachstum während der Trockenzeit kaum möglich ist. Genau dieser unscheinbare Teil der Liane wurde für Menschen wichtiger als ihre weithin sichtbaren Blüten. Solche unterirdischen Speicherorgane sind weit mehr als bloße Wasserspeicher. Sie dienen der Pflanze als chemisches Archiv. Viele sekundäre Pflanzenstoffe schützen die Wurzel vor Mikroorganismen, Pilzen oder Fraßfeinden und helfen ihr gleichzeitig, längere Trockenperioden zu überstehen. Genau diese chemische Vielfalt machte die Wurzel später auch für die ethnobotanische Nutzung interessant.

In Thailand ist die Pflanze als “Kwao Krua Daeng”, also rotes Kwao Krua, bekannt. Der Zusatz “rot” unterscheidet sie von anderen Pflanzen, die unter ähnlichen Namen gehandelt werden, besonders vom sogenannten weißen Kwao Krua, Pueraria candollei var. mirifica. Während dieses meist mit weiblicher Vitalität und phytoöstrogenen Inhaltsstoffen verbunden wird, gilt Butea superba traditionell als Männerpflanze.

Diese Gegenüberstellung ist kulturell und kommerziell wirksam. Botanisch und pharmakologisch ist sie allerdings weniger eindeutig, als sie auf Verpackungen oft erscheint. “Kwao Krua” bezeichnet keine einzelne Pflanzenart, sondern eine Gruppe unterschiedlich eingeordneter Wurzelpflanzen, die in Thailand mit Vitalität, Alter und Sexualität verbunden werden.

Auf traditionellen Kräutermärkten in Thailand liegen die getrockneten Wurzeln oft neben Ginseng, Tongkat Ali oder verschiedenen Kwao-Krua-Arten. Händlerinnen unterscheiden die Pflanzen häufig bereits anhand von Farbe, Geruch und Form der Wurzelstücke. Für viele Käuferinnen steht dabei weniger eine einzelne medizinische Indikation im Vordergrund als die Vorstellung eines allgemeinen Kräftigungsmittels.

Die Wurzel als Versprechen von Kraft

In der thailändischen Kräuterkunde wird die knollige Wurzel seit Langem als Tonikum verwendet. Überliefert sind Anwendungen bei nachlassender Kraft, Müdigkeit, altersbezogener Schwäche und sexuellen Beschwerden von Männern. Begriffe wie “Verjüngung” oder “männliche Vitalität” lassen sich dabei nicht eins zu eins in moderne medizinische Kategorien übersetzen. Sie beschreiben eher ein Bündel aus körperlicher Energie, sexuellem Interesse, Belastbarkeit und dem Wunsch, sich im Alter weniger gebrechlich zu fühlen.

Getrocknete Wurzelscheiben von Butea superba auf weißem Hintergrund. Die unregelmäßig geschnittenen, rundlichen bis ovalen Scheiben zeigen eine hellbeige bis gelblich-braune Schnittfläche mit dunkler brauner Rinde. Die getrocknete Wurzel wird in der traditionellen Pflanzenheilkunde verwendet.

Solche Tonika entstanden nicht im Labor, sondern in einer Erfahrungswelt, in der Geschmack, Körpergefühl und wiederholte Beobachtung zusammengehörten. Die getrocknete Wurzel schmeckt deutlich bitter und erdig. Gerade diese ausgeprägte Bitterkeit dürfte mit ein Grund gewesen sein, weshalb die Wurzel in Südostasien traditionell als kräftig und wirksam wahrgenommen wurde. Bitterkeit wurde in vielen Medizinsystemen mit Stärke, Verdauung und konzentrierter Pflanzenkraft verbunden. Sie ist kein Beweis für eine bestimmte Wirkung, prägt aber bis heute, wie die Pflanze wahrgenommen wird: nicht als beiläufiges Genussmittel, sondern als kräftiges, ernst zu nehmendes Wurzelpräparat.

