Steckbrief
Name: Maca, peruanischer Ginseng, Anden-Ginseng
Wissenschaftlicher Name: Lepidium meyenii Walp.; in Teilen der Literatur auch Lepidium peruvianum Chacón
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
Herkunft: Zentrale peruanische Anden, insbesondere die Hochebenen der Regionen Junín und Pasco
Lebensweise: Niedrig wachsende, meist zweijährige krautige Pflanze
Verwendeter Pflanzenteil: Verdicktes Hypokotyl mit Anteilen der Pfahlwurzel, umgangssprachlich meist „Maca-Wurzel“ oder „Knolle“ genannt
Wichtige Inhaltsstoffe: Kohlenhydrate, Proteine, Ballaststoffe, Glucosinolate, Macamide, Macaene, Pflanzensterole, Polyphenole und verschiedene Alkaloide
Bedeutung: Andines Nahrungsmittel, Handelsprodukt, Nahrungsergänzungsmittel und Gegenstand der Sexual-, Reproduktions- und Stoffwechselforschung
Psychoaktivität: Maca gilt nicht als klassische psychoaktive Pflanze und erzeugt keinen Rauschzustand

Wie eine unscheinbare Andenpflanze zum globalen „Superfood“ wurde
Auf mehr als 3.500 Metern Höhe wird Landwirtschaft zu einer Frage der Ausdauer. Die Nächte sind kalt, der Wind trocknet den Boden aus, und intensive Sonneneinstrahlung trifft auf eine Vegetationsperiode, die kaum Spielraum für Fehler lässt. Genau hier, im peruanischen Zentralandenland, wächst eine Pflanze, die äußerlich wenig Spektakuläres verspricht: eine flache Blattrosette über dem Boden, darunter ein verdicktes Speicherorgan, rundlich bis länglich, gelb, rot, violett oder beinahe schwarz.
Maca gehört zu den wenigen Kulturpflanzen, die in diesen Höhen zuverlässig gedeihen. Lange bevor ihr Pulver in europäischen Smoothies, Müslischalen und Nahrungsergänzungsmitteln auftauchte, war sie deshalb vor allem eines: Nahrung. Ein robustes, lagerfähiges Lebensmittel aus einer Landschaft, in der Pflanzen nicht trotz, sondern wegen ihrer Anpassungsfähigkeit geschätzt werden. Der Begriff “Superfood” erzählt dabei vor allem eine moderne Vermarktungsgeschichte – nicht die jahrtausendealte Geschichte einer regionalen Nahrungspflanze. In den hochgelegenen Anden bedeutete Landwirtschaft immer auch Ernährungssicherheit. Pflanzen, die Frost, intensive UV-Strahlung und große Temperaturunterschiede überstanden, wurden deshalb über Generationen sorgfältig weitergegeben und kultiviert.
Heute wird Maca häufig mit Energie, Libido, Fruchtbarkeit oder hormonellem Gleichgewicht verbunden. Manche dieser Vorstellungen reichen in traditionelle Verwendungen zurück, andere entstanden erst durch den internationalen Markt. Dazwischen liegt ein Forschungsgebiet, das interessante Inhaltsstoffe und biologische Mechanismen hervorgebracht hat, aber noch immer von kleinen Studien und vielen offenen Fragen geprägt ist.

Die eigentliche Geschichte von Maca beginnt daher nicht mit einem Wirkversprechen. Sie beginnt im Boden der Anden.
Eine Kulturpflanze am Rand des Möglichen
Maca ist mit Kresse, Senf, Kohl und Brokkoli verwandt. Diese botanische Verwandtschaft wird spätestens dann nachvollziehbar, wenn man sich mit ihren Inhaltsstoffen beschäftigt: Wie viele Kreuzblütler bildet auch Maca Glucosinolate, schwefelhaltige Pflanzenstoffe, die zum charakteristischen Geruch und Geschmack der Familie beitragen.
Über der Erde bleibt die Pflanze unscheinbar. Ihre gefiederten Blätter liegen als flache Rosette dicht am Boden und bieten Wind und Kälte nur wenig Angriffsfläche. Der wirtschaftlich und kulinarisch bedeutende Teil entwickelt sich darunter. Botanisch handelt es sich nicht einfach um eine Wurzel, sondern um ein verdicktes Speicherorgan aus Hypokotyl und Wurzelgewebe. Dort lagert die Pflanze Reserven ein, die ihr das Überleben unter den rauen Bedingungen des Hochlands ermöglichen.
Der Anbau konzentriert sich traditionell auf Höhenlagen, in denen Mais, Kartoffeln und viele andere Kulturpflanzen bereits an ihre Grenzen stoßen. Frost kann dort praktisch während des gesamten Jahres auftreten. Zugleich unterscheiden sich Tag- und Nachttemperaturen deutlich, und die starke UV-Strahlung stellt zusätzliche Anforderungen an den pflanzlichen Stoffwechsel.

