Jiaogulan (Gynostemma pentaphyllum)

Jiaogulan (Gynostemma pentaphyllum) mit frischen grünen Trieben und charakteristischen fünfteiligen Blättern als kräftige Jungpflanzen im Topf.

Steckbrief

Wissenschaftlicher Name: Gynostemma pentaphyllum (Thunb.) Makino
Deutsche Bezeichnungen: Jiaogulan, Unsterblichkeitskraut
Familie: Kürbisgewächse (Cucurbitaceae)
Wuchsform: mehrjährige, krautige Kletterpflanze
Verbreitung: weite Teile Ost-, Süd- und Südostasiens
Verwendete Pflanzenteile: vor allem die Blätter und oberirdischen Pflanzenteile
Geschmack: süßlich, krautig und leicht bitter
Typische Verwendung: als Tee, Aufguss, Gemüse und Pflanzenextrakt
Wichtige Inhaltsstoffgruppen: Gypenoside, Polysaccharide, Flavonoide und Phytosterole
Forschungsgebiete: Stoffwechsel, Stress, körperliche Leistungsfähigkeit, Entzündungsprozesse und Zellschutz

Strukturformel von Ginsenosid Rg1 – natürliches Triterpensaponin aus Ginseng mit charakteristischer chemischer Molekülstruktur.

Eine Kletterpflanze mit großem Ruf

Jiaogulan wächst nicht wie eine Pflanze, die Eindruck schinden möchte. Die dünnen Triebe suchen sich ihren Weg an Zweigen, Zäunen und Rankhilfen entlang, während sich die handförmig zusammengesetzten Blätter zwischen anderer Vegetation ausbreiten. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man, was dem wissenschaftlichen Namen Gynostemma pentaphyllum seinen zweiten Teil gegeben hat: Häufig besteht ein Blatt aus fünf einzelnen Blättchen.

In Europa begegnet Jiaogulan meist unter dem Beinamen “Kraut der Unsterblichkeit”. Das klingt nach einer großen Verheißung, vielleicht sogar nach einer etwas zu großen. Tatsächlich ist der Name weniger eine wissenschaftliche Aussage als eine moderne Verdichtung verschiedener Geschichten über ländliche Teekultur, außergewöhnliche Langlebigkeit und die traditionelle Wertschätzung der Pflanze in Teilen Südchinas.

Spannender als der Beiname ist ohnehin die Pflanze selbst. Jiaogulan gehört zur Familie der Kürbisgewächse und ist damit botanisch näher mit Gurken und Melonen verwandt als mit Ginseng. Chemisch gibt es jedoch eine bemerkenswerte Verbindung: Die Blätter enthalten zahlreiche Saponine mit einem Dammaran-Grundgerüst, das auch von bestimmten Ginsenosiden bekannt ist. Genau diese Ähnlichkeit brachte Jiaogulan den gelegentlich verwendeten Namen “Ginseng des Südens” ein.

Doch Jiaogulan ist keine Kopie von Ginseng. Es ist eine eigenständige Pflanze mit einer eigenen Geschichte, einem überraschend zugänglichen Geschmack und einer Inhaltsstoffvielfalt, die Forschende bis heute beschäftigt.

Jiaogulan (Gynostemma pentaphyllum), auch Kraut der Unsterblichkeit, als Topfpflanze im Garten mit Teekanne und Tasse für Jiaogulan-Tee.

Vom Waldrand in die Teeschale

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Gynostemma pentaphyllum reicht von Regionen des Himalaya über China und Korea bis nach Japan, Südostasien und Neuguinea. Die Pflanze bevorzugt feuchte, geschützte Standorte und wächst in subtropischen Gebieten an Waldrändern, in Gebüschen und an Hängen. Mit ihren Ranken kann sie sich an benachbarter Vegetation festhalten und mehrere Meter weit ausbreiten.

Botanisch fällt Jiaogulan auch deshalb auf, weil die Art zweihäusig sein kann. Männliche und weibliche Blüten befinden sich dann auf unterschiedlichen Pflanzen. Die unscheinbaren, grünlich-weißen Blüten entwickeln sich bei weiblichen Exemplaren zu kleinen, zunächst grünen und später beinahe schwarzen Beeren.