Besonders bekannt wurde Butea superba als traditionelles Aphrodisiakum und als Mittel zur Unterstützung der männlichen Sexualfunktion. Dieser Kern gehört weiterhin zur Geschichte der Pflanze. Aussagen, sie wirke zuverlässig wie Sildenafil, steigere grundsätzlich das Testosteron oder verursache im Gegensatz zu Arzneimitteln keine Nebenwirkungen, gehen jedoch deutlich über die vorhandene Forschung hinaus.

Interessant ist vielmehr, dass verschiedene Forschungsgruppen seit gut zwei Jahrzehnten versuchen herauszufinden, ob hinter der traditionellen Verwendung messbare Effekte auf Gefäße, Schwellkörpergewebe oder den Hormonhaushalt stehen.

Was steckt chemisch in Butea superba?

Die Wurzel enthält kein einzelnes “Potenzmolekül”, sondern ein Gemisch sekundärer Pflanzenstoffe. Besonders häufig untersucht werden Flavonoide und Isoflavonoide. Nachgewiesen wurden unter anderem Medicarpin, Formononetin, Prunetin und weitere methoxylierte Isoflavonoide. Hinzu kommen Pterocarpane, Benzofuran-Derivate und pflanzliche Sterole wie Beta-Sitosterol, Campesterol und Stigmasterol. Eine phytochemische Untersuchung beschrieb 2017 außerdem den zuvor unbekannten Stoff Superbanon sowie mehrere weitere Isoflavonoide aus den knolligen Wurzeln.  

Diese Moleküle erfüllen zunächst Aufgaben für die Pflanze selbst. Sekundäre Pflanzenstoffe können vor Mikroorganismen und Fraßfeinden schützen, auf Verletzungen reagieren oder oxidativen Stress abpuffern. In den Speicherwurzeln kann sich dadurch ein komplexes chemisches Profil entwickeln, das außerdem von Standort, Boden, Alter und Erntezeit beeinflusst wird.

Für die Pharmakologie sind diese Stoffe interessant, weil Flavonoide und verwandte Verbindungen an Enzymen, Rezeptoren und Signalwegen wirken können. Untersucht wurden unter anderem Einflüsse auf Phosphodiesterasen, hormonabhängige Gewebe und die Gefäßregulation. Meist arbeiten Forschende dabei jedoch mit vollständigen Extrakten oder Stoffgemischen. Welcher Bestandteil welchen Anteil an einem beobachteten Effekt besitzt, ist häufig noch offen.

Im früheren Artikel wurde Methyltestosteron als natürlicher Inhaltsstoff genannt. Dafür gibt es keine belastbare phytochemische Grundlage. Methyltestosteron ist ein synthetisch hergestelltes anaboles Androgen und sollte nicht als typischer Bestandteil von Butea superba dargestellt werden. Eine Pflanze kann in biologischen Modellen androgenähnliche Effekte zeigen, ohne selbst ein synthetisches Hormon zu enthalten.

Strukturformel von β-Sitosterol, einem pflanzlichen Sterol. Die chemische Darstellung zeigt das für Sterole typische Ringsystem mit einer Hydroxylgruppe (OH) sowie einer verzweigten Kohlenwasserstoff-Seitenkette. Kohlenstoff-, Wasserstoff- und Methylgruppen (CH₃) sind entsprechend der chemischen Nomenklatur gekennzeichnet.
β-Sitosterol

Auch aus dem Vorkommen von Beta-Sitosterol lässt sich nicht ableiten, dass die Wurzel den Abbau von Testosteron verhindert oder zuverlässig als Gegenspielerin von Dihydrotestosteron wirkt. Solche vereinfachten Erklärungen klingen eingängig, bilden den menschlichen Hormonstoffwechsel aber nicht angemessen ab.

Erektion ist nicht dasselbe wie Testosteron

Die moderne Forschung zu Butea superba konzentriert sich vor allem auf die erektile Funktion. Dabei lohnt sich eine grundlegende Unterscheidung: Eine Erektion entsteht nicht einfach durch “mehr Testosteron”. Entscheidend sind Nervenreize, die Freisetzung von Stickstoffmonoxid, die Bildung des Botenstoffs cGMP und die Entspannung der glatten Muskulatur in den Schwellkörpern.