Diese Umweltbedingungen sind mehr als eine eindrucksvolle Kulisse. Standort, Boden, Erntezeit und Verarbeitung beeinflussen auch das chemische Profil der Pflanze. Maca ist daher kein völlig einheitlicher Rohstoff. Gelbe, rote, schwarze und weitere Farbausprägungen unterscheiden sich nicht nur äußerlich. In phytochemischen Untersuchungen zeigen sie teilweise unterschiedliche Konzentrationen einzelner Inhaltsstoffgruppen. Ob daraus verlässlich unterschiedliche Wirkungen beim Menschen abgeleitet werden können, ist allerdings noch nicht ausreichend geklärt.
Vom Grundnahrungsmittel zum internationalen Handelsgut
Maca wird in den zentralen Anden seit vielen Jahrhunderten kultiviert. Häufig ist von 1.300 bis 2.000 Jahren Anbaugeschichte die Rede. Frühe kolonialzeitliche Berichte erwähnen Wurzelpflanzen aus dem Hochland, die der lokalen Bevölkerung als Nahrung dienten und teilweise auch als Abgabe oder Handelsware verwendet wurden.
Die verbreitete Bezeichnung „Powerwurzel der Inka“ greift dennoch zu kurz. Sie verwandelt eine lange, regional vielfältige Ernährungsgeschichte in ein leicht verkäufliches Bild. Maca war nicht einfach das geheime Stärkungsmittel eines untergegangenen Reiches. Sie war und ist Teil andiner Landwirtschaft, regionaler Ökonomien und alltäglicher Ernährung.

Nach der Ernte werden die Speicherorgane traditionell an der Luft und in der Sonne getrocknet. Dadurch verlieren sie Wasser, werden haltbarer und verändern ihren Geschmack. Getrocknete Maca kann über längere Zeit gelagert, später eingeweicht, gekocht oder zu Mehl verarbeitet werden. Sie findet unter anderem in Breien, Suppen, Backwaren, fermentierten Getränken und süßen Zubereitungen Verwendung.
Rohe frische Maca spielt außerhalb der Anbaugebiete kaum eine Rolle. Auch in den Anden wird sie traditionell häufig gekocht oder anderweitig verarbeitet. Das unterscheidet ihren ursprünglichen Gebrauch deutlich von der modernen Vorstellung, Pflanzenpulver müssten möglichst „roh“ konsumiert werden, um authentisch oder besonders wertvoll zu sein.
Im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert begann Macas internationale Karriere. Aus einem regionalen Lebensmittel wurde ein international gehandeltes Pulver, das in sehr unterschiedliche Kategorien einsortiert wird: Superfood, Adaptogen, Sportnahrung, Potenzmittel, Hormonprodukt oder Fruchtbarkeitssupplement. Diese Etiketten erzählen oft mehr über westliche Konsumtrends als über die Pflanze selbst. Dass sich ausgerechnet eine unscheinbare Hochlandpflanze zu einem weltweiten Symbol für Vitalität entwickelte, ist kein Zufall. Ihre lange Geschichte als nährstoffreiches Grundnahrungsmittel bot den idealen Nährboden für moderne Vorstellungen von Kraft, Ausdauer und sexueller Leistungsfähigkeit.
Warum Maca bis heute mit Virilität und Fruchtbarkeit verbunden wird
Maca wird heute weltweit mit Kraft, Ausdauer, Fruchtbarkeit und sexueller Vitalität verbunden. Kaum eine andere Andenpflanze hat sich so stark vom regionalen Grundnahrungsmittel zum internationalen Sinnbild für sexuelle Vitalität und natürliche Leistungsfähigkeit entwickelt.
Dieser Ruf entstand jedoch nicht erst durch moderne Werbung. Bereits historische Berichte aus den Anden erwähnen Maca im Zusammenhang mit Fruchtbarkeit und Fortpflanzung. Überliefert ist unter anderem, dass Menschen Maca traditionell nicht nur selbst verzehrten, sondern teilweise auch Nutztieren verfütterten. Dahinter stand die Vorstellung, die Pflanze könne deren Fruchtbarkeit und allgemeine Widerstandskraft fördern. Wie verbreitet und regional einheitlich diese Praxis tatsächlich war, lässt sich heute allerdings nur schwer beurteilen.
Mit dem weltweiten Boom pflanzlicher Nahrungsergänzungsmittel ab den 1990er-Jahren entwickelte sich daraus ein völlig neues Bild. Maca wurde nun häufig als “natürliches Viagra”, “peruanischer Ginseng” oder Testosteron-Booster beworben. Viele dieser Aussagen gingen weit über die vorhandene wissenschaftliche Evidenz hinaus.