In gemäßigten europäischen Breiten lässt sich Jiaogulan ebenfalls kultivieren. Die oberirdischen Triebe ziehen sich während kalter Winter häufig zurück, während der Wurzelstock unter günstigen Bedingungen erneut austreibt. In Töpfen und Gärten wird die Pflanze deshalb nicht nur als Teekraut, sondern auch als schnell wachsende Kletterpflanze geschätzt.

Als Kletterpflanze investiert Jiaogulan vergleichsweise wenig Energie in einen stabilen Stamm. Stattdessen nutzt sie ihre Umgebung als natürliche Rankhilfe. Dadurch kann sie mehr Ressourcen in Blätter investieren – genau jene Pflanzenteile, die traditionell gesammelt und als Tee verwendet werden.

Ihre Geschichte als Nutzpflanze beginnt allerdings nicht in einem medizinischen Labor, sondern bei der Suche nach Nahrung. Eine häufig zitierte frühe Beschreibung findet sich im chinesischen “Jiuhuang Bencao”, dem “Kräuterbuch zur Linderung von Hungersnöten” aus dem frühen 15. Jahrhundert. Das Werk sammelte Pflanzen, die in Zeiten knapper Ernten als essbare Wildkräuter dienen konnten. Jiaogulan erscheint hier zunächst als Nahrungspflanze und nicht als exklusives Heilmittel.

Jiaogulan-Blatt (Gynostemma pentaphyllum) mit fünf gezackten Fiederblättern auf weißem Hintergrund.

Spätere Kräuterbücher beschrieben auch medizinische Anwendungen. Regional wurde die Pflanze unter anderem bei Erschöpfung, Atemwegsbeschwerden, Entzündungen und verschiedenen unspezifischen Schwächezuständen verwendet. Solche Angaben dokumentieren historische Vorstellungen und lokale Heilsysteme. Sie belegen nicht automatisch eine Wirkung im heutigen klinischen Sinn.

Gerade diese doppelte Rolle als Nahrungs- und Arzneipflanze prägt Jiaogulan jedoch bis heute.

Alltagstee statt kaiserlicher Medizin

Jiaogulan wird oft fest in die Traditionelle Chinesische Medizin eingeordnet. Ganz so geradlinig ist die Geschichte nicht. Die Pflanze gehörte lange nicht zu den bekanntesten und überregional bedeutendsten Arzneimitteln der klassischen chinesischen Medizin. Ihre Verwendung war stärker regional geprägt, besonders in den bergigen Gebieten Südchinas und angrenzenden Regionen.

Dort wurden frische Blätter gegessen, als Gemüse verarbeitet oder getrocknet als Tee aufgegossen. Der Geschmack dürfte ein wichtiger Grund dafür gewesen sein, dass sich die Pflanze im Alltag halten konnte. Jiaogulan schmeckt krautig und leicht bitter, besitzt aber zugleich eine auffällige Süße. Diese natürliche Süße stammt unter anderem von bestimmten Saponinen und macht den Aufguss milder, als es sein herber Duft zunächst vermuten lässt.

Jiaogulan (Gynostemma pentaphyllum) mit grünen Beerenfrüchten und Ranken an der Kletterpflanze im Garten.

Ein Jiaogulan-Tee erinnert geschmacklich weder vollständig an Grüntee noch an Ginseng. Er wirkt weicher, manchmal beinahe lakritzartig, mit einer grünen, leicht erdigen Note. Je nach Herkunft, Erntezeit und Verarbeitung kann das Aroma allerdings deutlich schwanken.

Berichte über besonders viele alte Menschen in bestimmten Regionen, in denen Jiaogulan regelmäßig getrunken wurde, trugen später zum Ruf als “Unsterblichkeitskraut” bei. Ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Teekonsum und außergewöhnlicher Langlebigkeit wurde daraus jedoch nie abgeleitet. Lebenserwartung entsteht aus Ernährung, Bewegung, sozialer Umgebung, medizinischer Versorgung, Genetik und zahlreichen weiteren Faktoren. Der Beiname erzählt daher vor allem etwas über die kulturelle Bedeutung, die der Pflanze nachträglich zugeschrieben wurde.