Das Enzym Phosphodiesterase-5, kurz PDE-5, baut cGMP wieder ab. Arzneistoffe wie Sildenafil hemmen dieses Enzym und verlängern dadurch das Gefäßsignal. Testosteron beeinflusst zwar sexuelles Interesse, Gewebe und hormonelle Regulation, ist aber nur ein Teil eines wesentlich komplexeren Vorgangs.

Schematische dreidimensionale Darstellung des Enzyms Phosphodiesterase-5 (PDE-5). Das Protein ist als Bändermodell mit zahlreichen spiraligen Alpha-Helices in Beige dargestellt. Im aktiven Zentrum befindet sich ein rot hervorgehobener gebundener Ligand sowie zwei Metallionen, dargestellt als blaue und grüne Kugel. Eine transparente weiße Oberfläche deutet die räumliche Struktur des Enzyms an.
Enzym Phosphodiesterase-5

In Laboruntersuchungen wurde geprüft, ob Extrakte von Butea superba an ähnlichen Gefäßvorgängen beteiligt sein könnten. Eine Studie an diabetischen Ratten beobachtete nach der Gabe eines ethanolischen Extrakts einen höheren Druck im Schwellkörper und eine stärkere Entspannung isolierten Schwellkörpergewebes. Diskutiert wurden eine Hemmung von Phosphodiesterase-5 und Veränderungen der Stickstoffmonoxid-Signalwege.  

Solche Befunde erklären, weshalb die Pflanze pharmakologisch interessant ist. Sie zeigen eine mögliche Forschungsrichtung, aber noch keine mit Sildenafil vergleichbare klinische Wirkung. Tiermodelle können einzelne Mechanismen sichtbar machen, bilden jedoch weder die menschliche Sexualität noch Ursachen einer erektilen Dysfunktion vollständig ab.

Daneben existieren Tierstudien zum Hormonsystem. Einige Arbeiten fanden Veränderungen an androgenabhängigen Geweben oder an der Regulation des luteinisierenden Hormons. Andere beobachteten keine konsistente Erhöhung des Testosterons oder bei höheren Dosierungen sogar eine Abnahme des Hormonspiegels. Das Bild ist daher nicht das einer einfachen “Testosteronpflanze”, sondern das eines komplexen Extrakts, dessen Effekte von Dosis, Zubereitung, Tiermodell und Ausgangssituation abhängen.  

Was Humanstudien tatsächlich zeigen

Die bekannteste klinische Untersuchung erschien 2003. In einer kleinen randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie nahmen Männer mit erektiler Dysfunktion drei Monate lang Kapseln mit getrocknetem Wurzelpulver oder ein Placebo ein.

Bei mehreren Bereichen des IIEF-5-Fragebogens, einem standardisierten Instrument zur Beurteilung der Erektionsfähigkeit, wurden Verbesserungen berichtet. Besonders betroffen waren Fragen zur Fähigkeit, eine Erektion nach der Penetration aufrechtzuerhalten. Der Testosteronspiegel veränderte sich dabei nicht. Von 39 aufgenommenen Teilnehmern schlossen 31 die Studie ab.  

Das Ergebnis ist bemerkenswert, weil es grundsätzlich zu einem gefäßbezogenen Mechanismus passen würde: eine Verbesserung der Erektionsfunktion ohne messbare Erhöhung des Testosterons. Gleichzeitig bleibt die Aussagekraft begrenzt. Die Gruppe war klein, und eine größere, unabhängige Wiederholung mit standardisiertem Pflanzenmaterial steht bis heute aus.

Eine zweite klinische Veröffentlichung verglich ein kommerzielles Butea-superba-Produkt mit Sildenafil. Zunächst schien das Pflanzenprodukt erstaunlich stark zu wirken. Als sich das Ergebnis mit einer späteren Charge nicht reproduzieren ließ, wurde bekannt, dass die zuerst verwendete Zubereitung wahrscheinlich mit einem PDE-5-Hemmer versetzt gewesen war. Der Lieferant bestätigte später eine entsprechende Beimischung.  