Gerade deshalb ist Maca für Forschende interessant. Mehrere Humanstudien berichten zwar über eine Zunahme des sexuellen Verlangens, gleichzeitig verändern sich Testosteron oder andere Sexualhormone meist kaum. Die Pflanze scheint daher nicht einfach über eine stärkere Hormonproduktion zu wirken. Stattdessen beschäftigen sich aktuelle Forschungsarbeiten unter anderem mit Macamiden, neuronalen Signalwegen, dem Endocannabinoid-System sowie möglichen Zusammenhängen zwischen Stress, Wohlbefinden und Sexualität.
Genau dieser Widerspruch macht Maca bis heute so interessant. Eine Pflanze, die weltweit als Testosteron-Booster vermarktet wird, scheint ihre möglichen Effekte gerade nicht über einen messbaren Anstieg der Sexualhormone zu entfalten. Für die Forschung eröffnet das neue Fragen – und für die Geschichte der Pflanze erklärt es, weshalb ihr Ruf bis heute weit über ihre eigentliche Heimat hinausreicht.
Wie schmeckt Maca?
Maca-Pulver besitzt einen deutlich erkennbaren Eigengeschmack. Es schmeckt erdig und leicht nussig, manchmal mit Noten von Karamell oder Getreide. Je nach Rohstoff und Verarbeitung kann eine feine Bitterkeit oder eine an Rettich und Senf erinnernde Schärfe hinzukommen. Darin zeigt sich wieder die Zugehörigkeit zu den Kreuzblütlern.
Gerade dieser Geschmack erklärt, weshalb viele Menschen Maca nicht ausschließlich als Nahrungsergänzung, sondern als vielseitige Lebensmittelzutat schätzen. Sie passt geschmacklich zu Kakao, Hafer, Nüssen, Banane, Zimt, Kaffee und pflanzlichen Drinks. In kleinen Mengen gibt sie Speisen eine warme, malzige Tiefe.

Wer Maca selbst ausprobieren möchte, findet im Querbeet-Shop Bio-Maca-Pulver aus kontrolliert biologischem Anbau 🙂 Als traditionell verarbeitetes Lebensmittel lässt es sich beispielsweise in Smoothies, Porridge oder pflanzliche Drinks einrühren – eine einfache Möglichkeit, die geschmackliche Seite dieser Andenpflanze kennenzulernen.
Bei der Auswahl von Maca-Produkten sind nachvollziehbare Herkunft, klare botanische Bezeichnung, kontrollierte Bio-Qualität und eine möglichst transparente Deklaration sinnvoll. Auch die Angabe, ob das Pulver roh getrocknet oder vorverkleistert beziehungsweise gelatinisiert wurde, kann relevant sein. Bei gelatinisierter Maca wird die Stärke durch Erhitzen und Wasser teilweise aufgeschlossen. Das hat nichts mit Gelatine zu tun und kann das Pulver leichter löslich oder für manche Menschen bekömmlicher machen.
Macamide, Glucosinolate und eine ungewöhnliche Pflanzenchemie
Maca enthält zunächst die Bestandteile, die man von einem stärkereichen pflanzlichen Lebensmittel erwarten würde: vor allem Kohlenhydrate, daneben Proteine, Ballaststoffe, Fettsäuren und Mineralstoffe. Die genaue Zusammensetzung schwankt jedoch mit Sorte, Anbaugebiet und Verarbeitung.
Wissenschaftlich besonders interessant sind ihre sekundären Pflanzenstoffe. Zu ihnen gehören Glucosinolate und deren Abbauprodukte, Macamide, Macaene, Pflanzensterole, Polyphenole sowie mehrere strukturell unterschiedliche Alkaloide.
Glucosinolate dienen Pflanzen vermutlich unter anderem als Teil ihres chemischen Abwehrsystems. Wird Pflanzengewebe verletzt, können Enzyme diese Verbindungen in reaktivere Stoffe umwandeln. Ähnliche Prozesse sind von Senf, Kohl oder Kresse bekannt. In Maca wurden vor allem benzylhaltige Glucosinolate untersucht.