Warum Jiaogulan heute so beliebt ist

Viele Kräutertees werden wegen einer bestimmten zugeschriebenen Wirkung getrunken. Bei Jiaogulan spielt dagegen oft der tägliche Genuss eine ebenso große Rolle. In China, Taiwan oder Japan wird der Aufguss vielerorts ganz selbstverständlich im Alltag getrunken – ähnlich wie bei uns Grüntee oder Kräutertee. Die angenehm süßliche Note sorgt dafür, dass viele Menschen den Tee auch ohne Zucker trinken.

Gerade diese Verbindung aus mildem Geschmack, einfacher Zubereitung und jahrhundertelanger Nutzung macht einen Teil der Faszination aus. Jiaogulan muss keine spektakuläre Pflanze sein, um interessant zu bleiben. Für viele gehört er einfach zur täglichen Teekultur.

Gypenoside: Verwandt mit den Stoffen des Ginsengs

Im Zentrum der modernen Jiaogulan-Forschung stehen die Gypenoside. Dabei handelt es sich um Triterpensaponine, also Moleküle aus einem fettlöslichen Grundgerüst und mehreren daran gebundenen Zuckeranteilen. Saponine können in Wasser schäumen und übernehmen in Pflanzen vermutlich unterschiedliche ökologische Funktionen, etwa bei der Abwehr von Mikroorganismen und Fraßfeinden.

Ein Teil der Gypenoside besitzt ein Dammaran-Grundgerüst, das strukturell mit den Ginsenosiden aus Ginseng verwandt ist. Einige Verbindungen sind sogar chemisch identisch mit bestimmten Ginsenosiden. Daraus entstand die Vorstellung, Jiaogulan könne ähnlich wie Ginseng wirken.

Chemische Ähnlichkeit bedeutet allerdings nicht automatisch identische Pharmakologie. Die Blätter enthalten ein komplexes Gemisch zahlreicher Saponine, deren Zusammensetzung von Sorte, Standort, Erntezeit und Verarbeitung beeinflusst wird. Eine analytische Untersuchung aus dem Jahr 2023 charakterisierte mehr als tausend mögliche Saponinverbindungen und fand deutliche Unterschiede zwischen Handelsproben verschiedener Herkunft.

Neben den Gypenosiden enthält Jiaogulan Polysaccharide, Flavonoide, Phytosterole, Chlorophyll und weitere Pflanzenstoffe. Untersucht werden nicht nur einzelne Moleküle, sondern auch wässrige oder alkoholische Extrakte. Dadurch entsteht ein Problem, das in der Pflanzenforschung häufig vorkommt: Ergebnisse eines standardisierten Extrakts lassen sich nicht ohne Weiteres auf einen gewöhnlichen Tee oder auf jedes beliebige Pulver übertragen.

Gerade deshalb ist die genaue Bezeichnung der untersuchten Zubereitung entscheidend.

Weshalb sich die Stoffwechselforschung für Jiaogulan interessiert

Ein großer Teil der präklinischen Forschung beschäftigt sich mit der Frage, wie Gypenoside und Jiaogulan-Extrakte den Energiestoffwechsel beeinflussen. In Zell- und Tiermodellen werden unter anderem die AMP-aktivierte Proteinkinase, kurz AMPK, sowie Signalwege rund um die Insulinregulation untersucht.

AMPK funktioniert vereinfacht gesagt wie ein zellulärer Energiesensor. Steht wenig unmittelbar verfügbare Energie bereit, kann das Enzym Prozesse fördern, die Fettsäuren und Glucose verfügbar machen, während besonders energieaufwendige Aufbauvorgänge gebremst werden. Dieser Mechanismus interessiert Forschende bei Diabetes, Fettleber, Übergewicht und körperlicher Leistungsfähigkeit.

Infografik zur AMPK (AMP-aktivierte Proteinkinase): Aktivierung reguliert Glukoseaufnahme, Fettstoffwechsel und Energiehaushalt in Gehirn, Herz, Leber, Skelettmuskel, Fettgewebe und Bauchspeicheldrüse.