Eine mit einem blauen Einweghandschuh geschützte Hand hält eine gebogene gelbe Banane. Links daneben befindet sich ein blaues Symbol mit einem kreisförmigen Pfeil nach unten, das eine nachlassende oder verminderte Funktion symbolisiert. Das Bild wird häufig als symbolische Darstellung von Erektionsstörungen oder erektiler Dysfunktion verwendet.

Die Studie ist deshalb weniger ein Wirksamkeitsnachweis als eine Warnung. Besonders bei Produkten für Erektion, Gewichtsverlust oder Muskelaufbau kann eine spektakuläre Wirkung auf nicht deklarierte Arzneistoffe zurückgehen. Herkunft, Chargenkontrolle und seriöse Analytik sind bei solchen Präparaten daher keine Nebensache.

Für Libido, Fruchtbarkeit und Haarwuchs ist die klinische Grundlage noch dünner. Der früher häufig genannte Anstieg der Spermienzahl stammt aus einer Rattenstudie, nicht aus einer Untersuchung an Menschen. Die Forschenden beobachteten dort lediglich eine Tendenz zu höheren Hodengewichten und Spermienzahlen. Daraus lässt sich keine Behandlung menschlicher Fruchtbarkeitsstörungen ableiten.  

Auch die Behauptung, Butea superba eigne sich gegen männliche Glatze, ist biologisch keineswegs selbstverständlich. Dihydrotestosteron kann bei entsprechender genetischer Veranlagung den erblich bedingten Haarverlust fördern. Ein Mittel, das Androgene erhöht, wäre daher nicht automatisch ein Haarwuchsmittel. Klinische Studien zur Behandlung von Haarausfall mit Butea superba fehlen.

Von der Wurzel zum Produkt

Traditionell wird die getrocknete Wurzel zerkleinert oder pulverisiert. Heute findet man zusätzlich Kapseln und konzentrierte Extrakte. Diese Formen sind nicht ohne Weiteres miteinander vergleichbar. Ein Gramm Wurzelpulver sagt wenig über den Gehalt einzelner Isoflavonoide aus, und ein Extrakt kann je nach Lösungsmittel und Herstellungsverfahren ein anderes chemisches Profil besitzen.

Dichtes Blattwerk einer Butea superba-Kletterpflanze mit zahlreichen großen, herz- bis rundlich geformten, leuchtend grünen Blättern. Die übereinanderliegenden Blätter bilden eine geschlossene Vegetationsdecke und verdecken die verholzten Ranken der Pflanze weitgehend. Das Foto zeigt den kräftigen, kletternden Wuchs von Butea superba in ihrem natürlichen Lebensraum.

Gute Produktqualität beginnt deshalb bei einer eindeutigen botanischen Bestimmung. Sinnvoll sind Angaben zu Herkunft, Pflanzenteil, Charge und Verarbeitung. Bei Extrakten sollte außerdem das Extraktionsverhältnis nachvollziehbar sein. Besonders wichtig ist bei Produkten für die Sexualfunktion die Prüfung auf nicht deklarierte PDE-5-Hemmer oder andere Arzneistoffe.

Querbeet führt Butea superba als getrocknetes Pflanzenprodukt. Für Leser*innen, die die Wurzel nicht nur als abstrakten Forschungsgegenstand kennenlernen möchten, bietet die Produktseite nähere Informationen zur angebotenen Form. Wer sich erstmals mit der Pflanze beschäftigt, erhält dadurch zugleich einen Eindruck davon, in welcher Form Butea superba heute überhaupt gehandelt wird.