Macamide wiederum gelten als besonders charakteristische Stoffgruppe. Chemisch handelt es sich um Fettsäureamide, die während Trocknung und Verarbeitung entstehen oder deren Konzentration dabei deutlich zunimmt. Frische Maca und getrocknetes Pulver können deshalb unterschiedliche Profile aufweisen. Macamide werden mittlerweile auch als mögliche Marker genutzt, um Maca-Rohstoffe zu charakterisieren und Verfälschungen zu erkennen.
In präklinischen Modellen untersuchen Forschende unter anderem, ob Macamide in den Endocannabinoid-Stoffwechsel eingreifen können. Einige Laborarbeiten deuten darauf hin, dass bestimmte Verbindungen den enzymatischen Abbau körpereigener Signalstoffe beeinflussen. Andere Forschungsrichtungen beschäftigen sich mit oxidativem Stress, Entzündungssignalen, Energiestoffwechsel, Nervenzellen und Fortpflanzungsbiologie.
Besonders schwarze Maca rückte in den vergangenen Jahren in den Fokus präklinischer Forschung. In verschiedenen Tiermodellen untersuchten Wissenschaftler*innen unter anderem Einflüsse auf Lernprozesse, Gedächtnisleistungen und die Funktion des Hippocampus. Ob sich diese Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, ist bislang offen. Sie zeigen jedoch, dass Maca heute weit mehr ist als eine Pflanze der Fruchtbarkeitsforschung.
Das klingt zunächst weitreichend. Es beschreibt aber vor allem, weshalb Maca wissenschaftlich interessant ist. Zellkulturen und Tiermodelle helfen dabei, mögliche Mechanismen einzugrenzen. Sie zeigen nicht automatisch, dass ein Maca-Pulver beim Menschen dieselben Effekte hervorruft.
Macht Maca mehr Lust?
Einige kleine randomisierte Humanstudien beobachteten tatsächlich Veränderungen des sexuellen Verlangens oder einzelner Aspekte der Sexualfunktion. Untersucht wurden unter anderem gesunde Männer, Menschen mit leichter erektiler Dysfunktion sowie Frauen nach der Menopause. Ein systematischer Review fand Hinweise auf mögliche positive Effekte, bewertete die Evidenz wegen der geringen Zahl an Studien, kleiner Stichproben und methodischer Schwächen jedoch als begrenzt.

Bemerkenswert ist, dass Maca in mehreren Untersuchungen nicht einfach den Testosteronspiegel erhöhte. Die verbreitete Gleichung „mehr Maca, mehr Testosteron, mehr Libido“ wird durch die vorhandenen Humanstudien nicht gestützt. Sollte Maca das sexuelle Erleben einzelner Menschen beeinflussen, könnten andere Wege beteiligt sein: Stimmung, subjektive Vitalität, Stressverarbeitung, Gefäßfunktionen oder komplexe neuronale Signalprozesse. Bislang ist keiner dieser Mechanismen klinisch eindeutig belegt.
Die bisherigen Ergebnisse zeigen vor allem, welche Fragen die Forschung derzeit besonders interessieren. Statt Maca als pflanzliches Hormonpräparat zu betrachten, interessiert sich die Forschung zunehmend dafür, wie verschiedene Inhaltsstoffgruppen gemeinsam auf Wahrnehmung, Stoffwechsel und Reproduktionsbiologie wirken könnten.
Fruchtbarkeit, Samenqualität und Menopause
Auch Macas Ruf als Fruchtbarkeitspflanze führte zu Humanstudien. Besonders häufig wurden Spermienkonzentration, Beweglichkeit und Morphologie untersucht. Die Resultate sind gemischt. Eine 2022 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit mit fünf randomisierten Studien fand keine überzeugende Verbesserung der Samenqualität. Einzelne Untersuchungen berichteten positive Veränderungen, andere fanden gegenüber Placebo keine wesentlichen Unterschiede.
Damit lässt sich Maca nicht als Behandlung männlicher Unfruchtbarkeit einordnen. Die Forschung bleibt dennoch interessant, weil Tiermodelle teilweise deutliche Effekte auf Fortpflanzungsparameter zeigen. Künftige Studien müssen klären, ob bestimmte Maca-Typen, Verarbeitungsformen oder Teilnehmergruppen unterschiedlich reagieren und welche Inhaltsstoffe dafür verantwortlich sein könnten.