Präklinische Studien berichten außerdem über Einflüsse auf oxidativen Stress, Entzündungssignale, Fettstoffwechsel und mitochondriale Funktionen. Andere Arbeiten untersuchen mögliche Effekte auf Leber-, Nerven- und Gefäßzellen. Auch die Regulation von programmiertem Zelltod und Zellteilung wird erforscht, weshalb Jiaogulan gelegentlich im Zusammenhang mit Krebsforschung auftaucht.

Solche Experimente helfen dabei, mögliche Wirkmechanismen einzugrenzen. Sie zeigen, welche Signalwege grundsätzlich auf Bestandteile der Pflanze reagieren können. Sie belegen jedoch nicht, dass Jiaogulan Krebs, Diabetes oder andere Erkrankungen beim Menschen behandelt. Viele Konzentrationen, die in Zellkulturen verwendet werden, lassen sich durch einen gewöhnlichen Tee nicht erreichen.

Interessant bleibt die Forschung trotzdem. Jiaogulan vereint eine außergewöhnlich große Gruppe chemisch verwandter Saponine in einer Pflanze, die zugleich als traditionelles Getränk genutzt wird. Das macht sie zu einem spannenden Modell für die Verbindung von Ernährung, Pflanzenchemie und Stoffwechselbiologie.

Was Humanstudien bisher zeigen

Anders als bei vielen sogenannten Adaptogenen existieren zu Jiaogulan bereits einige kontrollierte Humanstudien. Die Zahl der Untersuchungen ist dennoch überschaubar, und häufig wurden spezielle, standardisierte Extrakte geprüft.

In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie mit 80 Erwachsenen mit Übergewicht führte ein hitzebehandelter Jiaogulan-Extrakt über zwölf Wochen zu moderaten Veränderungen bei Körpergewicht, Körperfett und abdominalem Fett. Die Untersuchung ist interessant, weil sie die zuvor diskutierten Stoffwechselmechanismen erstmals deutlicher mit klinischen Messwerten verband. Sie ist aber keine Grundlage dafür, gewöhnlichen Jiaogulan-Tee als Mittel zum Abnehmen zu betrachten.

Eine weitere Studie untersuchte einen Blattextrakt bei 72 gesunden Erwachsenen, die unter länger andauerndem psychischem Stress standen. Nach acht Wochen zeigte sich bei einem Teil der verwendeten Angstskalen eine Verbesserung gegenüber Placebo, während mehrere andere Stressparameter keine klaren Unterschiede ergaben. Das Ergebnis liefert einen ersten klinischen Hinweis, aber noch keinen Nachweis für eine Behandlung von Angststörungen.

Auch körperliche Leistungsfähigkeit ist inzwischen Gegenstand kleiner Humanstudien. In einer Untersuchung mit 100 gesunden Erwachsenen verbesserte ein Gypenosid-L-haltiger Extrakt einzelne Messwerte der Sauerstoffaufnahme, der subjektiv wahrgenommenen Anstrengung und der körperlichen Ermüdung. Eine weitere, deutlich kleinere Studie mit 16 jungen Männern fand nach vierwöchiger Einnahme eines Blattextrakts Veränderungen bei der Radfahrleistung, der mitochondrialen Atmung und der AMPK-Aktivierung im Muskel.

Botanische Illustration von Jiaogulan (Gynostemma pentaphyllum) mit fünfteiligen Blättern, Blüten, Ranken und reifen schwarzen Beerenfrüchten.

Diese Ergebnisse passen zu den untersuchten Stoffwechselwegen. Noch ist aber offen, wie verlässlich sie sich in größeren, unabhängigen Studien wiederholen lassen.

Systematische Auswertungen chinesischer Studien befassen sich außerdem mit Blutzucker- und Blutfettwerten. Einige Resultate fallen positiv aus, doch unterscheiden sich Präparate, Studiendesigns und zusätzliche Behandlungen erheblich. Der klinische Forschungsstand bewegt sich damit zwischen vielversprechenden Signalen und noch fehlender Bestätigung.

Tee, Blattware und die Frage nach Qualität

Für die meisten Menschen bleibt Jiaogulan weniger ein standardisierter Extrakt als ein aromatisches Teekraut. Gute Blattware sollte sauber verarbeitet sein und einen frischen, pflanzlichen Geruch besitzen. Ein gewisser Anteil an Stängeln ist bei einer rankenden Pflanze normal. Sehr staubige Ware, muffiger Geruch oder auffällige Feuchtigkeit sprechen dagegen für ungünstige Lagerung.