Mehr als ein pflanzliches Potenzmittel

Es wäre leicht, Butea superba auf die Frage zu reduzieren, ob sie “wie Viagra” wirkt. Damit würde man jedoch sowohl ihrer Botanik als auch ihrer Kulturgeschichte nicht gerecht. Die Pflanze verbindet die Ökologie saisonal trockener Wälder mit einer südostasiatischen Tonikum-Tradition. Ihre spektakulären Blüten stehen über der Erde, doch gesammelt wird die verborgene Speicherwurzel. Schon darin liegt ein reizvoller Gegensatz: Sichtbar ist das Feuer, gesucht wird das, was im Boden Kraft speichert.

Auch wissenschaftlich bleibt sie interessant. Nicht, weil alle traditionellen Zuschreibungen bestätigt wären, sondern weil ihre Isoflavonoide, Pterocarpane und komplexen Extrakte mehrere biologische Ebenen berühren. Gefäßentspannung, Stickstoffmonoxid-Signale, hormonelle Regulation und oxidative Prozesse greifen bei der Sexualfunktion ineinander. Butea superba zwingt die Forschung damit zu einer differenzierten Frage: Wirkt ein Vielstoffgemisch über einen dominanten Mechanismus oder über mehrere kleine Effekte zugleich?

Vielleicht erklärt gerade diese Offenheit, warum die Pflanze bis heute fasziniert. Sie steht an einer Grenze zwischen überliefertem Erfahrungswissen und moderner Pharmakologie. Auf der einen Seite finden sich große Versprechen, auf der anderen kleine Studien, widersprüchliche Tierdaten und ein reales Qualitätsproblem im Markt. Vielleicht ist genau das das Spannende an Butea superba: Eine unscheinbare Wurzel aus den Trockenwäldern Südostasiens verbindet jahrhundertealte Pflanzenkunde mit modernen Fragen der Pharmakologie. Vieles ist noch ungeklärt – gerade deshalb bleibt sie eine der interessantesten traditionellen Männerpflanzen Asiens.

Eine Person steht in einem dichten tropischen Wald zwischen den großen, herzförmigen Blättern einer Butea superba-Ranke. Die kräftig wachsende Kletterpflanze umgibt die Person nahezu vollständig und verdeutlicht ihre üppige Wuchsform sowie die außergewöhnliche Größe ihrer Blätter. Das Bild zeigt die Pflanze in ihrem natürlichen Lebensraum.

Harm Reduction

Für Butea superba gibt es keine ausreichend abgesicherte Standarddosierung für die Selbstanwendung. Dosierungsangaben aus einzelnen Studien lassen sich nicht pauschal auf Pulver und Extrakte aus dem Handel übertragen. Auch die früher verbreitete Empfehlung, die Pflanze über mehrere Monate einzunehmen und anschließend eine Pause einzulegen, ist nicht durch belastbare klinische Sicherheitsdaten abgesichert.

Höhere oder längerfristige Einnahmen sind nicht automatisch sicher. Eine 90-tägige Tierstudie fand bei höheren Dosierungen Veränderungen des Blutbildes, der Leberwerte und des Testosteronspiegels. Ein einzelner Fallbericht beschreibt zudem bei einem Mann nach regelmäßiger Einnahme einen stark erhöhten Dihydrotestosteronwert und eine auffällig gesteigerte Libido. Die Werte normalisierten sich nach dem Absetzen.  

Vorsicht ist besonders bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leber- oder Nierenerkrankungen, hormonabhängigen Erkrankungen sowie bei gleichzeitiger Einnahme von Potenzmitteln, Blutdruckmedikamenten, Nitraten oder Hormonpräparaten angebracht. Schwangere, Stillende, Kinder und Jugendliche sollten die Pflanze nicht verwenden.

Bei wiederkehrenden oder anhaltenden Erektionsproblemen ist eine medizinische Abklärung sinnvoll. Erektile Dysfunktion kann unter anderem mit Gefäßveränderungen, Diabetes, neurologischen Erkrankungen, Medikamenten oder psychischer Belastung zusammenhängen und sollte nicht ausschließlich mit Nahrungsergänzungsmitteln behandelt werden.

Quellen

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Royal Botanic Gardens, Kew. Plants of the World Online: “Butea superba Roxb. ex Willd.”
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