Ein weiteres Forschungsfeld sind Beschwerden rund um die Menopause. Kleine Studien untersuchten unter anderem Stimmung, Hitzewallungen, Schlaf und sexuelles Wohlbefinden. Ein systematischer Review fand zwar günstige Signale, betonte jedoch ebenfalls die geringe Teilnehmerzahl und die schwache methodische Grundlage. Für eine verlässliche klinische Empfehlung reichen diese Daten nicht aus.
Maca wird gelegentlich als „hormonausgleichend“ bezeichnet. Dieser Begriff klingt verständlich, ist wissenschaftlich aber unscharf. Hormonsysteme werden nicht wie eine Waage einfach ausbalanciert. Zudem zeigen Humanstudien keine einheitlichen Veränderungen von Östrogen, Testosteron oder anderen Sexualhormonen. Präziser ist es, Maca als Lebensmittel und Forschungsgegenstand zu beschreiben, dessen mögliche Einflüsse auf Sexualität und Wohlbefinden noch untersucht werden.
Energie, Belastbarkeit und geistige Wachheit
Die enge Verbindung zwischen Maca und Vitalität hat wahrscheinlich mehrere Ursachen. Einerseits handelt es sich um ein stärkereiches Grundnahrungsmittel, das Menschen in den Hochlagen der Anden zuverlässig mit Energie versorgte. Andererseits berichten viele Anwender*innen bis heute von einem Gefühl größerer Belastbarkeit oder geistiger Wachheit. Diese subjektiven Erfahrungen sind einer der Gründe, weshalb Maca heute häufig als Adaptogen vermarktet wird.
Maca enthält kein Koffein und erzeugt keinen typischen stimulanzienartigen Zustand. Manche Konsument*innen berichten dennoch von mehr Antrieb oder Belastbarkeit. Kleine Studien zu Sport, Müdigkeit und Stimmung lieferten vereinzelte positive Ergebnisse, insgesamt aber kein klares Bild.

Präklinisch werden mögliche Einflüsse auf Energiestoffwechsel, antioxidative Schutzsysteme und Stressreaktionen untersucht. Daraus entstand auch die Vermarktung als „Adaptogen“. Der Begriff bezeichnet Pflanzen oder Stoffe, die unspezifisch die Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastungen erhöhen sollen. Für Maca ist diese Einordnung populär, klinisch jedoch nicht ausreichend standardisiert.
Selbst unabhängig von möglichen Wirkungen bleibt Maca als Lebensmittel interessant. Ihr malziges Aroma, ihre ungewöhnliche Botanik und ihre Geschichte als Hochlandnahrung sind bereits gute Gründe, sich mit ihr zu beschäftigen.
Sicherheit und verantwortungsvoller Umgang
Maca wird traditionell als Lebensmittel genutzt und in klinischen Studien meist gut vertragen. Gelegentlich werden Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen, Unruhe oder Schlafprobleme beschrieben. Da Zusammensetzung und Konzentration verschiedener Produkte schwanken können, lassen sich Erfahrungen nicht immer direkt übertragen.
Bei Schilddrüsenerkrankungen ist wegen der enthaltenen Glucosinolate ein vorsichtiger Umgang sinnvoll, besonders bei sehr hohen Mengen und gleichzeitig unzureichender Jodversorgung. Menschen mit hormonabhängigen Erkrankungen oder laufender Hormontherapie sollten Nahrungsergänzungsmittel mit Maca ärztlich abklären, auch wenn eine relevante hormonartige Wirkung bislang nicht eindeutig nachgewiesen ist.
Für Schwangerschaft und Stillzeit fehlen ausreichende Sicherheitsdaten. Maca sollte außerdem nicht zur Selbstbehandlung von Fruchtbarkeitsproblemen, sexuellen Funktionsstörungen oder anhaltender Erschöpfung eingesetzt werden. Solche Beschwerden können medizinische, psychische oder soziale Ursachen haben, die unabhängig von einem Pflanzenpulver abgeklärt werden sollten.
Eine Pflanze zwischen Nahrung und Versprechen
Maca ist heute beides: eine alte Kulturpflanze der Anden und eine Projektionsfläche des internationalen Wellnessmarktes. Zwischen diesen beiden Rollen geht leicht verloren, was sie tatsächlich bemerkenswert macht.
Sie gehört zu den wenigen Nutzpflanzen, die in einer der härtesten Agrarlandschaften Südamerikas gedeihen. Ihr Speicherorgan ernährte Menschen dort lange, bevor Begriffe wie Superfood oder Biohacking existierten. Durch Trocknung und Verarbeitung entsteht ein vielseitiges Lebensmittel mit eigenem Aroma und einer Pflanzenchemie, die Forschende bis heute beschäftigt.
Die klinische Forschung liefert erste Hinweise, aber keine einfache Bestätigung der großen Versprechen. Maca ist weder ein verlässlicher Testosteronbooster noch ein bewiesenes Fruchtbarkeitsmittel. Sie ist jedoch auch nicht erst dann wertvoll, wenn sich eines dieser Etiketten bestätigen sollte.
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Stärke der Maca. Sie verbindet Ernährung, Kulturgeschichte und moderne Forschung, ohne sich auf ein einzelnes Wirkversprechen reduzieren zu lassen. Aus einer unscheinbaren Hochlandpflanze wurde ein weltweit bekanntes Lebensmittel – nicht weil jede Hoffnung bestätigt wurde, sondern weil ihre Geschichte weit mehr erzählt als jede einzelne Wirkung.