Auch besonders starke Bitterkeit ist nicht automatisch ein Qualitätsmerkmal. Die Zusammensetzung der Saponine variiert, und unterschiedliche Chargen können süßer, grüner oder herber schmecken. Wer Jiaogulan kennenlernen möchte, erfährt daher durch einen einfachen Aufguss oft mehr über die Pflanze als durch vollmundige Versprechen auf einer Verpackung.

Wer Jiaogulan als klassischen Tee kennenlernen möchte, findet bei Querbeet lose Blattware aus getrockneten Blättern 🙂 Gerade bei einer Pflanze, deren Geschichte eng mit dem täglichen Aufguss verbunden ist, erlaubt diese Form einen besonders authentischen Eindruck von Aroma und Geschmack.: Man sieht das Pflanzenmaterial, riecht die Blätter und kann den charakteristischen süß-herben Geschmack unverfälscht kennenlernen.

Nahaufnahme von Jiaogulan (Gynostemma pentaphyllum) mit kleinen grünlich-weißen Blüten und unreifen grünen Beerenfrüchten.

Jiaogulan zwischen Adaptogen und Alltagspflanze

Im europäischen Pflanzenhandel wird Jiaogulan häufig als Adaptogen bezeichnet. Der Begriff beschreibt Pflanzenstoffe, die dem Organismus helfen sollen, besser mit körperlichen oder psychischen Belastungen umzugehen. Wissenschaftlich ist diese Kategorie allerdings nicht besonders scharf abgegrenzt. Sie fasst verschiedene Pflanzen mit sehr unterschiedlichen Inhaltsstoffen und Wirkmechanismen zusammen. Deshalb verwenden Forschende den Begriff heute eher als praktische Sammelbezeichnung denn als klar definierte pharmakologische Kategorie.

Bei Jiaogulan beruht die Einordnung vor allem auf Untersuchungen zu Stressreaktionen, Energiestoffwechsel, körperlicher Ermüdung und zellulären Schutzmechanismen. Der Begriff kann daher eine Forschungsrichtung benennen, sollte aber nicht als Garantie für eine allgemein “ausgleichende” Wirkung verstanden werden.

Vielleicht liegt der eigentliche Reiz der Pflanze ohnehin nicht in einer einzigen Wirkung. Jiaogulan ist essbares Wildkraut, regionale Teepflanze, Gartenkletterer und Gegenstand moderner Stoffwechselforschung zugleich. Es verbindet alltäglichen Genuss mit einer Chemie, die ungewöhnlich komplex ist.

Das “Kraut der Unsterblichkeit” macht niemanden unsterblich. Doch hinter dem großen Namen steckt eine Pflanze, die auch ohne Legende bemerkenswert genug ist.

Nahaufnahme von Jiaogulan (Gynostemma pentaphyllum) mit kleinen grünlich-weißen Blüten und unreifen grünen Beerenfrüchten.

Sicherheit und verantwortungsvoller Umgang

Jiaogulan wird in verschiedenen asiatischen Regionen traditionell als Lebensmittel und Tee verwendet. In klinischen Studien mit standardisierten Extrakten wurden meist keine schweren unerwünschten Ereignisse beobachtet. Gelegentlich können jedoch Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, Kopfschmerzen oder individuelle Unverträglichkeiten auftreten.

Da Jiaogulan in Untersuchungen den Glucose- und Fettstoffwechsel beeinflusst und experimentell auch Effekte auf Blutplättchen und Gerinnung gezeigt hat, ist bei gleichzeitiger Einnahme blutzuckersenkender oder gerinnungshemmender Medikamente besondere Vorsicht sinnvoll. Für Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln existieren insgesamt nur begrenzte Daten.

Schwangere, Stillende, Kinder und Jugendliche sollten auf hoch konzentrierte Extrakte verzichten, da für diese Gruppen keine ausreichenden Sicherheitsdaten vorliegen. Bei chronischen Erkrankungen, geplanten Operationen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme sollte die Verwendung konzentrierter Jiaogulan-Präparate medizinisch oder pharmazeutisch abgeklärt werden.

Quellen

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