Quellen
Dini, Antonio; Migliuolo, G.; Rastrelli, Luca; Saturnino, Paola; Schettino, O.: “Chemical Composition of Lepidium meyenii”. Food Chemistry, Band 49, Nr. 4, 1994, S. 347–349. DOI: 10.1016/0308-8146(94)90003-5.
Gonzales, Gustavo F.: “Ethnobiology and Ethnopharmacology of Lepidium meyenii (Maca), a Plant from the Peruvian Highlands”. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2012, Artikel 193496. DOI: 10.1155/2012/193496.
Gonzales, Gustavo F.; Villaorduña, Leonidas; Gasco, Manuel; Rubio, Julio; Gonzales, Carla: “Maca (Lepidium meyenii Walp.), una revisión sobre sus propiedades biológicas”. Revista Peruana de Medicina Experimental y Salud Pública, Band 31, Nr. 1, 2014, S. 100–110. DOI: 10.17843/rpmesp.2014.311.15.
Huang, Yan-Jie; Peng, Xing-Rong; Qiu, Ming-Hua: “Progress on the Chemical Constituents Derived from Glucosinolates in Maca (Lepidium meyenii)”. Natural Products and Bioprospecting, Band 8, Nr. 6, 2018, S. 405–412. DOI: 10.1007/s13659-018-0185-7.
Lee, Hye Won; Lee, Myeong Soo; Qu, Fan; Lee, Je-Won; Kim, Eunseop: “Maca (Lepidium meyenii Walp.) on Semen Quality Parameters: A Systematic Review and Meta-analysis”. Frontiers in Pharmacology, Band 13, 2022, Artikel 934740. DOI: 10.3389/fphar.2022.934740.
Lee, Myeong Soo; Shin, Byung-Cheul; Yang, Eun Jin; Lim, Hyun-Ja; Ernst, Edzard: “Maca (Lepidium meyenii) for Treatment of Menopausal Symptoms: A Systematic Review”. Maturitas, Band 70, Nr. 3, 2011, S. 227–233. DOI: 10.1016/j.maturitas.2011.07.017.
Shin, Byung-Cheul; Lee, Myeong Soo; Yang, Eun Jin; Lim, Hyun-Suk; Ernst, Edzard: “Maca (L. meyenii) for Improving Sexual Function: A Systematic Review”. BMC Complementary and Alternative Medicine, Band 10, 2010, Artikel 44. DOI: 10.1186/1472-6882-10-44.
Wasilewicz, Andreas; Grienke, Ulrike: “Maca (Lepidium meyenii) as a Functional Food and Dietary Supplement: A Review on Analytical Studies”. Foods, Band 15, Nr. 2, 2026, Artikel 306. DOI: 10.3390/foods15020306.